Freibadsaison in Ötisheim fällt aus

Mehrheit im Gemeinderat votiert wegen der finanziellen und organisatorischen Risiken gegen einen verspäteten Saisonstart. Eine Sorge betrifft die Einhaltung der Corona-Auflagen und den Aufwand für Kontrollen. Befürworter der Öffnung appellieren umsonst.

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 9. Juli 2020, 00:00 Uhr
Freibadsaison in Ötisheim fällt aus Badesaison gestrichen: Das Ötisheimer Freibad bleibt diesen Sommer geschlossen. Foto: Stahlfeld

Ötisheim. Sie haben die Argumente jeder für sich abgewogen und sich die Entscheidung nicht leichtgemacht – am Ende stimmten die Ötisheimer Gemeinderäte mehrheitlich dafür, dass das örtliche Freibad in diesem Sommer geschlossen bleibt. Neben der Frage der Wirtschaftlichkeit des Betriebs war vor allem die Sorge um die Nichteinhaltung der Corona-Auflagen ausschlaggebend für die Entscheidung.

Das Hygiene-Konzept zur Erfüllung der Corona-Verordnung für die Bäder stand, und eine Öffnung des Freibads sei „theoretisch denkbar“, wie Bürgermeister Werner Henle eingangs feststellte. Aber: „Praktisch würde es zu Problemen führen.“ Bewusst habe die Verwaltung auf einen Beschlussvorschlag verzichtet, forderte Henle die Gemeinderäte zu einer offenen Diskussion auf. „Wir haben uns die Köpfe heißgeredet“, berichtete er von Gesprächen innerhalb des Rathausteams. Er persönlich sei an dem Punkt angelangt, an dem er sich gegen eine Öffnung ausspreche.

„Das Wetter ist gut, die Sommerferien stehen vor der Tür, alles ist startklar“, setzte sich dagegen Andrea Maisel (SPD) engagiert für einen verspäteten Start in die Freibadsaison ein. In Mühlacker, Niefern und Bretten hätten die Bäder geöffnet, so die Gemeinderätin, die betonte, dass das Hygienekonzept durchgesetzt werden müsse. Sie verteidigte die bei einer Öffnung entstehenden Mehrkosten: „Machen wir das für unsere Bürger, was wir uns leisten können.“ Dies sei in einer Zeit mit vielen Einschränkungen umso wichtiger, betonte Maisel. Sie stehe grundsätzlich für sparsames Haushalten, aber das Wohl der Gemeinde hänge nicht am Freibadbetrieb. Es gebe keine akute Notlage.

Vor dieser aber warnte Gemeinderat Uwe Oehler (FWV/UBL). Als Folge der Pandemie sei mit einbrechenden Steuereinnahmen zu rechnen, hatte er wenig Verständnis dafür, nun einen „sechsstelligen Betrag“ in das Freibad zu investieren. Laut den Zahlen der Verwaltung liegen die Einnahmen in normalen Jahren bei 75000 Euro, dieses Jahr seien maximal noch 25000 Euro zu erwirtschaften. Zu den Mindereinnahmen kämen Mehrausgaben für zusätzliches Reinigungspersonal, gegebenenfalls Überwachungspersonal und unter anderem spezielle Reinigungsmittel.

Wie Bürgermeister Werner Henle weiter konkretisierte, liegt der Gewerbesteuereinbruch aktuell bei 26 Prozent beziehungsweise rund 600000 Euro, und er werde voraussichtlich auf 30 bis 35 Prozent ansteigen. Finanziell gesehen werde es eng, machte der Verwaltungschef deutlich.

Sabine Burkhard-Dürr (BUN) plädierte dennoch für eine Öffnung des Freibades, ebenso wie Ingrid Burger (BUN). Es sei ein Ausgleich für die vielen Entbehrungen, sah sie das Freibad als einen Ort der Begegnung und ein „bisschen Normalität“.

Währenddessen berichtete Henle von Erfahrungen aus geöffneten Bädern, wo zum Beispiel das Verhalten der Besucher zu wünschen übrig lasse. So gelte im Wasser noch immer die Abstandsregel, weshalb die Zahl der Menschen in den Becken begrenzt sei. „Die einen stehen dann irgendwann am Rand und trippeln und wollen rein, die anderen aber gehen nicht raus.“ Es sei fraglich, ob der Bademeister solche Situationen auflösen könne.

Auch Ulrich Jaggy und Jürgen Halbich (beide FWV/UBL) äußerten Bedenken. Auch Sebastian Hebel von der Gemeinderatsfraktion „Es geht noch mehr …“ konnte sich nicht vorstellen, dass die Leute sich immer an die Vorgaben halten würden. Es gebe auch jetzt Jugendliche, die in Ötisheim nachts schwimmen gingen.

Wolfgang Vetter (FWV/UBL) sah die Frage der Freibadöffnung zwiespältig, während sich sein Fraktionskollege Thilo Hook wunderte, dass so viel auf die Kosten geschaut werde. „Viele sagen, dass es gefährlich ist“, verwies er auf die gesundheitlichen Risiken in Zeiten, in denen das Virus nicht besiegt sei. Dr. Hans-Martin Luib warnte vor einem neuen Hotspot: „Wenn wir einen Fall haben, dann haben wir uns ein Eigentor geschossen.“

Am Ende gab es zwei Anträge, Andrea Maisel plädierte für die Öffnung und Uwe Oehler dagegen. Da der Antrag Maisels weitergehend war, wurde darüber abgestimmt. Resultat: Fünf Gemeinderäte votierten für den Start, acht dagegen.

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