Fällaktion am Erlenbach in der Kritik

Naturschützer Köberle spricht von „Kahlschlag“ – Rathauschef Henle verteidigt Maßnahme

Von Thomas Sadler Erstellt: 8. Oktober 2015, 00:00 Uhr
Fällaktion am Erlenbach in der Kritik Umgelegte Bäume: Am Erlenbach läuft eine umfangreiche Ausputzaktion, die Proteste in der Bevölkerung auslöst.Foto: Becker

Ötisheim. Auf den Gemarkungen von Ötisheim und Erlenbach findet derzeit eine großangelegte Aktion statt, bei der Laubbäume am Erlenbach gefällt werden. Dagegen regt sich Protest. Kritiker, von denen sich manche in der Redaktion des Mühlacker Tagblatt gemeldet haben, halten die Maßnahme für überzogen.

So spricht der Mühlacker Stadtrat Klemens Köberle (Liste Mensch und Umwelt) von einem „Kahlschlag“ an Pappeln, Erlen und Weiden, der in beträchtlichem Umfang bachbegleitendes Grün zerstöre und überdies Fledermäuse und andere Tiere gefährde. „Dass etwas gemacht wird, ist ja gut, aber nicht in dieser Größenordnung“, so Köberle.

Ötisheims Bürgermeister Werner Henle verteidigt die Ausputzaktion der Gemeinde, die zur Gewässerentwicklungsplanung gehöre und mit dem Landratsamt Enzkreis abgestimmt sei, als sinnvoll und notwendig. Durch das Fällen, das „vielleicht alle 20 Jahre“ in einem so großen Umfang durchgeführt werde, solle der Laubeintrag in den Bach reduziert werden. Außerdem gelte es, zu verhindern, dass das Bachbett nach und nach durch sich ausbreitendes Wurzelwerk verschoben werde. Im Übrigen seien manche Bäume schadhaft und müssten schon deshalb beseitigt werden, so Werner Henle. Den Vorwurf, die Gemeinde gehe rücksichtlos gegen Flora und Fauna vor, weist der Verwaltungschef zurück. So sollten etwa Bäume, in denen sich Nisthöhlen befinden, stehen bleiben.

Zu den Kritikern gehören Rudolf und Christine Geltz. Die Bürger seien zu spät über die Aktion informiert worden, nämlich erst am 1. Oktober im Ortsnachrichtenblatt, bemängelt die Ötisheimerin. Zwar sei das Vorhaben im Grundsatz durchaus sinnvoll, „doch es wird zu stark ausgelichtet“, bringt sie ihre Bedenken auf den Punkt.

Abgesehen von umweltschützerischen Gründen spricht nach Ansicht von Christine Geltz noch ein anderer Umstand gegen das Ausmaß der Fällungen: Bislang hätten die Bäume am Erlenbach wie eine schützende Wand gegen den Verkehrslärm von der Landesstraße zwischen Mühlacker und Ötisheim gewirkt. Verschwänden Bäume, verschwinde auch ein Teil dieses natürlichen Schutzschirms, von dem die Brühlsiedlung und benachbarte Bereiche profitiert hätten.

Nicht zuletzt unter dem Lärm von Motorrädern litten die Betroffenen, stellt Rudolf Geltz fest, der die Belästigung von Rasern auf zwei und vier Rädern anprangert.

Thomas Sadler

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