„Ein schwarzer Tag für Ötisheim“

Bürgermeister Werner Henle übt scharfe Kritik am Landratsamt – Enzkreis will Rondell im Frühjahr bepflanzen

Von Maik Disselhoff Erstellt: 18. Dezember 2012, 00:00 Uhr
„Ein schwarzer Tag für Ötisheim“ Eine Sicherheitsrichtlinie der EU will es so: Bagger rollen auf den Kreisverkehr bei Ötisheim und räumen alle festen Einbauten ab, weil diese als gefährlich eingestuft werden. Über den sogenannten „Rückbau“ des Rondells, der sich unmittelbar vor den Toren der Gemeinde auf der Landesstraße in Richtung Maulbronn befindet, war monatelang emotional diskutiert worden. Foto: Franz

Nach monatelangem Tauziehen und emotionalen Grundsatzdebatten ist am gestrigen Montag überraschend schweres Gerät am Ötisheimer Kreisverkehr angerückt, um endgültig Fakten zu schaffen: Die Aufbauten des Verkehrsrondells wurden entfernt.

Ötisheim. Der Protest von Ötisheims Bürgermeister Werner Henle, vielen Bürgern und auch Politikern ist am Ende ins Leere gelaufen. Das wurde gestern mit dem Auftritt der unbarmherzigen Baumaschinen am Knotenpunkt vor den Toren der Gemeinde in Richtung Maulbronn vollends deutlich. Henle betonte gestern noch einmal, dass der Rückbau nicht aufzuhalten war, gleichzeitig kritisierte er den Zeitpunkt für die Umsetzung des Ministeriumserlasses scharf: „Dass das eine Woche vor Weihnachten passiert, ist eine schöne Bescherung“, sagte Henle und fügte hinzu: „Ich bin maßlos enttäuscht von der Kreisverwaltung, die hier jegliches Fingerspitzengefühl vermissen lässt. Das hätte noch ein paar Tage warten können.“ Anscheinend sei die Gefährdungslage um Ötisheim so groß, dass kein Aufschub möglich gewesen sei – oder jemand habe die Muskeln spielen lassen, merkte der Schultes mit unverhohlener Ironie an.

Henle wirft den Verantwortlichen im Landratsamt vor, nicht über den Einsatz informiert zu haben. Den Termin für den Rückbau mitzuteilen, sei jedoch abgemachtes Ergebnis eines Gesprächs im Landratsamt gewesen. „Hätten wir in weiser Voraussicht nicht unser Wappen entfernt, wäre es sicher heute zerstört worden.“ Gegen den Vorwurf, nicht über den Rückbau informiert zu haben, wehrt sich Oliver Müller, Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt Enzkreis. „Wir haben die Gemeinde am 24. Oktober angeschrieben und mitgeteilt, dass wir den Kreisverkehr in Kürze zurückbauen werden“, betont Müller. Im Winter müssten die Mitarbeiter der Straßenmeisterei Enzkreis ohnehin flexibel eingesetzt werden, wenn sie aufgrund der Witterung gerade nicht im Winterdienst im Einsatz seien, erklärt Müller, der ankündigte, dass der Kreisverkehr mit einer Bepflanzung im Frühjahr neu gestaltet werde.

Ötisheim bezahle nichts für die Demontage der Aufbauten des Rondells, betont Corinna Huber, Hauptamtsleiterin der Kommune, die sich zur Rettung ihrer Kreiselgestaltung zuletzt für einen Geschwindigkeitstrichter mit entsprechenden Hinweisschildern starkgemacht hatte. „Wir haben unsere Mittel ausgeschöpft“, macht Huber rückblickend noch einmal deutlich, dass die Gemeinde alles in ihrer Macht stehende getan habe, um die Umsetzung der EU-Sicherheitsrichtlinie zu verhindern.

19 Kreisverkehre werden im Enzkreis zurückgebaut

Der überraschende Rückbau des Weinbergmäuerchens und der Bepflanzung des Ötisheimer Kreisels stieß gestern bei vielen Beobachtern auf Unverständnis. „Das ist ein schwarzer Tag für Ötisheim. Hier kapituliert der Rechtsstaat vor ein paar Spinnern“, zeigte sich der leidenschaftliche Autofahrer Friedrich Esenwein im Gespräch mit unserer Zeitung empört über die Aktion der Bagger. Jeder, der auf einer Straße mit dem Auto unterwegs sei, wisse, dass er sich nach den Verkehrsschildern richten müsse, und wer dies im Bereich des Ötisheimer Kreisverkehrs tue, sei in keiner Weise durch die Gestaltung des Rondells gefährdet, fasst Esenwein einen wichtigen Argumentationsstrang der Kritiker des Erlasses zusammen. Der entrüstete Beobachter sprach gestern von einer „Klatsche für unser Rechtsverständnis“.

Der Ötisheimer Kreisverkehr ist nicht der einzige, der im Enzkreis Besuch von den Baggern der Straßenmeisterei bekommt. „19 Kreisverkehre werden zurückgebaut“, sagt Verkehrsamtsleiter Müller auf Nachfrage unserer Zeitung. Außer in Ötisheim werde nur noch in Remchingen-Wilferdingen eine besondere Gestaltung zurückgebaut. Bei den restlichen Rondellen würden Bäume entfernt. Die Kosten der Umbauaktion kann Müller nicht beziffern. Ob der Baum am Lomersheimer Kreisverkehr weg muss, ist noch nicht abschließend geklärt. „Es steht noch eine Antwort des zuständigen Ministeriums auf eine Anfrage aus der Bürgerschaft aus“, sagt Müller. In Ötisheim sollen die Arbeiten am Kreisverkehr, um dessen Pflege sich künftig ausschließlich das Landratsamt kümmert, noch heute abgeschlossen werden. „Mit der Gesamtmaßnahme wollen wir bis Ende Februar fertig sein“, kündigt der Verkehrsamtsleiter an.

Maik Disselhoff

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