Ausverkauf löst Ausnahmezustand aus

„Netto“ bietet am alten Standort in Ötisheim Restposten zum reduzierten Preis an – Schnäppchenjäger sorgen für Staus und Schlangen

Von Thomas Eier und Lukas Huber Erstellt: 7. Dezember 2018, 00:00 Uhr
Ausverkauf löst Ausnahmezustand aus Ansturm auf den alten Netto-Markt an der Steidachstraße in Ötisheim: Wegen eines dreitägigen „Räumungsverkaufs“ drängen sich die Kunden, um Schnäppchen zu ergattern.Fotos: Huber

Ein Restpostenverkauf im alten Netto-Markt an der Steidachstraße und der damit verbundene Ansturm der Schnäppchenjäger hat ab dem frühen Donnerstagmorgen den Ausnahmezustand über den Ötisheimer Ortskern verhängt.

Draußen vor der Türe sorgen Security-Kräfte für die Sicherheit der Autofahrer und Fußgänger.Draußen vor der Türe sorgen Security-Kräfte für die Sicherheit der Autofahrer und Fußgänger.

Ötisheim. Die Bilder erinnern an Szenen früherer Jahre, als sich die Kunden eines anderen großen Discounters um die neuesten Computermodelle balgten. Bereits vor der Eröffnung um 8 Uhr hätten sich die Autos der Rabattjäger vom hoffnungslos überfüllten Supermarkt-Parkplatz an der Steidachstraße zurückgestaut auf die Maulbronner Straße bis hin zur Metzgerei Münchinger, berichtet eine Passantin, die beim Gassigehen mit dem Hund die Lage rund um den Netto-Markt sondiert. Genauer: den früheren Netto-Markt, nachdem die eigentliche Filiale bereits im Herbst innerhalb des Ortes an die Schlattstraße in die Räume des ehemaligen Treff-3000-Markts umgezogen ist.

Mehr im Fokus steht derzeit jedoch der alte Standort, wo noch am Freitag und Samstag, jeweils von 8 bis 20 Uhr, die Aussichten auf kräftige Rabatte preisbewusste Verbraucher aus dem gesamten Oberamt anlocken. „Non-Food-Räumungsverkauf. Bis zu 90 Prozent auf alles!“, hatte die Supermarktkette in ihren Anzeigen versprochen und damit zum Auftakt am Donnerstag einen Ansturm auf das Gelände in der Ötisheimer Ortsmitte ausgelöst.

Ruck, zuck ist die Steidachstraße trotz der Halteverbotsschilder zugeparkt von Autofahrern, die den Kennzeichen nach nicht nur aus dem Ort und der Region, sondern auch aus dem Raum Ludwigsburg, dem Raum Karlsruhe und sogar aus der Pfalz stammen. Derweil bemühen sich rund um den viel zu kleinen Parkplatz die Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in einer Doppelfunktion als Einweiser und Kontrolleure darum, ein größeres Chaos abzuwenden, was nach den Erfahrungen der Anlieger aber nur bedingt gelingt.

Für die Nachbarn, erzählt die Passantin mit Hund, bringe ein solcher Ansturm auf reduzierte Ware enorme Probleme und Einschränkungen – von zugeparkten Straßen und Hofeinfahrten bis hin zu mehr Lärm und längeren Geduldsproben auf den Zubringerstraßen – mit sich. „Es ist schon das dritte Mal in diesem Jahr, dass hier wegen eines Räumungsverkaufs der Ausnahmezustand herrscht. Für die direkten Anwohner, mit denen ich gesprochen habe, ist das Chaos schon eine große Belastung“, schildert die Ötisheimerin ihre Eindrücke. „Alleine schon deshalb, weil am späten Mittwochabend, gegen 23 Uhr, noch Lkws mit Waren angerollt sind, die dann in den Markt eingeräumt wurden.“

Sie selbst sei tags darauf ebenfalls zur Eröffnung um 8 Uhr da gewesen, um einzukaufen, „doch da war schon alles voll mit Menschen. Das war mir zu viel, also bin ich wieder nach Hause gegangen“. Als Netto schon einmal eine ähnliche Sonderaktion gestartet habe, sei sie zwar rein in den Markt, habe ihn dann aber angesichts der endlosen Schlange an der Kasse rasch wieder durch den Hinterausgang verlassen. „Da hätte ich sonst wahrscheinlich anderthalb Stunden anstehen müssen.“

Aus dem Markt gefahren und getragen wurden am Donnerstag größere Mengen von Non-Food-Artikeln aller Art, vom Mikrowellengerät über andere Utensilien für den Haushalt bis hin zu Decken, Bettwäsche, Weihnachtsdeko und Geschenkpapier. Als beim letzten Mal Fernseher verbilligt angeboten worden seien, so die Ötisheimerin, hätten manche gleich zwei oder drei Geräte zum Wagen geschleppt.

Während der eigentliche Netto-Markt längst an anderer Stelle im Ortsgebiet angesiedelt ist, wird der ehemalige Standort, der bis dato ausdrücklich für Einzelhandel ausgewiesen ist, dazu genutzt, um über sporadische Sonderaktionen Restposten abzustoßen. Darüber hinaus gibt es, wie auf Nachfrage das Bauamt der Gemeinde bestätigt, noch keine neuen Pläne oder Anfragen für das Areal an der Steidachstraße, das sich im Privatbesitz befinde. Auch das Ordnungsamt habe sich am Donnerstagmorgen ein Bild von der Lage gemacht, hieß es im Ötisheimer Rathaus.

Der Pachtvertrag von Netto läuft noch bis Ende des kommenden Jahres, doch die Frage an das Unternehmen, ob und wenn ja, in welchen zeitlichen Abständen bis dahin weitere Restpostenausverkäufe stattfinden sollen, blieb bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe vorerst unbeantwortet.

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