Abzocke mit gefälschten Immobilienanzeigen

In Ötisheim wurden über Internetportale Wohnungen angeboten, die es gar nicht gibt – Betrüger spielen mit der Not ihrer Opfer

Von Frank Goertz Erstellt: 28. August 2019, 00:00 Uhr
Abzocke mit gefälschten Immobilienanzeigen Eine einzige Mietwohnung ist derzeit auf dem Internetportal Immobilienscout 24 in Ötisheim gelistet. Vor ein paar Tagen waren es mehr. Aber leider waren die Anzeigen gefälscht. Foto: Huber

Ötisheim. Den Nachmittag hat sich eine Ötisheimerin ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollte sie in ihrem Garten die Sonne genießen, als es am Montag unentwegt bei ihr klingelte. Vor der Tür: Interessenten, die eine Wohnung besichtigen wollten. Dabei gab es bei ihr nichts zu besichtigen. Die Frau wohnt in einem Einzelhaus. Hier gibt es keine freie Wohnung. Die Interessenten sind auf eine gefälschte Immobilienanzeige im Internet reingefallen, mit denen Betrüger die Wohnungsnot in der Region und die Gutgläubigkeit ihrer Opfer ausgenutzt haben, um Kasse zu machen. Schon wenige Stunden später waren die Anzeigen im Internet verschwunden.

Wie leer gefegt der Mietwohnungsmarkt in der Region ist, zeigt ein Blick auf Immoscout24.de, das größte Immobilienportal in Deutschland. In Ötisheim und Mühlacker sind hier gerade einmal fünf Mietwohnungen gelistet. Diesen Nachfrageüberhang nutzen Betrüger aus, die mit gefälschten Immobilienanzeigen auf „Kundenfang“ gehen – wie zuletzt in Ötisheim, wo nach MT-Informationen rund zehn Wohnungssuchende auf den faulen Betrug reingefallen sind. Die Masche funktioniert eigentlich ganz einfach: Die Betrüger bieten Wohnungen zu attraktiven Mietpreisen an und verlangen dann entweder eine Vorkasse für einen Besichtigungstermin oder eine Art „Schutzgebühr“, bevor sie den Interessenten den Wohnungsschlüssel zusenden, damit diese sich selbst ein Bild von dem vermeintlichen Schnäppchen machen können. Am Objekt der Begierde angekommen – wie im Fall Ötisheim –, müssen sie dann feststellen, dass sie Betrügern auf den Leim gegangen sind.

„Solche Fälle kommen leider immer wieder in den verschiedensten Varianten vor“, erklärt Florian Herr, Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe. Er rät Wohnungssuchenden, auf ihren gesunden Menschenverstand zu vertrauen und misstrauisch zu sein, wenn ein Schnäppchen zu schön sei, um wahr zu sein. Auf gar keinen Fall sollte man vor einem Besichtigungstermin Geld überweisen. Falls ein „Vermieter“ den Interessenten mit einem solchen Anliegen konfrontiere, sollten die Alarmglocken schrillen.

Auf jeden Fall sollten die Wohnungssuchenden bei dem Verdacht auf gefälschte Anzeigen die Immobilienportale informieren. Außerdem könnten sie den Verdacht auf einen Betrugsversuch auch bei der Polizei anzeigen. „Wir sind für jeden Hinweis dankbar“, sagt Herr, macht aber gleichzeitig darauf aufmerksam, dass die strafrechtliche Verfolgung bei derartigen Delikten weitaus komplizierter sei, als es auf den ersten Blick den Anschein habe.

Die Verbraucherzentrale rät Wohnungssuchenden, sich die Anzeigen von scheinbar extrem günstigen Mietwohnungen genau anzuschauen. Oft verwendeten die Betrüger zum Beispiel kopierte Fotos aus dem Internet, etwa aus digitalen Möbelhauskatalogen, um eine hochwertige Ausstattung vorzutäuschen. Tipp der Verbraucherzentrale: „Laden Sie hierzu das Bild in der umgekehrten Bildersuche von Google hoch.“ So könne man feststellen, ob und wo das Bild im Netz noch verwendet werde. Hellhörig sollten Interessenten auch werden, wenn der Mailkontakt mit ihren potenziellen „Vermietern“ auf Englisch oder in schlechtem Deutsch ablaufe, weil die Betrüger oft im Ausland sitzen und Übersetzungsprogramme nutzen. Selbstverständlich sollten auch keine Dateianhänge, die auf .exe enden, geöffnet werden. weil diese Mails mit Schadsoftware oder Trojanern verseucht sein könnten.

Und wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, und die Wohnungssuchenden bereits Geld an einen „Vermieter“ überwiesen haben? Dann sollten die Opfer ihre Bank umgehend auffordern, die Zahlung rückgängig zu machen. Wobei sie laut Verbraucherzentrale keinen Anspruch darauf haben, dass das Geldinstitut die Buchung rückgängig macht. Anders sehe es bei Zahlungen per Lastschrift aus. Hier können Bankkunden innerhalb von acht Wochen eine Rückbuchung verlangen.

Frank Goertz

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