Suez-Pläne: Gemeinde meldet Bedenken an

Verkehr, Lärm und Wasserschutz: Ölbronn-Dürrn hinterfragt Angaben der Recyclingfirma bei Änderungsantrag kritisch

Von Frank Goertz Erstellt: 15. Dezember 2018, 00:00 Uhr
Suez-Pläne: Gemeinde meldet Bedenken an Noch werden Flach-Abfälle in Ölbronn aufbereitet. Das Recyclingunternehmen Suez will jetzt allerdings seine Betriebsabläufe ändern und benötigt dafür eine Genehmigung. Foto: Archiv Stahlfeld

Ölbronn-Dürrn. Die Recyclingfirma Suez möchte ihre Betriebsabläufe in Ölbronn umstellen und ihre Aufbereitungsanlage für Gewerbeabfälle „Flach“ sowie die Altholzaufbereitung stilllegen. Stattdessen will sie eine neue Kunststoffaufbereitungsanlage installieren und vom Zwei-Schicht- auf den Drei-Schicht-Betrieb umstellen. Dafür benötigt sie eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung des Landratsamts. Die Gemeinde Ölbronn-Dürrn weist in ihrer Stellungnahme in dem Verfahren auf mehrere Punkte hin, die aus ihrer Sicht kritisch sind. Dazu gehören die Befürchtungen, der Verkehr und die Lärmbelastung könnten zunehmen und der Hinweis auf die Anforderungen beim Wasserschutz. Auch bei der von der Firma Suez gewünschten Umstellung auf einen Drei-Schicht-Betrieb für die neue Anlage hat sich am Donnerstagabend Widerstand im Gemeinderat geregt.

„Schon 2017 wollte Suez einen Drei-Schicht-Betrieb einführen“, erinnerte Hans-Dieter Deuß (Aktive Bürger) daran, dass der Enzkreis damals allerdings nur einen Zwei-Schicht-Betrieb genehmigt hat. „Und jetzt soll in der neuen Kunststoffaufbereitung plötzlich doch auf Drei-Schicht-Betrieb umgestellt werden“, befürchtet Deuß eine „Salamitaktik“ des Unternehmens, mit der durch die Hintertür die ursprüngliche Genehmigung aufgeweicht werden soll.

Große Bedenken meldet die Gemeinde in ihrer Stellungnahme auch beim Thema Verkehr an. Nach Angaben von Suez würde sich rein rechnerisch durch die Umstellung der Jahresdurchsatz der Anlage nicht erhöhen. Daraus folgert das Unternehmen, dass sich beim Lkw-Verkehr keine Veränderungen ergeben. Das ist auch Sicht der Gemeinde Ölbronn-Dürrn allerdings eine Rechnung, die dringend überprüft werden sollte. Sie befürchtet, dass es durch den geänderten Materialmix zu einer Zunahme des An- und Abfahrtverkehrs komme, was sich alleine schon daraus ergebe, dass für die Verarbeitung der leichten Kunststoffe zur Erreichung des Durchsatzes in Tonnen ein erheblich größeres Volumen notwendig sei als bei dem bisher verarbeitetem Altholz. „Damit dürften die erforderlichen Lkw-Fahrten zunehmen“, schreibt die Gemeinde in ihrer Stellungnahme.

Die Aktiven Bürger merken zusätzlich an: „Es ist ohnehin davon auszugehen, dass die Verkehrszahlen von Suez (…) darauf basieren, dass die Lkws pro Fahrt die maximale Zuladung ausnutzen. Inwiefern dies möglich ist, hängt jedoch vom spezifischen Gewicht der jeweiligen Stoffe ab, wodurch sich erhebliche Abweichungen nach oben ergeben können.“ Und falls die Flachmaterial-Sortierung und die Altholzaufbereitung statt im Ölbronner Gewerbegebiet Erlen nun künftig auf dem Betriebsgelände in Knittlingen abgewickelt werden sollten, würde sich die Verkehrsbelastung durch den Transport dieser Stoffe in Ölbronn-Dürrn nur unwesentlich verringern, weil die Sammelfahrzeuge dann immer noch durch den Ort fahren würden, um in Maulbronn-West auf die B35 nach Knittlingen abzubiegen.

Auch beim Thema Lärm tut sich die Gemeinde Ölbronn-Dürrn schwer mit den Berechnungen und Zahlen, die die Recyclingfirma beim Antrag für die Betriebsänderung vorgelegt hat. Suez geht davon aus, dass sich tagsüber der Schallpegel um maximal 0,2 Dezibel und nachts um bis zu 4,4 Dezibel erhöhe. Dabei, so die Gemeinde in ihrer Stellungnahme, sei es erstaunlich, dass das Ingenieurbüro von Suez lediglich auf Schätzungen zurückgreift, weil die Hersteller der Zerkleinerer keine konkreten Angaben machen. Diese rein fiktive Lärmprognose müsse durch realistische Angaben ersetzt werden, fordert die Gemeinde. Außerdem sei es fernliegend, dass in den Nachtstunden der Betrieb ausschließlich im Innenbereich stattfinde. Es müsse damit gerechnet werden, dass Außenaktivitäten notwendig werden. „Diese wären in der Schallprognose zu berücksichtigen“, fordert die Gemeinde.

Mit dem Vorschlag des Schallgutachens, welches nur mit fiktiven Zahlen operiert, das Thema Lärmschutz auf die Ebene der nachträglichen Kontrollen zu verlagern, ist die Gemeinde nicht einverstanden. Die erforderlichen Nachweise zum Lärmschutz müssten bereits zum Zeitpunkt der Genehmigung vorliegen.

Beim Thema Wasserschutz weist die Gemeinde außerdem darauf hin, dass sicherzustellen sei, dass aus dem Produktionsprozess, bei dem Hartkunststoffe zu Granulat verarbeitet werden, keine kleinen und kleinsten Partikel und sonstige Abfallstoffe in den Mühlgraben, die Retentionsbodenfilteranlage oder in die Kanalisation der Gemeinde gelangen. Hierbei sei zu beachten, dass sich für das Wasserschutzgebiet der Ölbronner Eigenwasserversorgung wie auch für Gewässer wie den verdolten Mühlgraben keine negativen Auswirkungen oder womöglich eine Gefahrenlage ergeben dürften.

Frank Goertz

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