Minister will „echte Kreislaufwirtschaft“

Das Entsorgungsunternehmen Suez weiht seine neue Sortieranlage in Ölbronn ein und kann dazu prominente Gäste begrüßen

Von Maik Disselhoff Erstellt: 2. Juli 2019, 00:00 Uhr
Minister will „echte Kreislaufwirtschaft“ Großes Medieninteresse: Der symbolische Scherenschnitt der Firma Suez ruft den Rundfunk und die Presse auf den Plan. In Ölbronn ist laut dem Unternehmen eine der modernsten Sortieranlagen für Leichtverpackungen bundesweit in Betrieb gegangen. Darüber freuen sich der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (v.li.), die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, Ölbronn-Dürrns Bürgermeister Norbert Holme, Jochen Zickwolf, Chef von Suez Recycling Süd, und Carsten Dülfer, Geschäftsführer von Suez Deutschland. Foto: Fotomoment

Die Firma Suez hat ihre neue Sortieranlage für Leichtverpackungen im Beisein von etwa 200 Gästen offiziell eingeweiht. Manch ein Festredner nutzte die Feierstunde zu einer Abrechnung.

Ölbronn-Dürrn. Sogar der prominenteste Gast ging auf die Querelen ein, die die Betriebserweiterung im Gemeinderat Ölbronn-Dürrns verursacht hatte. Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller betonte, dass es „Bedenken gab und gibt, die wir ernst nehmen“. Allerdings, so seine klare Botschaft, gebe es bezüglich der Erweiterung aus Sicht des Ministeriums nichts zu beanstanden. Nach einer „sehr sorgfältigen Prüfung“ lautet das Fazit Unterstellers, dass alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden. Die Politik habe in dieser Hinsicht auch klare Erwartungen an Suez.

Untersteller sagte mit Blick auf die Einweihung der Sortieranlage, in die Suez etwa 30 Millionen Euro investiert hat, dass sie ein wertvoller Beitrag zum Umweltschutz sei. „Wir hoffen, dass von Ölbronn ein bundesweites Signal ausgeht und weitere Anlagen folgen.“ Seit Mitte Mai ist der Betrieb laut Suez voll ausgelastet. Er könne in einer Stunde 20 Tonnen Leichtverpackungsmüll sortieren, so Jochen Zickwolf, Geschäftsführer von Suez Recycling Süd. Die Recyclingquote, die man mit der Anlage erreiche, liege bei 54 Prozent, gesetzlich würden aktuell 50 Prozent gefordert. Im kleinen Industrie- und Gewerbegebiet „Erlen“ sei eine der modernsten Sortieranlagen für Leichtverpackungen Deutschlands entstanden (wir berichteten mehrfach). Gerade auch beim Brandschutz und der Arbeitssicherheit habe man in Ölbronn viel investiert, so Zickwolf.

Minister Untersteller macht klar, dass man sich nicht zufrieden zurücklehnen könne. „Plastik ist zu einem Symbol geworden für unseren Umgang mit der Umwelt“, erinnerte der Grünen-Politiker an entsprechende Bilder in den Medien – etwa von toten Walen mit Plastikmüll im Bauch oder Plastikmüll in Flüssen. Untersteller forderte eine „echte Kreislaufwirtschaft“.

Suez zeige, was technisch alles möglich sei, es müsse aber auch ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. „Das Klima dafür war noch nie so günstig wie jetzt“, stellte Untersteller fest, der auf die „Fridays for Future“-Bewegung verwies, die zurecht eine hohe Erwartungshaltung habe. Der Einsatz von recyceltem Material verlaufe nach wie vor zu zögerlich, viele Produkte seien zudem nicht bereit für eine Aufarbeitung, benannte der Minister Herausforderungen für die Politik und die Hersteller. „Viel mehr Produkte müssen sich künftig so zerlegen lassen, dass sie recycelt werden können“, forderte der Minister. Nicht immer brauche man Gesetze, um Fortschritte zu erzielen, sagte Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Während der Verbraucher vor ein paar Jahren im Schnitt noch 70 Plastiktüten im Jahr verbraucht habe, seien es heute noch etwa 25. Dies sei durch eine Verabredung ohne gesetzlichen Zwang erreicht worden. Und zur Vermeidung von unnötigen Plastikverpackungen habe es zu Beginn des Jahres einen runden Tisch mit Herstellern gegeben, berichtete die Staatssekretärin von Aktivitäten der Regierung.

Allerdings betonte Schwarzelühr-Sutter auch, dass es ohne den Verbraucher nicht geht: „Die getrennte Sammlung von Abfällen ist wichtig.“ Auf diesem Gebiet sei noch Luft nach oben, ließ sie durchblicken und fügte hinzu: „Die Bürger müssen aber auch wissen, dass Mülltrennung Sinn macht.“ Ganz ohne Plastik werde es künftig wohl nicht gehen, so Schwarzelühr-Sutter. Dieser Überzeugung ist auch Carsten Dülfer, Geschäftsführer von Suez Deutschland. Kurz- oder mittelfristig könne man den Werkstoff ohne negative Folgen für die Umwelt nicht ersetzen. „Kunststoffe sind aus dieser Welt nicht wegzudenken“, so Dülfer, allerdings müsse künftig mehr Abfall verwertet werden. Suez sei bereit für die „Ressourcenrevolution“ und habe mit dem Bau der Sortieranlage in Ölbronn ein klares Bekenntnis zum Standort und der Region abgelegt und zudem zukunftssichere Arbeitsplätze in einer Wachstumsbranche geschaffen.

Ölbronn-Dürrns Bürgermeister Norbert Holme sagte: „Ich freue mich, dass das Projekt trotz aller Widrigkeiten erfolgreich umgesetzt werden konnte.“ Der Rathauschef blickte auf die Querelen zurück, die auf ihrem Gipfelpunkt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn und den Landrat zur Folge gehabt hatten. Die teils sehr persönlichen Angriffe seien „eindeutig zu weit gegangen“, so Holme. Bei aller berechtigten Kritik müssten demokratische Mehrheitsentscheidungen und auch die Fakten irgendwann akzeptiert werden. „Ich stehe aus tiefster Überzeugung zu diesem Projekt“, unterstrich Holme.

Vor den rund 200 geladenen Gästen, darunter auch der Landtagsabgeordnete Professor Dr. Erik Schweickert (FDP) und Knittlingens Bürgermeister Heinz-Peter Hopp, sagte der Enzkreis-Landrat Bastian Rosenau, dass die Vorwürfe der Kritiker jedweder Grundlage entbehrt hätten. Gemeinsam sei man mit Suez auf der Höhe der Zeit, lobte der Landrat die gute Zusammenarbeit mit der Firma.

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