Gefährlicher Einsatz für Rettungskräfte

Zum zweiten Mal binnen weniger Tage brennt ein Wartungszug der Bahn – 15000-Volt-Oberleitung stürzt bei Ölbronn auf die Gleise

Von Frank Goertz Erstellt: 11. Juli 2018, 00:00 Uhr
Gefährlicher Einsatz für Rettungskräfte Ende einer Routinefahrt: Am Haltepunkt Ölbronn fängt ein Wartungszug Feuer. Durch die Hitze wird die Oberleitung in Mitleidenschaft gezogen. Fotos: myro (2), SDMG/Gress (2), Goertz (2)

Dummer Zufall oder ein neues strukturelles Problem bei der Bahn? Nachdem am Freitag bei Maulbronn-West ein Instandhaltungszug der Bahn gebrannt hat, ist jetzt in Ölbronn-Dürrn ein Zug gleichen Typs in Flammen aufgegangen. Mit einem Unterschied: Während am Freitag der Schaden noch vergleichsweise gering war, hatte der Vorfall am Montag gravierendere Auswirkungen.

Ölbronn-Dürrn. Gegen 13.45 Uhr ging der Alarm bei der Feuerwehr Ölbronn-Dürrn ein. „Erst hieß es nur ,Brand im Freien‘, dann wurde die Alarmierung hochgestuft“, berichtet Markus Simeit, Sprecher der Feuerwehr Ölbronn-Dürrn. „Als wir kurze Zeit später am Einsatzort waren, stand die Antriebslok des Instandsetzungszugs schon voll in Flammen.“

Ein schwieriger und gefährlicher Einsatz für die fast 50 Rettungskräfte aus Ölbronn-Dürrn, die von Kameraden aus den Nachbarwehren Mühlacker, Knittlingen, Kieselbronn, Maulbronn, Sternenfels, Neulingen und einer Einheit der Feuerwehr Pforzheim unterstützt wurden. Weil auf der Oberleitung 15000 Volt anliegen, konnte die Feuerwehr nur mit einem fein aufgefächerten Sprühstrahl aus sicherer Entfernung das Feuer bekämpfen. „Wären wir massiv vorgegangen, hätte die Gefahr bestanden, dass der Strahl die Leitung trifft und die Hochspannung zurückschlägt“, macht Simeit deutlich.

Was den Einsatz noch weiter erschwerte: Durch die enorme Hitzeentwicklung wurde die Hochspannungsleitung auf einer Länge von fast einem Kilometer in Mitleidenschaft gezogen. Dabei verformte sie sich so, dass sich die Befestigungsanker von den Masten lösten und die Leitung schlaff auf den Gleisen hing.

Erst nachdem ein Notfallmanager der Bahn die Leitung stromlos geschaltet hatte, konnte die Feuerwehr sich der brennenden Lok nähern. „Vorher musste die Leitung aber erst noch geerdet werden, um sicherzugehen, dass keine Restspannung anliegt“, so Simeit. Nach rund einer Stunde hatten die Rettungskräfte das Feuer schließlich unter Kontrolle.

Zur Absicherung war auch das Rote Kreuz mit einem Rettungswagen, der Leiter des Rettungsdienstes und der DRK-Ortsverein Kieselbronn mit seinen ehrenamtlichen Helfern vor Ort. „Zum Glück gab es keine Verletzten“, sagt Daniela Kneis, Pressesprecherin des DRK-Kreisverbands. „Lediglich zwei Personen mussten ambulant betreut werden.“

Wie Carolin Bartelt, Sprecherin der Bundespolizei Karlsruhe, mitteilt, sei bei dem Instandhaltungszug Hydrauliköl ausgetreten, woraufhin der Triebwagen eine Zwangsbremsung eingelegt habe. Die beiden Bahn-Mitarbeiter im vorderen Abteil hätten dann nur noch gesehen, dass der hintere Zugteil in Flammen steht. Während ein Mann sich über die Gleise in Sicherheit gebracht habe, sei der andere im Zug geblieben. Offenbar habe er die Gefahr realisiert, die von der heruntergerissenen Oberleitung ausgeht.

Am Abend wurde der Zug von der Bahn abgeschleppt. „Er wird an einen Ort gebracht, wo unsere Experten ihn untersuchen können, um Erkenntnisse zur Brandursache zu gewinnen“, so Bartelt. Gleichzeitig alarmierte die Bahn einen eigenen Experten-Trupp, der den Boden auf mögliche Gefahren für die Umwelt durch das ausgelaufene Hydrauliköl untersucht. Die Ergebnisse der Untersuchungen lagen gestern bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Während des Einsatzes der Rettungskräfte war die Bahnstrecke in beide Richtungen gesperrt. Zwischen Bretten und Maulbronn-West wurde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet.

Gegen 16.30 Uhr rückte die Bahn mit einem Turmtriebwagen an, um die Oberleitung zu fixieren. Am Abend sollte der Bahnverkehr wieder eingleisig an der Unglücksstelle vorbeirollen. Wann der Verkehr wieder regulär auf der sogenannten Westbahn fahren kann, konnte gestern am frühen Abend ein Notfallmanager der Bahn noch nicht beantworten. Ebenso offen blieb die Frage nach der Schadenshöhe – wobei, anders als bei dem Zwischenfall am Freitag bei Maulbronn-West, eine höhere sechsstellige Summe nicht aus der Luft gegriffen zu sein scheint.

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