Zugreisende brauchen 2020 viel Geduld

Die ICE-Trasse Stuttgart-Mannheim wird fit für die Zukunft gemacht, was für Bahnpendler eine Zeitreise in die Vergangenheit bedeutet

Von Maik Disselhoff Erstellt: 23. Juli 2019, 00:00 Uhr
Zugreisende brauchen 2020 viel Geduld Pendler müssen sich während der Sanierung gedulden: Durch die Umleitung werden die Züge auf der Ausweichroute über Mühlacker meist doppelt so lange wie heute unterwegs sein. Foto: Huber

Bahnpendler werden im kommenden Jahr einmal mehr auf eine Geduldsprobe gestellt, die es in sich hat. Wegen der Sanierung der Schnellfahrstrecke Stuttgart-Mannheim müssen sich die Reisenden auf einen ausgedünnten Fahrplan und längere Fahrzeiten einstellen.

Mühlacker/Enzkreis. Wie unsere Zeitung im überregionalen Teil bereits berichtete, wird die ICE-Strecke vom 10. April bis 31. Oktober voll gesperrt. Die Konsequenzen sind besonders für die Zugreisenden in der Region gravierend. Die Deutsche Bahn ist wegen der massiven Auswirkungen in der vergangenen Woche frühzeitig an die Öffentlichkeit gegangen. Gleise, Weichen und Technik müssen auf der Schnellfahrstrecke nach fast 30 Jahren Betrieb erneuert werden – mit entsprechenden Folgen für den Fahrplan.

Als Umleitungsroute hat die Bahn die sogenannte Altbaustrecke auserkoren, wodurch unter anderem der Bahnhof Mühlacker in den Fokus gerät. Die Umleitung des heutigen Fernverkehrs, den die Bahn weitgehend aufrechterhalten will, erfolgt über diese Strecke. Das bedeutet, dass zwangsläufig Verbindungen auf der Ausweichroute ausgedünnt werden müssen, weil die Strecke sonst überlastet wäre.

Der Bahnexperte und Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Matthias Lieb, erklärt auf Nachfrage: „Wir werden in der Region während der Bauphase in die Zeit des Zugverkehrs von 1990 zurückversetzt.“ Zur Erinnerung: Im Mai 1991 wurde die Schnellfahrstrecke erstmals auf ganzer Länge in Betrieb genommen. Lieb, der in Mühlacker lebt und mit der Bahn nach Stuttgart zur Arbeit pendelt, schildert die Auswirkungen auf den Fahrplan in der Region folgendermaßen: „Die Schnellfahrstrecke Mannheim-Stuttgart hatte bei der Eröffnung die Fahrzeiten auf vielen Distanzen so verkürzt, dass es inzwischen eine Vielzahl von Berufstätigen gibt, die von Pforzheim, Mühlacker beziehungsweise Vaihingen nach Stuttgart mit Fahrzeiten von 30 Minuten oder circa 15 Minuten im IC oder IRE pendeln.“ Diese Fahrzeiten verlängerten sich im nächsten Jahr um rund 15 bis 20 Minuten pro Richtung.

Der VCD hat den Fahrplan für das nächste Jahr ausgewertet. Lieb nennt die wesentlichen Veränderungen für Bahnreisende aus der Region: Für Pforzheim und den Enzkreis entfalle der IC nach Nürnberg, der bisher alle zwei Stunden verkehre. „Es wird nur noch einer fahren.“ Außerdem werde der Halbstundentakt nach Karlsruhe und Stuttgart ausgedünnt. „Der IC fällt weg, der IRE bleibt erhalten.“ Jedoch sei hier noch nicht abschließend geklärt, ob der IRE die volle Strecke ab Mühlacker nach Karlsruhe beziehungsweise Stuttgart fahren könne, merkt Lieb an. Auch im Nahverkehr fallen Verbindungen weg. „Zwischen Pforzheim, Mühlacker und Bietigheim werden die Metropolexpress-Züge, die auf dieser Strecke heute nur bis Bietigheim fahren, durch Busse ersetzt“, sagt der VCD-Landeschef. Welche Einschränkungen Zugreisende in der Region außerdem in Kauf nehmen müssen, wird sich in den kommenden Monaten noch genauer zeigen. Lieb schätzt, dass im Dezember feststehen werde, welche Veränderungen es im Detail geben werde. Mit Blick auf die verbleibenden Züge und die dort angebotenen Sitzplatzkapazitäten fordert der VCD die Bahn und das Land auf, maximal mögliche Zuglängen einzusetzen. „Gerade im Berufsverkehr müssen ausreichend Sitzplätze für die Pendler zur Verfügung gestellt werden“, sagt Lieb.

Dass sich Bahnreisende in der Region im Anschluss an das große Sanierungsprojekt zwischen Stuttgart und Mannheim auf weitere Einschränkungen einstellen müssen, erwartet der VCD-Chef nicht. Es stünden in der Region keine weiteren Infrastrukturmaßnahmen am Horizont. „Die wesentlichen Hausaufgaben sind gemacht, es wird in den nächsten Jahren keine größeren Sperrungen in der Region geben.“

Mit Blick auf die Übernahme des Regionalverkehrs durch die Unternehmen Abellio und Go-Ahead im Juni berichtet Bahnexperte Lieb übrigens von deutlichen Verbesserungen nach einem anfangs teils holprigen Start. „Das hat sich inzwischen eingependelt. Im Regionalverkehr ist noch nicht alles perfekt, aber im Großen und Ganzen funktioniert es.“

Auch Lieb weiß, dass die Verbindungen für einige Bahnpendler in kleineren Ortschaften wie etwa Illingen oder Enzberg nach der Fahrplanumstellung schlechter geworden sind (wir berichteten in unserer Ausgabe vom 17. Juli). Aus diesem Grund sammelt eine Initiative um den Landtagsabgeordneten Professor Dr. Erik Schweickert (FDP) zurzeit Unterschriften mit dem Ziel, Nachbesserungen durchzusetzen. Heute ist der Politiker wieder aktiv – diesmal mit Unterstützung des CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum ab 6.30 Uhr am Bahnhof Wilferdingen-Singen. Lieb dazu: „Ich bin auch an dem Thema dran. Es gibt an manchen Stellen Korrekturbedarf, und den werde ich demnächst mit den Verantwortlichen der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg diskutieren.“ Er sei zuversichtlich, so der VCD-Landesvorsitzende, dass sich entlang der Residenzbahn Verbesserungen für die Zugreisenden erreichen ließen.

Maik Disselhoff

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