Enzgärten-Slam bietet Themenvielfalt

Der 46. Enzgärten-Slam bietet in der Buchhandlung Elser ein breites Spektrum an amüsanten und nachdenklich stimmenden Texten

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 12. Oktober 2017, 00:00 Uhr
Enzgärten-Slam bietet Themenvielfalt Die Zuhörer erfreuen sich an der Themenvielfalt.

Witzige Geschichten aus dem Alltag, tiefschürfende Gedanken über das Leben und mutige Betrachtungen über die Gesellschaft: Es gibt wenige Veranstaltungen, in denen derart viele Themen angesprochen werden. Der 46. Enzgärtenslam am Dienstag bei Buch-Elser war einer dieser Abende.

Mühlacker. Dabei darf die Formulierung „angesprochen“ wörtlich genommen werden. Denn Poetry Slam lebt bekanntlich von der Sprache und dem Spiel der Worte, was die Zuhörer der an diesem Abend neun Slammer erneut mit großem Vergnügen feststellen durften.

Es war der offizielle Auftakt der „Poetry Winterslam-Saison“, zu dem Moderatorin Ramona Deeg die Gäste in der Buchhandlung begrüßen durfte. Aus ganz Deutschland waren die Wortkünstler angereist, um ihre selbst geschriebenen Texte einem aus gutem Grund äußerst aufmerksamen Publikum vorzutragen. Schließlich gab es je nach Gefallen zwischen ein bis zehn Punkten zu vergeben. Die vier ausgewählten Jurymitglieder durften sich für ihr Votum gerne mit dem Sitznachbarn beraten.

Einige der Slammer waren schon einmal in Mühlacker aufgetreten. Wie Lena aus Tübingen, die den Anfang machte und gleich mal auf amüsante Weise in die Lebenswelt die Studentenstadt einführte. „Zwölf Leute, vier Glaubensrichtungen, 43 bereiste Länder und sieben Parteien, die gewählt wurden…“, beschrieb sie ihre Wohngemeinschaft mit zwölf Leuten, quasi mit ihrer Familie. Dann ging es rein in die Einzimmerwohnung, und alles änderte sich komplett. Fast alles: „Ich gehe gerne nach Hause, um Tatort zu schauen.“

Auch Semolina aus Landau war keine Unbekannte und hätte sich am liebsten zurück in die Vergangenheit gebeamt. Schließlich hatte sie schon als Kind Uhura vom Raumschiff Enterprise aus Knete geformt. Jetzt aber sollte Scotty sie direkt in 1970er Jahre befördern – was für eine Zeit mit Prilblumen, der Ado-Goldkante und Abba. Eine wirklich bunte Geschichte. Und es wird nicht ihre letzte sein: „Scotty, beam mich dorthin, wo es schöne Geschichten gibt!“

Da musste sich Scotty nicht sehr anstrengen, denn Semolina war in der Buchhandlung genau richtig. Hier gab es schöne Geschichten nicht nur von Ania aus Dürrmenz, die für eine Tankstelle der guten Worte plädierte. Auch Rolf aus Weingarten machte die Seele leicht. Sein Wunsch: „Nicht auf Wunder warten, vollbringen wir sie einfach selbst.“ Und Elias aus Tübingen wollte sich ebenfalls nicht der Hoffnungslosigkeit geschlagen geben.

Balladen dagegen haben es Marc mit C angetan, der zum ersten Mal aus Görlitz angereist war. Er erzählte „Balladen von den Königen des Konjunktivs“. Man hätte, man könnte, man sollte… so nützliche Texte schreiben und Dinge tun. Sein Appell: „Schreib dein Leben um, hör auf, im Konjunktiv zu leben.“

Man hat es geahnt: Manchmal ist der Mensch nur Mittel zum Zweck. Beim Slammer Wortkauz aus Heidelberg, ebenfalls zum ersten Mal in Mühlacker, werden der Stift und das weiße Blatt zu den eigentlichen Akteuren. Der Text entsteht in einer Art Liebesspiel zwischen den beiden. Am Ende rollte sich der Stift erschöpft zur Seite. Auf dem Blatt: „Spuren der Liebe.“

Spuren der Liebe? Markus aus Nürnberg hat keine Freundin: „Ich habe Hobbys!“ Und er unterscheidet zwischen sich und normalen Menschen. Und so verläuft sein Einkauf bei Aldi auch keineswegs wie bei gewöhnlichen Menschen, was seine Zuhörer aber keineswegs stört. Im Gegenteil: Die Jury vergibt dem Teilnehmer der U20 Poetry Slam Meisterschaft in Heidelberg mit 35 Punkten die bislang höchste Wertung des Abends.

Das kann am Ende nur eine toppen. 37 Punkte gehen an Nicki aus Mainz und ihr mutiges Statement für mehr Akzeptanz in der Gesellschaft: „Das macht die Welt ein bisschen gesünder.“ Im folgenden Finale konnte sich das Publikum zwischen Nicki und Markus nicht entscheiden, und so dürfen sich die Fans auf ein Wiedersehen mit beiden beim Slam auf der Leseinsel am 8. Dezember freuen. Bei leichtem Schnee. Ramona Deeg: „Die Wetterbestellung ist schon raus.“

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