„Wir denken von Jahr zu Jahr“

Redaktionsgespräch: Frank Veit und Norbert Weimper sprechen über das Sommerevenz-Festival 2018, das am Dienstag beginnt

Von Ramona Deeg Erstellt: 11. August 2018, 00:00 Uhr
„Wir denken von Jahr zu Jahr“ Norbert Weimper (li.) und Frank Veit im Gespräch mit Redakteurin Ramona Deeg. Foto: Huber

Aller guten Dinge sind drei? Vielleicht auch vier, fünf oder sechs, . . . aber eines nach dem anderen. Jetzt gilt es erst einmal, das dritte Sommerevenz-Festival gut über die Bühne zu bringen. Wie das gelingen soll, erklären Frank Veit und Norbert Weimper im Interview.

Das „Sommerevenz“ findet zum dritten Mal statt. Sind Sie beide noch nervös oder hat sich über die Jahre eine entspannte Routine eingestellt?

Frank Veit: Es gibt keine Routine, weil sich die Situationen immer anders darstellen, als man es sich vorstellt.

Norbert Weimper: Nervös sind wir aber trotzdem nicht. Ein bisschen stressig ist es, aber wenn man sieht, dass alles in die richtige Richtung geht, würde ich sagen, ist es ein positiver Stress.

 

Neu ist die Förderung der Stadt über 25000 Euro sowie eine Risikoabsicherung bis zu 15000 Euro. Hätte es ohne diese Rückendeckung kein Festival des Fördervereins Enzgärten gegeben?

Veit: Wenn zwei Wochen lang schönes, gutes Wetter ist – was nicht heißt über 30 Grad, sondern gedämpfte Temperaturen – und bei der Anzahl an Besuchern wie vergangenes Jahr, hätte es eventuell auch reichen können. Aber wenn wir Pech haben, sind wir pleite – das ist ganz klar.

Weimper: Im Vorfeld, bevor die Zusage nach einem längeren Prozess stand, gab es schon Überlegungen, aus Risikogründen nicht noch einmal ein Sommerevenz zu veranstalten. Wir sind der Stadt natürlich sehr dankbar, die uns mit dem Beschluss ja auch offiziell mit dem Festival beauftragt hat. Mit diesem positiven Signal im Rücken geht natürlich alles viel leichter.

 

Die Unterstützung hängt an einigen Bedingungen – zwölf Tage, freier Eintritt, mindestens vier Konzerte und nicht zu viele Karaoke-Abende. Fühlen Sie sich dadurch eingeschränkt?

Weimper: Was die Stadt uns vorgegeben hat, hatten wir auch so für uns definiert. Das war also weitgehend deckungsgleich.

Veit: Es ändert sich jedes Mal ein bisschen und wird in keinem Jahr genau gleich sein. Dieses Mal haben wir zum Beispiel ein Bühnenprogramm dabei.

 

Zum Bühnenprogramm kommen wir nun auch direkt: Mit einem Auftritt von „Ernst und Heinrich“ gibt es erstmals einen Comedy- und Kabarettabend. Warum?

Weimper: Wir schauen jedes Jahr, was das Sommerevenz bereichern könnte. Das ist nun ein neuer Baustein im Konzept – und sicherlich nicht der letzte.

Veit: Kabarett im Freien ist ja nicht ganz das Übliche, daher sind wir gespannt, ob es in Mühlacker funktioniert. Bei Karaoke wussten wir im Vorfeld auch nicht, wie es ankommen würde, und haben es einfach probiert.

 

Was ist sonst noch neu?

Veit: Wir haben dieses Jahr eine eigene Burger-Hütte, die bis jetzt an sechs Abenden besetzt ist – das ist einfach eine Personalfrage. Wenn sich jemand melden will, geht das auch noch öfter.

Weimper: Außerdem lassen wir dieses Jahr das Gelände nachts komplett mit Personen und Hund bewachen, um auch da für Sicherheit zu garantieren.

 

Und was bleibt wie gehabt?

Weimper: Das Große und Ganze bleibt wie gehabt, also die bunte Mischung der Veranstaltungen, und wir haben auch wieder sehr gute Bands im Programm.

 

Wie kam es zur Bandauswahl?

Veit: Die lehnt sich an das Konzept des vergangenen Jahres an. Es geht darum, dass wir nicht zu sehr in die Ferne schweifen, um Bands zu engagieren, die zwar in der Szene einen Namen haben, aber in der Region nicht bekannt sind. Für uns ist es wichtig, einen regionalen Bezug herstellen zu können, damit unsere Besucher einen Bezug zu ihnen haben. Wir haben noch viele Bands in der Region, die noch nicht bei uns aufgetreten sind.

Weimper: Es war natürlich auch der Wunsch eines Großteils des Gemeinderats, dem wir gerne nachkommen. Außerdem geben wir immer auch Nachwuchsbands erstmalig die Chance, vor größerem Publikum zu spielen – und die freuen sich schon sehr auf das Sommerevenz.

Das Sommerevenz ist nicht nur von finanzieller Hilfe abhängig, sondern auch von vielen helfenden Händen. Wie sieht es an dieser Front aus?

Veit: Momentan sieht es recht gut aus. Es gibt nur noch zwei Lücken, die wir aber mit Springer und unserer Reserve-Mannschaft auffüllen können. Was ich sehr erfreulich finde, ist, dass wir auch Helfer haben, die gar keine Vereinsmitglieder sind. Das ist ein Novum dieses Jahr.

Weimper: Schön war auch, dass Vereinsmitglieder aus dem Bekanntenkreis Leute mitgebracht haben und begeistern konnten für einen Einsatz. Insgesamt sind knapp 80 Helfer an den zwölf Tagen im Einsatz.

 

Können Sie etwas dazu sagen, ob das Sommerevenz in puncto Publikumszuspruch über die Stadtgrenzen ausstrahlt?

Weimper: Natürlich kommen viele Besucher aus Mühlacker, aber wir hatten im wachsenden Maß in den vergangenen Jahren Besucher aus der Region. Das geht beispielsweise über Bretten und in Richtung Ludwigsburg. Wir haben über Facebook Rückmeldungen von Leuten, die uns geschrieben haben, dass sie nicht oft in Mühlacker sind, aber das Sommerevenz für sie gesetzt ist. Wir bringen also auch Auswärtige in unsere schönen Enzgärten und in die Stadt. Das ist ein toller Effekt.

 

Bei aller Begeisterung, die das Festival insbesondere im vergangenen Jahr ausgelöst hat, gab es einen kleinen Kritikpunkt: Während der Hauptveranstaltungen waren die Wartezeiten an den Ständen besonders lang. Wie soll das dieses Jahr vermieden werden?

Veit: Ich muss diese Kritik leider zurückweisen, denn die Wartezeiten an unseren Ständen waren gar nicht so lang – die Erwartungszeiten waren zu kurz. Ich habe das im vergangenen Jahr selbst beobachten können.

Weimper: Im Vergleich zu anderen Veranstaltungen war das eine Top-Leistung von unseren Ehrenamtlichen. Aber wir haben schon im vergangenen Jahr reagiert, indem wir zwei Kassen aufgebaut hatten an den wichtigsten Tagen. Das werden wir wieder so machen. Wir werden auch an der Ständestruktur Veränderungen vornehmen, so bekommen, wie schon erwähnt, die Burger eine eigene Hütte, um das noch weiter zu entzerren.

 

Sie haben eben schon einmal das Thema Wetter angesprochen. Wie sieht optimales Wetter aus?

Veit: Es hat abends 22 oder 23 Grad und mehr nicht.

Weimper: Sonne pur ist an der stillen Enz einfach zu viel – vor allem auf der Bühne, da brennt die Abendsonne extrem rein. Wichtig wäre auch kein Regen, weil wir kein Woodstock wollen (lacht).

 

Fischerfest, Sommerevenz, Enzival und Straßenfest: Ist es gut, dass jedes Wochenende etwas geboten ist, oder würden Sie sich mit einer „exklusiveren“ Veranstaltung wohler fühlen?

Veit: Es sind Sommerferien, da gehen manche am Anfang, andere in der Mitte und andere, die vielleicht kein Geld haben, gar nicht in den Urlaub. Für diesen Teil der Bevölkerung ist mit dieser Veranstaltungsdichte gesorgt, damit auch sie ihren Spaß haben können. Das finde ich auch wichtig. Zu anderen Zeitpunkten wäre weniger vielleicht manchmal mehr, aber in den Sommerferien ist das gut so. Unser Sommerevenz ist dafür da, dass auch derjenige, der kein Geld hat, mal kostenlos eine Veranstaltung besuchen kann, die er sich sonst nicht leisten könnte, weil sie nicht in seinem Budget wäre. Das soll aber nicht heißen, dass jeder ein Vesper und Getränke mitbringen soll, weil einen gewissen Teil müssen wir noch einnehmen. Die 25000 Euro der Stadt sind bei weitem keine Kostendeckung. Die Gesamtsumme liegt nämlich bei weit über 50000 Euro.

 

Was muss passieren, damit Sie am Abschlusstag, Sonntag, 26. August, zufrieden auf die dann zurückliegenden zwölf Sommerevenz-Tage blicken können?

Weimper: Das ist eigentlich klar. Wir brauchen nur schönes Wetter und das tolle Publikum der vergangenen zwei Jahre.

Veit: Ein Publikum, das sagt: „Es war klasse und wir freuen uns auf das nächste Jahr.“

 

Darf man sich denn auf nächstes Jahr – und damit auf eine vierte Auflage – freuen?

Weimper: Wir denken von Jahr zu Jahr. Aber klar ist: Nach dem Sommerevenz war bisher immer vor dem Sommerevenz.

Ramona Deeg

Redakteurin E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

ramona.deeg@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
An der Quelle

An der Quelle

Wenn Marlis Lippik ihre weißen Handschuhe überstreift, ist Eingeweihten klar, wohin die Reise geht: weit zurück in die Vergangenheit zu Schätzen, die mit äußerster Vorsicht zu behandeln sind. Besonders SIE… »