Wildschweinplage beschäftigt Landtag

Mitglieder des Petionsausschusses informieren sich über Enzberger Anliegen – Rund 40 Teilnehmer im Mühlacker Ratssaal

Von Gerhard Franz Erstellt: 16. November 2013, 00:00 Uhr
Wildschweinplage beschäftigt Landtag Petent Hans-Werner Herre erläutert in einem Vortrag sein Anliegen an die Mitglieder des Petitionsausschusses, die Landtagsabgeordneten Beate Böhlen und Werner Rapp. Zur Anhörung waren auch Vertreter der Landwirtschaft, der Jäger, von Behörden und betroffene Grundstücksbesitzer gekommen. Foto: Franz (1), privat

Eine zweiköpfige Kommission des Petitionsausschusses des Landtages mit den Landtagsabgeordneten Beate Böhlen (Grüne) und Werner Raab (CDU) leiteten gestern eine Anhörung zur Wildschweinplage in Enzberg. Hans-Werner Herre hat zusammen mit Mitstreitern eine Petition auf den Weg gebracht.

Mühlacker-Enzberg. Neben den beiden Vertretern des Petitionsausschusses – Vorsitzende ist die Landtagsabgeordnete Beate Böhlen aus Baden-Baden – nahmen auch die hiesigen Landtagsabgeordneten Viktoria Schmid (CDU), Dr. Hans-Ulrich Rülke (FDP) und Dr. Marianne Engeser (CDU, Pforzheim) als Zuhörer an der Anhörung teil. Rund 40 Personen, darunter betroffene Grundstücksbesitzer, Jäger, Landwirte, Weinbauern, Naturschützer, Vertreter des Landratsamtes, des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Oberbürgermeister Frank Schneider und Bürgermeister Winfried Abicht , nahmen an dem öffentlichen Termin im Großen Ratssaal in Mühlacker teil. Zu Beginn der Unterredung sagte MdL Werner Raab, der die Anhörung leitete, dass es heute „keine Entscheidung in der Sache“ geben werde. In erster Linie wurde Petent Hans-Werner Herre die Möglichkeit gegeben, die von 81 Unterzeichnern unterstützte Eingabe ausführlich zu erläutern. Die Forderung der Enzberger Bürger: eine Änderung des Landesjagdgesetzes zu erreichen, auch mit unpopulären Maßnahmen. Eine Reform des Gesetzes, so Herre, soll ermöglichen, die Schwarzwildpopulation effektiver zu bejagen und damit eindämmen zu können. Hintergrund des Vorstoßes sind die Flurschäden, die durch Wildschweine hervorgerufen werden. Besonders in Enzberg leiden seit Jahren die Grundstücksbesitzer unter der Wildschweinplage.

Mit einem rund 23 Minuten dauernden Vortrag – verdeutlicht durch zahlreiche Bilder von Wildschweinschäden in Enzberg – begründete Hans-Werner Herre recht umfangreich und detailliert sein Anliegen an die Vertreter des Landtages und der Behörden. Herres Botschaft: „So kann es nicht mehr weitergehen.“ Er sprach von einer „explosionsartigen Vermehrung des Schwarzwildes“. Mit der Petition, in der zahlreiche Forderungen an den Gesetzgeber formuliert sind, soll beim Jagdgesetz den Jägern deutlich mehr Möglichkeiten eingeräumt werden, der Wildschweinplage besser Herr zu werden. Herre bedauerte, dass Grundstücksbesitzer nicht mehr regelmäßig ihre Grundstücke pflegen müssen. Bei seiner Fotodokumentation ging der Enzberger besonders auf die ehemaligen meist verwilderten Weinberge ein. Hier können sich die Wildschweine im Dickicht gut verstecken, hieß es beim Anhörungstermin. „Die Schweine überwinden Trockenmauern von über 1,20 Meter.“ Nach Auffassung des Petenten müssen den Jägern bei der technischen Ausrüstung auch Nachtzielgeräten erlaubt werden. Sein Fazit zum Abschluss: die Wildschweinpopulation und die Landschaftsverwilderung werde weiter extrem zunehmen; ebenso Brachflächen, die kaum noch zu rekultivieren seinen. Herre: „Wir fühlen uns durch das Jagdgesetz benachteiligt, weil es nicht zum Schutze unseres Eigentums beiträgt.“

Als Vertreter des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz nahm Referatsleiter und Jagdreferent, Bernhard Panknin, Stellung. Die deutliche Zunahme beim Schwarzwild sei landesweit, machte der oberste Jagdaufseher deutlich. „Es ist nicht nur ein Enzberger Problem.“ Schon seit Jahren kümmere sich das Ministerium um die Problematik des Schwarzwildbestandes und der damit verbunden Schäden. Der Ministeriumsvertreter sprach von einem 10-Punkte-Programm, das helfen soll, den Schwarzwildbestand zu reduzieren. Bernhard Panknin: „Das wird nicht immer umgesetzt.“ Für den obersten Jagdaufseher des Landes ist wichtig, dass alle Jagdreviere, auch im weiteren Umkreis, „am gleichen Strang ziehen“. Nach Aussage des Jagdexperten nehme die Wildschweinpopulation trotz intensiver Bemühungen der Jägerschaft eindeutig zu. Panknins Einschätzung: „Die Wildschweine sind die Gewinner des Klimawandels.“

Der Einsatz von Nachtzielgeräten für Jäger würde nicht den Erfolg bringen, den manche erwarten. Getestet wurden solche Geräte unter anderem in Bayern und in der Schweiz. „Die Tiere haben sich sehr schnell auf die neue Technik eingestellt.“ Der Einsatz von Schrot bei der Jagd auf Frischlinge sei aus tierschutzrechtlichen Gründen abzulehnen, so der Ministeriumsvertreter. Im weiteren Verlauf der Anhörung wurde auch der Einsatz der „Pille“ für die Bachen erörtert.

Umweltdezernent Karlheinz Zeller vom Landratsamt Enzkreis betonte, die vom Ministerium geforderte Zusammenarbeit von Behörden, Jägern und der Landwirtschaft werde bereits seit Jahren im Enzkreis erfolgreich praktiziert. Dies bestätigte auch Kreisjägermeister Dieter Krail und der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, Ulrich Hauser. Der Vorsitzende des Bauernverbandes forderte vom Land ein größeres Engagement bei der Bekämpfung des Schwarzwildbestandes.

Ausführlich Stellung zu den Bemühungen der Stadt in Sachen Wildschweinpopulation in Enzberg nahm Bürgermeister Winfried Abicht. Zu Beginn der Veranstaltung hatte Oberbürgermeister Frank Schneider als Hausherr die Teilnehmer der Anhörung begrüßt.

Auch Grundstücksbesitzer melden sich zu Wort, deren Flurstücke in der Vergangenheit von Wildschweinen heimgesucht worden sind.

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