Werbeanrufe verunsichern Kunden

Beispiel Stromtarif: Stadtwerke Mühlacker beklagen unseriöse Praktiken

Von Thomas Eier Erstellt: 12. August 2017, 00:00 Uhr
Werbeanrufe verunsichern Kunden Werbeanrufer, die vermeintlich günstigere Tarife verkaufen wollen, fragen teilweise auch nach der Nummer des Stromzählers. Foto: Huber

Die Anrufe stiften Verwirrung und sorgen für Verunsicherung. Immer wieder melden sich, obwohl sogenannte „Cold Calls“ bereits seit 2009 per Gesetz verboten sind, unaufgefordert Werber übers Telefon, die besonders günstige Angebote und Tarife versprechen.

Mühlacker. Von einem aktuellen Fall berichtet Leser Adolf Reutter, der in dieser Woche einen Anruf – mutmaßlich im Auftrag eines großen Stromanbieters – erhielt. Ein Mann, der vergleichsweise undeutlich gesprochen habe, schildert der 80-Jährige aus Großglattbach den Vorgang, habe ihn aufgefordert, seinen Kilowattpreis für den Stadtwerke-Strom zu nennen und ihm anschließend einen Preis genannt, der drei Cent günstiger liege. Was Adolf Reutter allerdings ärgert und ein Stück weit verunsichert: „Er hat mehrfach angekündigt, er werde mir dann eine Auftragsbestätigung zuschicken – obwohl ich mehrfach Nein gesagt und darauf hingewiesen habe, dass ich keine Geschäfte am Telefon mache.“

Ein Vorfall, der den Stadtwerken Mühlacker als kommunalem Energieversorger gut vertraut ist, wie der Abteilungsleiter Energiewirtschaft und Prokurist Matthias Bosch auf Nachfrage bestätigt. Bei den Anrufern handle es sich in aller Regel um Mitarbeiter von Firmen oder Call-Centern, die sich auf die Telefonakquise spezialisiert hätten – obwohl die „Cold Calls“, die unaufgeforderten Werbeanrufe, durch den Gesetzgeber unterbunden werden sollten. In der Praxis allerdings werden die Vorgaben für die sogenannte Kaltakquise, wie es scheint, praktisch täglich ignoriert, wie Matthias Bosch anhand eines weiteren, ähnlich gelagerten Falls unterstreicht.

Am selben Tag, berichtete der Stadtwerke-Prokurist, habe sich eine Kundin gemeldet und von einem Anruf erzählt, bei dem der Werber ebenfalls nach der Jahresverbrauchsabrechnung und gleich noch nach der Nummer des Stromzählers gefragt habe. Auf diese Weise würden mehr oder weniger seriöse Anbieter mit Informationen versorgt, die sie im Zweifelsfall auch ohne ausdrückliche Zustimmung des Kunden in entsprechenden Vertragsbestätigungen verarbeiteten. „Das ist ein Versuch, Kunden über den Tisch zu ziehen“, warnt Bosch vor solchen Methoden. Er rät betroffenen Kunden, die Post erhalten und sich überrumpelt fühlten, unbedingt innerhalb von 14 Tagen zu widersprechen.

„Für die Stadtwerke ist Telefonmarketing kein Thema“

Umso ärgerlicher seien die Kampagnen, wenn Werber am Telefon den guten Namen der Stadtwerke missbrauchten, sagt Bosch. Anrufer erweckten, indem sie sich auf den städtischen Energieversorger beziehen würden, den Eindruck, als gebe es eine Verbindung. „Für die Stadtwerke ist Telefonmarketing grundsätzlich kein Thema“, stellt Bosch klar. Stattdessen müssten sich seriöse Anbieter teils über Unterlassungserklärungen und Anzeigen gegen Konkurrenten wehren, die mit allen Mitteln auf neue Verträge aus seien, die über die gesamte Laufzeit gesehen nicht selten teurer kämen als der bisherige Tarif.

Ein beliebtes Mittel ist, die Werbeattacken nach dem Verbot der Cold Calls in „Umfragen“ zu verpacken, was allerdings die Art und Weise nicht besser macht. Auch die Rufnummern, die bei unerwünschten Belästigungen im Display erschienen, helfen laut Stadtwerke-Abteilungsleiter Bosch nicht immer weiter. Häufig handle es sich um Fantasienummern, die nicht zurückgerufen werden könnten. „Versucht man es, kommt die Meldung: ,Kein Anschluss unter dieser Nummer.‘“

Thomas Eier

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