Wenn aus Wörtern Geschichten werden

Carolin Carl aus Königsbach-Stein gewinnt den Kreisentscheid des Vorlesewettbewerbs und qualifiziert sich für die nächste Ebene

Von Carolin Becker Erstellt: 17. Februar 2017, 00:00 Uhr
Wenn aus Wörtern Geschichten werden Angelika Wetzel (v.li.) und Carolin Britsch von Buch-Elser mit den Juroren Claudia Heiler und Rolf Watzal sowie den Wettbewerbsteilnehmern (vorne v.li.) Vanessa Grasberger, Celine Fix, Valerie Schuberth, Damaris Bär, Melina Kulack, Emilia Wojak, Lena Meergraf und (hintere Reihe v.re.) Fabio Münchinger, Louisa Wemmer, Nina Huhn, Nathalie Weidner, Jannis Göhringer und Carolin Carl. Foto: Fotomoment

Einen Stuhl, einen Tisch, ein Buch: Mehr brauchen die 13 Vorlesekünstler nicht, um die Zuhörer im Verlagshaus des Mühlacker Tagblatt zu fesseln. Schon bevor der Name der Siegerin des Kreisentscheids bekanntgegeben wird, steht eines fest: Als Gewinner dürfen sich alle Teilnehmer fühlen – und nicht zuletzt das bestens unterhaltene Publikum.

Mühlacker. Das Foyer des Verlagshauses wird an diesem Mittwochabend zur Bühne für die Schulsieger, die im Rahmen des 58. Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels nun nach der Krone auf Kreisebene greifen. In die erwartungsvolle Stille hinein begrüßen Angelika Wetzel und Carolin Britsch von der den Kreisentscheid ausrichtenden Buchhandlung Elser die Gäste. Noch einige organisatorische Hinweise – zunächst werden die Teilnehmer drei Minuten lang einen selbst ausgewählten Text vortragen, danach aus einem ihnen unbekannten Buch lesen –, dann kann es auch schon losgehen.

Der Unterstützung eines eigenen kleinen Fanclubs darf sich Carolin Carl gewiss sein. Doch der Plakate mit aufmunternden Botschaften, die für sie in die Höhe gereckt werden, hätte es gar nicht bedurft. Die Elfjährige aus Stein, die in Königsbach die sechste Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums besucht, trägt ihren Text über eine chaotische Familie sicher und mit Gespür für die unterschiedlichen Charaktere vor. Ihr Talent, ausdrucksstark zu betonen und den Inhalt des Gelesenen mit ihrer Mimik zu unterstreichen, wird sie später auch in der zweiten Runde beweisen, in der sie sich wie alle Mitstreiter mit einem Abschnitt aus „Ich, Onkel Mike und Plan A“ von Alice Gabathuler konfrontiert sieht.

Während sich das Publikum beim von den Schülern fortlaufend vorgetragenen Fremdtext in die amüsante Handlung einhören kann, besteht der Reiz der ersten Runde in den unterschiedlich ausgeprägten Lesevorlieben der Schüler, die sich in deren Buchauswahl manifestieren. Gerade noch hat sich der Zuhörer auf einem magischen Schiff auf Zeitreise befunden, da erlebt er die in der Aktualität angesiedelte Annäherung an eine Austauschschülerin, um schließlich in einem Lindgren-Klassiker zu landen.

Celine Fix aus Freudenstein hat sich für die Geschichte einer Casting-Show-Teilnehmerin entschieden, deren Gewissensnöte die Sechstklässlerin der Faust-Schule unaffektiert in Szene setzt. Mit leiser Stimme, aber besonders eindringlich und ernsthaft fühlt sich Damaris Bär aus Straubenhardt in die „Tochter des Wüstenwindes“ ein. Sicher und scheinbar unaufgeregt entführt die Ötisheimerin Vanessa Grasberger von der Mörike-Realschule Mühlacker ihre Zuhörer in die „Schule der magischen Tiere“.

Magisch, ja unheimlich und gefährlich ist auch die Szene, die sich Jannis Göhringer aus Remchingen ausgesucht hat und die er ausdrucksstark interpretiert. Keine Furcht vor der Begegnung mit einem Killer zeigt die Pforzheimerin Nina Huhn von der Lomersheimer Johann-Christoph-Blumhardt-Schule, während sich Melina Kulack aus Neuhausen furchtlos der Aufgabe stellt, einen radebrechenden britischen Teenager zu Wort kommen zu lassen.

Ein leises Lächeln umspielt Lena Meergrafs Lippen bei ihrem sympathischen Vortrag, für den sich die Diefenbacherin vom Maulbronner Salzach-Gymnasium eine Stelle aus dem Buch „Ruby Redfort“ ausgesucht hat. Die Rachepläne gemobbter Schüler entfaltet Fabio Münchinger aus Ersingen mit Herz, Engagement und kräftiger, melodischer Stimme.

Mit gutem Timing und deutlicher Aussprache punktet die Illingerin Valerie Schuberth von der Gemeinschaftsschule Illingen-Maulbronn. Nathalie Weidner aus Niefern-Öschelbronn, die Vertreterin der Heckengäuschule, begibt sich mit einer Bloggerbande auf Juwelenjagd, während Louisa Wemmer aus Friolzheim ihre Zuhörer gut verständlich auf eine Reise nach Frankreich schickt. Deutliche Betonungen und eine klare Aussprache zeichnen die THG-Schülerin Emilia Wojak aus Mühlacker aus.

Wer aus dem erlesenen Feld soll nun aufsteigen zum Regionalentscheid und über die Landesebene möglicherweise sogar bis zum Finale nach Berlin gelangen? Für diese Entscheidung braucht es echte Fachleute. Die Juroren Rolf Watzal, Citymanager und gelernter Buchhändler, Büchereileiterin Claudia Heiler und Lehramtsanwärterin Anna Grob kommen zu einem einstimmigen Urteil.

„Wir fanden es ganz toll, wie gut alle den Fremdtext vorgelesen haben“, schickt Rolf Watzal der Verkündung voraus. Und noch ein wenig Spannungsaufbau: Alle Teilnehmer erhalten Buch, Zeitschrift und Urkunde, ehe endlich das Geheimnis gelüftet wird: „Carolin Carl hat uns heute Abend am besten gefallen.“ Das Publikum klatscht, der Fanclub jubelt, und die bekennende Leseratte, nebenbei Klarinetten- und Volleyballspielerin, wird von ihren Freundinnen beglückwünscht. „Du, Carolin, schaffst das“, steht auf einem der mitgebrachten Plakate. Warum nicht auch in der nächsten Runde?

Carolin Becker

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