Waschen, schneiden, föhnen

Veranstaltung an der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule: Friseurazubis verwandeln Klassenzimmer für einen Tag in einen Schülersalon

Von Maren Recken Erstellt: 30. April 2014, 00:00 Uhr
Waschen, schneiden, föhnen Janine Maier steht Integrationsschülerin Sharon mit hilfreichen Tipps zur Seite. Foto: Recken

Mühlacker. Ein neuer Haarschnitt für fünf Euro, eine Handmassage für vier Euro oder einmal Augenbrauen zupfen für zwei Euro: Am Dienstagvormittag laufen die Geschäfte in der Mühlacker Ferdinand-von-Steinbeis-Schule gut. Beim ersten sogenannten Salontag bieten die Friseurazubis im dritten Lehrjahr ihren Mitschülern, Lehrern oder den Mitarbeitern aus der Schulverwaltung Dienstleistungen rund ums Friseurhandwerk zu kleinen Preisen.

Von 9 bis 14 Uhr werden Haare schamponiert und geföhnt, Nägel gefeilt oder Hände massiert. Die Kunden auf den Friseurstühlen lösen einander nahtlos ab, die im Vorfeld vergebenen Termine sind größtenteils ausgebucht. „Wir wollten mal einen Tag der offenen Friseurschule anbieten und einen Tag lang einen Schülersalon eröffnen“, erklärt Claudia Oehm, technische Leiterin der Friseurabteilung, und erzählt weiter, dieser Tag sei vollständig durch die Schüler organisiert worden, von der gedanklichen Vorbereitung über die Terminplanung bis hin zur Durchführung der Haarschnitte und anderen Dienstleistungen. Der eintägige Schülersalon sei einerseits eine gute Vorbereitung und Übung für die Prüfungen, die ab Mai losgingen, weil viele der Friseurlehrlinge zwar ganztägig in ihren Ausbildungsbetrieben arbeiteten, dort aber teilweise nicht alle Arbeiten komplett durchführen dürften. Andererseits finde der Salontag im Rahmen eines Inklusionsprojektes statt, das die Friseurabteilung seit Beginn dieses Schuljahres gemeinsam mit der Berufsvorbereitenden Einrichtung der Pforzheimer Gustav-Heinemann-Schule durchführe. Einer Einrichtung, die sich die berufliche und soziale Eingliederung junger Erwachsener unter Berücksichtigung von deren besonderen Förderbedürfnissen zur Aufgabe gemacht hat. „Bei uns werden die Schüler auf mögliche Arbeitsfelder in ihrem späteren Leben vorbereitet“, erklärt Brigitte Breuer, Stufenleiterin an der Berufsvorbereitenden Einrichtung der Gustav-Heinemann-Schule, und führt weiter aus, dass diese Schüler nicht in der Lage seien, eine klassische Ausbildung zu absolvieren, sondern später auf dem Arbeitsmarkt Hilfstätigkeiten ausführten, für die sie speziell angelernt würden.

Ob ihnen eine solche Hilfstätigkeit in einem Friseursalon Spaß machen würde, das testen Odelayse und Sharon, die beide am Inklusionsprojekt teilnehmen, an diesem Dienstagvormittag. Während Odelayse an einer Kundin eine entspannende Haarwäsche mit Kopfmassage durchführt, feilt Sharon sorgfältig einem Kunden die Nägel, bevor sie der nächsten Kundin die Hände massiert. Unterstützung in Sachen berufliches Know-how erhalten die beiden Inklusionsschülerinnen von den Friseurazubis der Ferdinand-von-Steinbeis-Schule. Beispielsweise von Janine Maier, der es „Spaß macht, Sharon und Odelayse etwas zu zeigen, vor allem dann, wenn auch die beiden Spaß daran haben, etwas zu lernen“. Das ist am Dienstag ganz sicher der Fall. Stolz erzählen Sharon und Odelayse, dass sie bereits einigen Kunden die Haare gewaschen oder die Nägel gefeilt hätten.

Und auch die Kunden sind mit den Leistungen aller im Schülersalon tätigen Auszubildenden zufrieden. „Den Haarschnitt hätte mein Friseur auch nicht besser gekonnt“, lobt Ralf Speh, Lehrer an der benachbarten Georg-Kerschensteiner-Schule, und auch Vera Sailer, selbst Lehrerin in der Friseurklasse, ist mit den Leistungen ihrer Schülerinnen zufrieden. Darüber hinaus möchte sie durch ihren Besuch im Schülersalon das Integrationsprojekt unterstützen, soll doch der Erlös der Klassenkasse der Berufsfördernden Einrichtung an der Gustav-Heinemann-Schule zugutekommen.

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