Was vom Mühlehof übrigbleibt

Stadtarchiv und Heimatmuseum sichern sich Fundstücke – Veranstaltungsplakate zeugen von den Hoch-Zeiten des Kulturbetriebs

Von Thomas Eier Erstellt: 7. Juli 2018, 00:00 Uhr
Was vom Mühlehof übrigbleibt Erinnerungen an 33 Jahre Kulturbetrieb im Mühlehof: Stadtarchivarin Marlis Lippik zeigt das älteste und das jüngste Veranstaltungsplakat aus ihrer umfangreichen Sammlung. Foto: Fotomoment, Huber

Vom Mühlehof werden, wenn im Spätherbst der Abbruch bewältigt ist, vor allem die Erinnerungen bleiben. Aber nicht nur, denn einige Fundstücke aus der knapp 40-jährigen Geschichte des Gebäudes werden im Stadtarchiv beziehungsweise im Fundus des Heimatmuseums für die Nachwelt bewahrt.

Ein Mühlehof-Relikt der technischen Art: Adelheid Teschner, die Leiterin des Heimatmuseums, zeigt das Tonreglerpult aus dem Gottlob-Frick-Saal, das vorerst im Keller des Rathauses eingelagert ist.Ein Mühlehof-Relikt der technischen Art: Adelheid Teschner, die Leiterin des Heimatmuseums, zeigt das Tonreglerpult aus dem Gottlob-Frick-Saal, das vorerst im Keller des Rathauses eingelagert ist.

Mühlacker. Der Auftrag ist vergeben, und noch in diesem Monat werden die Fachleute der Eislinger Abbruchfirma damit beginnen, das Gebäude zu „entkernen“, also in den Rohbauzustand zurückzuversetzen. Fenster und Türen, Wandverkleidungen und Böden, Geländer und sämtliche Wertstoffe, angefangen bei der Kupferfassade, werden demontiert, bevor der Bagger anrückt und dem Mühlehof endgültig die letzte Stunde schlägt.

Fällt der Koloss in sich zusammen, wird unter dem Schutt nicht nur die jahrzehntelange kommunalpolitische Kontroverse um einen baulichen Problemfall, sondern auch die Erinnerung an viele Sternstunden insbesondere in den erfolgreichen Anfangsjahren begraben. Symbolhaft stehen dafür die nostalgisch anmutenden Veranstaltungsplakate, die als Wandschmuck in den Fluren hinter der Bühne – dort, wo einst die Geschäftsstelle der Volkshochschule beheimatet war – von großen Konzert- und Theaterabenden mit Stars von Heino bis Horst Tappert künden. Zeugnisse der guten alten Zeit, die gemeinsam mit dem Mühlehof untergehen werden: „Sie sind flächig, vielleicht mit Tapetenkleister, aufgeklebt“, begründet Amtsleiter Konrad Teufel, warum die seltenen Plakate nicht abgehängt und archiviert werden können.

Was nicht im Original zu retten ist, wurde fotografisch dokumentiert, sind doch die Veranstaltungsplakate – zusammen mit den Programmheften der Volkshochschule und den Gästebüchern mit Einträgen prominenter Künstler – für Marlies Lippik die einfachste und anschaulichste Art, die 36-jährige Geschichte des Kulturbetriebs im Mühlehof zu konservieren. „Er ist ein ganz wichtiges Stück Stadtgeschichte“, sagt die Leiterin des Stadtarchivs, die sich darauf konzentriert, wichtige Unterlagen zu sichern. Der Mühlehof stehe stellvertretend fürs erste echte Stadtzentrum Mühlackers, das zu Beginn der 1990er Jahre durch den Rathaus-Neubau und den sogenannten Mittelbau gegenüber komplettiert wurde.

Neben einer umfangreichen Sammlung von Ankündigungsplakaten, die seit ihrem Amtsantritt 1992 lückenlos vorhanden sind, gehören etliche Zeitungsausschnitte zum Mühlehof-Fundus von Historikerin Marlis Lippik, die sich mit ihrem Team weniger für sperrige Relikte als für die „Flachware“ in Form von Papieren und Dokumenten interessiert, um das ideelle Erbe des Kultur- und Kommerztempels für spätere Generationen zu bewahren. Unweit ihres Büros im Untergeschoss des Rathauses lagert derweil in einem Kellerraum ein technischer Zeitzeuge: das Tonmischpult aus dem Mühlehof-Saal.

Ein Ausstellungsstück fürs Heimatmuseum? Noch hat Leiterin Adelheid Teschner, wie sie schmunzelnd durchblicken lässt, in der Kelter kein eigenes Stockwerk für die Mühlehof-Fundstücke reserviert, allerdings sei nicht auszuschließen, dass der Gebäudekomplex und seine wechselhafte Geschichte in einigen Jahren Thema für eine Sonderausstellung werden könnten. Was aus Sicht der Museumschefin ebenfalls ein spannendes Thema ist, sind die „allerersten Pläne“ noch aus der Zeit vor dem Baubeginn, wonach ursprünglich ein Bürgerzentrum mit Vereinsräumen habe entstehen sollen, bevor sich für den Mühlehof eine Kombination aus Läden und Kulturbetrieb herauskristallisiert habe.

Deren Ende naht nun mit großen Schritten. Für nächste Woche, informiert Konrad Teufel vom städtischen Gebäude- und Grundstücksmanagement, sei das „Bauanlaufgespräch“ mit der Abbruchfirma anberaumt, um Details zum Ablauf zu klären und einen Starttermin festzulegen. Auch Gespräche mit Anwohnern, die unter den Belastungen durch die Großbaustelle leiden werden, wurden diese Woche geführt.

Die ersten Vorbereitungen waren indessen bereits nach dem (endgültigen) Abrissbeschluss des Gemeinderats vor einem Jahr angelaufen. So ist das Inventar – von der Bestuhlung des Saals bis zum Bestecksatz aus der Cateringküche – längst entweder meistbietend versteigert, an Vereine veräußert oder an Kindergärten verschenkt, wobei sich laut Amtsleiter Teufel der Erlös des Ausverkaufs mit „einigen Tausend Euro“ in Grenzen hält. Teile der Technik wie Scheinwerfer oder Lautsprecher sind entweder eingelagert oder werden im Uhlandbau eingesetzt, der bis zur Eröffnung einer neuen Stadthalle am Kelterplatz als Veranstaltungssaal dient.

Einzelne Elemente der Mühlehof-Historie sind damit weiterhin im Alltag der Stadt präsent, und unbedingt erhalten bleiben soll nach dem Wunsch des Gemeinderats auch die Mühlstein-Skulptur, die an der Ecke zum Kelterplatz von der langen Mühlen-Tradition an der Enz in Mühlacker zeugt. Sie gab einst der Stadt und später dem Mühlehof den Namen.

Thomas Eier

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