Von Gündelbach nach Asien und zurück

Carolin Klöckner ist als 70. Deutsche Weinkönigin viel unterwegs –Am Sonntag tritt sie beim Neujahrsempfang in Vaihingen auf

Von Ramona Deeg Erstellt: 5. Januar 2019, 00:00 Uhr
Von Gündelbach nach Asien und zurück Zwischen Moderationen, Grußworten und Preisverleihungen nimmt sich die Deutsche Weinkönigin Julia Klöckner Zeit für einen Redaktionsbesuch beim Mühlacker Tagblatt, um über ihre ersten 100 Tage im Amt zu sprechen. Foto: Goertz

„Die Zeit rennt davon“ – mit diesen Worten fasst Carolin Klöckner ihre ersten 100 Tage als amtierende Deutsche Weinkönigin zusammen.

Mühlacker/Vaihingen-Gündelbach. Auf dem Heck ihres Dienstwagens steht unübersehbar, was die aktuelle Berufsbezeichnung der 23-Jährigen im Moment ist: 70. Deutsche Weinkönigin. Das Auto wurde ihr aus einem Sponsoring, an dem unter anderem ihre Heimatstadt Vaihingen beteiligt ist, zur Verfügung gestellt. Es komme nicht selten vor, dass andere Autofahrer beim Vorbeifahren interessiert ins Fenster schauen, wie sie erzählt. Wenn möglich, winkt sie dann lächelnd. Es ist nur eine von zahlreichen Anekdoten, die sich in den vergangenen rund drei Monaten in ihrem Leben abgespielt haben. Eines ist ihr dennoch besonders wichtig: „Ich bin immer noch die Caro, die ich vorher war.“

Entsprechend hat sie es regelrecht genossen, zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel ein paar ruhigere Tage im Kreise der Familie in Gündelbach verbracht zu haben, mit Hündin Tekla Gassi zu gehen und den Pferdestall auszumisten. Fernab von Krone, sozialen Medien und öffentlichen Auftritten. Am morgigen Sonntagvormittag führt sie ihr Amt dann zum Neujahrsempfang nach Vaihingen – quasi ein Heimspiel.

Davon wird es in den restlichen neun Monaten noch genügend geben, wie sie beim Redaktionsgespräch verdeutlicht. Klar ist jetzt schon, dass sie ihr Amt einige Male ins Ausland führen wird. Im Moment seien für das Trio, zu dem auch die beiden Weinprinzessinnen gehören, unter anderem Tokio und Hongkong in Planung. Der asiatische Markt sei interessant und könne noch besser bedient werden, ist Klöckner überzeugt. „In China werden im Moment noch viele Esstrauben produziert“, erklärt die Fachfrau, „aber sie stellen gerade auf Weinbau um.“ Entsprechend viele Chinesen würden daher im Moment auch in Deutschland Oenologie – also Weinbau – studieren. Auch nach Japan sei der Kontakt gut. Gleiches gelte auch für Russland, das weiß Klöckner sogar aus eigener Erfahrung. „Ich habe einen Vortrag vor russischen Sommeliers gehalten und diese waren erstaunlich gut über die Details des Deutschen Weinbaus informiert.“ Doch nach wie vor sei die USA der Teil der Welt, in den am meisten deutscher Wein exportiert werde. Apropos deutscher Wein: Der wird auch auf der „Berlinale“ ausgeschenkt. „Das wissen nur viele gar nicht“, so Klöckner, die den Intendanten der Filmfestspiele kennengelernt hat. Das könne man noch besser kommunizieren, denkt sie laut nach. Außerdem kann sie sich auch gut vorstellen, Wein für die jüngere Generation („Die aber alt genug ist, um Wein offiziell zu trinken“) attraktiver zu machen. Schließlich gebe es tolle Cocktails und Bier als Konkurrenz.

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Treffen im Rahmen eines Food-Blogger-Events in München. Klöckner war zuvor mehrere Tage mit einer Delegation Politiker unterwegs, und entsprechend sah ihre Kleiderauswahl eher gedeckt und businessmäßig aus. „Ich habe dann schnell gemerkt: Ich muss einkaufen gehen.“ Denn den hippen und zugleich lockeren Dresscode konnte sie nicht erfüllen. Auf der Food-Blogger-Veranstaltung angekommen, spürte sie eine gewisse Zurückhaltung, die sich im Laufe der Veranstaltung aber legte. „Am Ende hatte ich einige Angebote, mit dem Vorschlag gemeinsamer Projekte.“

Überhaupt: Den einen oder anderen geknüpften Kontakt will sie auch nach ihrer Amtszeit weiter pflegen. Trotzdem ist es ihr wichtig, ihr Studium, bei dem sie sich auf der Zielgeraden befindet, fertigzumachen. „Im Sommer werde ich auch auf jeden Fall zwei Prüfungen schreiben“, sagt sie. Parallel zum Studium möchte sie nach ihrer Zeit als Weinkönigin ein paar Projekte angehen. „Aber noch möchte ich mir drei Monate zeitlassen, um die ganze Bandbreite noch deutlicher zu erleben“, berichtet sie mit Blick in die Zukunft.

Anfänglich hat sich die 70. Deutsche Weinkönigin Sorgen gemacht, ob sie das Pensum an Terminen gut absolvieren kann. Inzwischen sieht sie es ein bisschen lockerer. Schließlich ist das ganze Jahr auch ein großer Lernprozess. Und wenn doch mal etwas schiefgeht, nimmt ihr das in aller Regel niemand übel – außer sie sich selbst. „Ich bin ein Konkurrenzmensch – aber nur mit mir selbst. Ich denke dann immer: Das kann ich noch besser.“

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