Von der Wirtshaus-Gaudi weit entfernt

Elite der Armwrestling-Szene trifft sich im Dürrmenzer Bistro Würmle – Kampfrichter achtet akribisch auf die Einhaltung der Regeln

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 15. April 2019, 00:00 Uhr
Von der Wirtshaus-Gaudi weit entfernt Volle Konzentration: Im Dürrmenzer Bistro Würmle lässt ein internationales Teilnehmerfeld die Muskeln spielen. Foto: Stahlfeld

Armwrestling erinnert an das klassische Armdrücken – tatsächlich ist die Kampfsportart aber viel mehr als das, wie am Samstag ein Wettbewerb im Café und Bistro Würmle in Mühlacker belegte. Im Sekundentakt ging es beim Iron Arm German 2019 um Sieg und Niederlage.

Mühlacker. „Here we go!“, ruft Kampfrichter Victor Vornicu aus London, und die beiden am Tisch stehenden Männer fackeln nicht lange. Es herrscht höchste Konzentration, und in Sekundenschnelle hat wieder einmal der mehrfache Weltmeister und elfmalige Deutsche Meister Philipp Stahlhofen das Duell Mann gegen Mann für sich entschieden und den Handrücken des Gegners aufs Polster gedrückt.

Den schätzungsweise zwei Sekunden Kampf gehen gefühlte zwei Minuten Vorbereitung voraus, in denen Kampfrichter Vornicu und sein Kollege Michael Mucha aus Sonthofen zunächst ganz genau darauf achten, dass sich die beiden Kontrahenten am Wettkampftisch in der Startposition keine Vorteile verschaffen. „Handrücken und Unterarm müssen gerade sein, der Ellbogen auf den Pads“, erklärt gerade Michael Mucha, als Victor Vornicu schon das nächste Foulspiel ahnden muss. „He moved before“, begründet er seine Entscheidung, und jeder der Kampfsportler im Raum weiß, dass nach zwei Fouls die Auseinandersetzung verloren ist.

„Second Foul!“, hallt es durch den Raum. Der Sportler hat den Griff losgelassen, an dem sich die Hand, mit der nicht gedrückt wird, festhalten muss. Zähneknirschend wird auch diese Entscheidung des Referees akzeptiert. Der Raum des Bistros strotzt vor 75 mit Muskeln bepackten Männern, und es herrscht Fair Play. Dabei sind längst nicht nur dicke Muskeln gefragt. Armwrestling ist ein Kampf Mann gegen Mann – oder Frau gegen Frau –, bei dem Schnelligkeit, Bewegungsgefühl und sportliche Aggressivität entscheidend sind.

Andrei Lupsa (Mühlacker) hat den Wettkampf in die Senderstadt geholt, und selbst Bistro-Wirt Rüdiger Zosel staunt nicht schlecht: In seinem Gastraum finden sich Wettkämpfer aus Luxemburg, der Schweiz, der Türkei, aus Belgien, der Ukraine und natürlich aus ganz Deutschland ein. Unter ihnen befinden sich jede Menge Deutsche Meister, Europameister und sogar Weltmeister. Auch Kevin Wolf, der Präsident des deutschen Armwrestlingverbands, zeigt sich beeindruckt vom hochkarätig besetzten Wettkampf, der in mehreren Klassen durchgeführt wird.

Gleich zu Beginn sind die „Disabled“ unter anderem aus den Reihen der Baden Bisons aus Ispringen am Start. Die unter anderem im Rollstuhl sitzenden Sportler mit Handicap kämpfen nicht nur um den persönlichen Sieg, sie wollen auch noch mehr Menschen mit Behinderung für das Armwrestling begeistern, wie René Hübner aus St. Gallen sagt. Für den Schweizer ist der Wettkampf ebenso wie für viele andere zugleich Vorbereitung für die Europameisterschaften im Mai in Griechenland.

In Mühlacker folgen auf die „Disabled“ die Frauen, danach geht es in mehreren Gewichtsklassen für Amateure und die Profis weiter. Unterschieden wird auch zwischen Rechts- und Linkshändern. Beim weiblichen Geschlecht allerdings scheint sich der Wettkampf noch nicht so richtig durchzusetzen. Nur drei Frauen messen im Würmle ihre Kräfte, unter ihnen Sabine Bachner aus Dürrmenz.

Tatsächlich ist Armwrestling in Deutschland schon Vereinssport. Marc Schendzielorz ist Mitglied beim 1898 gegründeten TV Moselweiß; seit dem vergangenen Jahr gibt es dort die Abteilung Armwrestling: „Der Sport kommt in Deutschland an“, sagt der 24-jährige Student.

Armwrestling ist nach dem Wettkampf vom Samstag vor allem auch in der Region angekommen. Es war nach Einschätzung des Präsidenten Wolf das erste Kräftemessen dieser Art im Enzkreis und weit darüber hinaus. Und geht es nach Veranstalter Lupsa, dann wird es auch nicht das letzte gewesen sein. Beim nächsten Mal soll es auch eine spezielle Juniorklasse geben.

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