Vom Versuch, Enzle zu sein

Von Ramona Deeg Erstellt: 29. November 2014, 00:01 Uhr
Vom Versuch, Enzle zu sein Beim Überstülpen des sperrigen Federkleids hilft unter anderem Bürgermeister Winfried Abicht. Foto: Fotomoment

Quak, quak: Das Gartenschau-Maskottchen Enzle gibt im Mühlacker Tagblatt seit einigen Wochen regelmäßig seinen Senf dazu. Doch wie fühlt es sich an, mal selbst Enzle zu sein ? Redakteurin Ramona Deeg hat den Selbstversuch gewagt und ist ins Federkleid geschlüpft.

Mühlacker. Es soll heiß sein und schwer und überhaupt eine echte Herausforderung. Die mehr oder minder deutlichen Hinweise vor dem Selbstversuch sorgen zwar für kleinere Zweifel, wecken aber vor allem die Neugier. Insbesondere eine Frage steht im Raum: Werde ich es schaffen, mich unfallfrei fortzubewegen ?

Den Auftakt im Kostüm hat Sportfreunde-Sprecher Mike Feldmeier beim Dürrmenzer Herbstmarkt gegeben, und während sich damals Besucher und Marktbeschicker über spätsommerliche Temperaturen freuten, hätte er nichts gegen einen Kälteeinbruch einzuwenden gehabt. Denn im Kostüm hat er, wie er erzählte, ordentlich geschwitzt.

Da habe ich eindeutig mehr Glück. Bei meiner Runde über den Weihnachtsmarkt ist es zwar gut warm im Kostüm, aber erträglich. Schließlich ist es mit knappen acht Grad schon winterlich kalt an der frischen Luft. Trotzdem komme ich nach einigen Metern ins Schwitzen, und ein erstes Zwischenfazit fällt eindeutig aus: Gut, dass ich einen Wintertag erwischt habe – im Hochsommer würde der Härtetest auf jeden Fall noch viel extremer ausfallen.

Die zweite bange Frage des Tages hat mit dem Gewicht des Kostüms zu tun. Schließlich handelt es sich bei Enzle um ein größenmäßig durchaus respekteinflößendes Geschöpf mit ententypischem Riesenschnabel und ausgeprägtem Hinterteil. Doch die Last stellt sich glücklicherweise als – buchstäblich – tragbar heraus.

Tunnelblick durch
den Schnabel

„Hast du jemanden, der dich begleitet ? Es sollte immer jemand nach dir schauen !“, gab Mike Feldmeier mir als Ratschlag mit auf den Weg – und auch seitens der Gartenschau-Organisatoren wurde diese Mahnung mehr als einmal ausgesprochen. Nach den ersten Metern weiß ich, warum: Durch einen schmalen Schlitz hat man den wortwörtlichen Tunnelblick; dazu noch verschleiert durch ein schwarzes Netz. Schließlich sollen die Betrachter den Menschen hinter der Ente nicht erkennen. Viel sieht man durch die beiden Schnabelhälften hindurch wirklich nicht.

Und vor allem sieht man nicht, was sich einen oder eineinhalb Meter vor einem auf dem Boden abspielt. Das könnte ruck, zuck gefährlich werden, denn taucht plötzlich ein Kleinkind vor Enzle auf, würde es im schlechtesten Fall überrollt. „Hast du eigentlich Maren Recken gesehen, als sie vor dir gekniet ist, um deine Enzle-Füße zu filmen ?“, fragt die Praktikantin Carla Tiedt, die als Begleitperson fungiert, nach dem Abenteuer.
Ehrliche Antwort: Nein, gesehen hab’ ich nichts. Offenbar hat unsere Kamerafrau das in dieser Situation realisiert und ist schnell zur Seite geflitzt. Auch davon habe ich nichts mitbekommen.

Das ist ein weiterer Punkt: Man kann im Kostüm weder nach rechts noch nach links blicken. Ein Beispiel: Ich bin der festen Überzeugung, das Ende des barrierefreien Abgangs vom Mühlehof bereits erreicht zu haben, um mich ins Weihnachtsmarkt-Getümmel stürzen zu können – aber weit gefehlt ! Ohne meine treue Begleiterin wäre ich wohl schon nach den ersten Metern über einen Absatz gestolpert und hätte auf dem Schnabel gelegen.

Auch unterwegs zwischen den Buden erweist sich die Eskorte als absolut notwendig: Was links und rechts und dahinter los ist, bekomm’ ich nicht mit. Wird hinter meinem Bürzel nach Enzle verlangt, kommt es mir vor, als wäre der Rufer ganz weit weg. Die Richtung der Ansprache einzuordnen, fällt mir ausgesprochen schwer.
Dabei habe ich den Eindruck, dass genau das wichtig ist als Enzle. Schließlich erlebe ich schon nach wenigen Minuten, wie beliebt die Figur ist. Da und dort werden Handys gezückt, viele wollen Bilder gemeinsam mit mir machen oder winken Enzle freundlich zu. Das zeigt, dass das Maskottchen in Mühlacker ankommt.

Ein weiterer Beweis dafür ist, dass die Entenfigur auch auf dem Weihnachtsmarkt immer wieder auftaucht – etwa als Bild im Glühweinwagen des „Scharfen Ecks“.
Volle Konzentration ist gefragt, denn auch das Gehen – falls man es so nennen darf – stellt sich als Frage der Übung heraus. Dank der überdimensionalen Watschelfüße habe ich mehrfach das Gefühl, mir selbst im Weg und vor allem auf meinen eigenen Tretern zu stehen. Entsprechend geht es nur langsam Stück für Stück voran – keinesfalls vergleichbar mit meiner normalen Schrittgeschwindigkeit. Es ist eben doch kein Gehen, sondern ein Watscheln. Soll es ja auch sein – und mit den breiten Tretern ist ein elegantes Dahinschreiten gar nicht drin. Mit der entsprechenden Sorgfalt klappt es aber immerhin, ein Bein vor das andere zu setzen.

Welche Geste
kommt wie an ?

Die Sache mit dem Multitasking, also dem Talent, auf mehrere Sachen gleichzeitig zu achten, ist tatsächlich eine echte Herausforderung: Während ich mich bemühe, sicher zu watscheln und zuzuhören, wenn einer was sagt, soll ich dazu noch mit den Enzle-Flügeln gestikulieren. Die stellen sich als regelrechte Pranken heraus und sind keineswegs leicht zu handhaben. Außerdem ist es von drinnen absolut unmöglich einzuschätzen, wie die einzelnen Gesten – also winken, den Daumen hoch oder die Hände an den Bauch oder den Schnabel legen – von außen wirken. Da bin ich dann selbst auf unser Video gespannt.

Riesenspaß gemacht hat es trotzdem, denn es mag zwar anstrengend sein, aber auf eine schöne Art und Weise. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die Enzles nach mir noch viele tolle Erfahrungen machen und eine Menge positiver Reaktionen ernten werden. Und wenn das so ist, hat man als Maskottchen nicht alles falsch gemacht . . .

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