Vom Patienten „Enzkreis-Kliniken“

Professor Jörg Martin, Chef der Regionalen Kliniken Holding, stellt Pläne für die Zukunft vor

Von Ramona Deeg Erstellt: 15. Dezember 2015, 00:00 Uhr
Vom Patienten „Enzkreis-Kliniken“ Der Weg zu den Enzkreis-Kliniken ist ausgeschildert. Doch welche Richtung schlagen die Krankenhäuser selbst ein? Foto: Huber

Mühlacker/Pforzheim. „Wir sind auf einem ganz guten Weg“, so lautet die Kernaussage von Professor Jörg Martin, wenn er von der sich über drei Landkreise erstreckenden Regionalen Kliniken Holding (RKH) im Allgemeinen und den dazugehörigen Enzkreis-Kliniken im Speziellen spricht. Doch er sagt auch: „2016 wird ein schweres Jahr.“ Doch Jammern helfe nicht weiter. Stattdessen sollen im kommenden Jahr einige Neuerungen umgesetzt werden, die dann in den Folgejahren – so die Hoffnung der Kliniken-Leitung – Früchte tragen und zu einer Verbesserung der finanziellen Situation beitragen.

Bei den finanziellen Zukunftsprognosen wurde eine Veränderung bisher noch nicht berücksichtigt: Am Freitag schließt das Vaihinger Krankenhaus seine Pforten und wird in eine Tagesklinik umgewandelt (wir berichteten). Ein Teil der Patienten, die bislang stationär in Vaihingen aufgenommen worden wären, werden künftig in Mühlacker behandelt. Wie viele das sind und wie sich das dann finanziell entwickelt, möchte man abwarten.

Binnen kürzester Zeit sehr gut etabliert hätte sich das neue Gelenkzentrum am Krankenhaus Neuenbürg, dem mit Professor Stefan Sell ein Spezialist mit überregionalem Ruf vorsteht. „Im Januar und Februar sind die OP-Termine schon weitestgehend ausgebucht“, macht Martin deutlich. Auch die Infoveranstaltungen vor Ort würden sehr gut angenommen. Ebenfalls „hervorragend angenommen“ würden die neuen Ärzte am Krankenhaus Mühlacker: Dr. Stefan Pfeiffer und Dr.Christoph Bach. Auch der neue Regionaldirektor, Dominik Nusser, würde, nachdem er die Kliniken-Holding kennengelernt hat, sein Aufgabengebiet von Professor Martin übernehmen. Zum Jahreswechsel kommt mit Romann Dettmann zudem ein neuer Geriatrischer Chefarzt, und auch der Nachfolger des scheidenden Chefs der Chirurgie, Dr. Erhard Kirschbaum, solle möglichst noch im ersten Quartal des neuen Jahres seinen Dienst antreten. „Personelle Veränderungen sind immer auch Chancen“, so Professor Martin. Doch nicht nur neue Chefärzte, sondern auch konkrete Projekte sollen zur Stabilisierung der Krankenhaussituation beitragen. Ganz konkret etwa soll mit dem Start der Teleradiologie ein Projekt umgesetzt werden, das schon seit einiger Zeit verfolgt wird. Dabei geht es darum, dass auch außerhalb der Kernzeiten Aufnahme und Befunde zeitnah von Fachärzten bewertet werden können, die dafür nicht vor Ort sein müssen, sondern sich die notwendigen Aufnahmen kurzerhand in ihrem Krankenhaus auf den Bildschirm rufen können. „Technisch ist das gar kein Problem“, so Martin. Allerdings seien andere Hürden sehr hoch: Ein Radiologe müsste binnen einer halben Stunde beim Patienten sein können. Im Januar wolle man nun beim Regierungspräsidium den Antrag stellen, diese Teleradiologie für Bruchsal und Mühlacker einführen zu dürfen. Neben der Ferndiagnose in radiologischen Fragen soll es Holdingweit auch eine generelle Telemedizin geben, deren Start 2016 geplant ist. Mittelpunkt solle dabei das Hightech-Krankenhaus in Ludwigsburg sein. Per Übertragung könnten dann auch Ärzte aus Ludwigsburg beispielsweise auf die Intensivstation nach Mühlacker zugeschaltet werden, um bei einer Visite mitzureden oder eine Ferndiagnose zu stellen. Zudem sollen ein Ethikkomitee und ein Palliativkonsil eingeführt werden.

Auch als Arbeitgeber will sich die RKH neu positionieren, denn „der Kampf um das beste Fachpersonal hat begonnen“, so Professor Martin. Mit einem medizinischen Simulationszentrum will man sich im südwestdeutschen Raum einen Namen machen und damit auch in puncto Aus- und Fortbildung neue Angebote schaffen.

Diese Vorhaben kosten Geld. „Es ist im medizinischen Sektor wie überall auch: Man muss erst investieren, um danach etwas ernten zu können“, so Axel Hechenberger, der kaufmännische Direktor. Allerdings ist es auch mit Blick in die Zukunft wohl so, dass man trotz Erlössteigerungen die voraussichtliche Kostensteigerung durch Tarife, Sachkosten und neue Leistungen nicht ganz auffangen könne. Um diese Schere zu schließen, bedarf es weiterer Optimierungen und Einsparungen, die durch Zentralisationen, etwa einen gemeinsamen Einkauf, in der Holding stellenweise erreicht werden könnte. Dennoch sieht der Plan bis 2018 einen Zuschussbedarf von jährlich 4,5 bis fünf Millionen Euro vor. Ab 2019, so der Plan, könne sich dieser Bedarf auf 3,5 Millionen Euro reduzieren. Nicht eingerechnet ist dabei der Hoffnungsträger „Gelenkzentrum“ und die Effekte durch Patienten aus Vaihingen.

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