Viele Baulücken sind nicht verfügbar

Mühlacker Planungsamt legt aktuellen Bericht vor – Niedrige Sparzinsen wirken sich aus

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 23. Januar 2019, 00:00 Uhr

Mühlacker. Um die Nachfrage nach Bauland zu befriedigen, weist die Stadt Mühlacker immer wieder Baugebiete aus. Auf der anderen Seite gibt es in der Gesamtstadt Baulücken in der Größe des halben Ziegeleiareals. Sie stehen dem Markt jedoch nicht zur Verfügung.

In Mühlacker und seinen Stadtteilen gibt es Stand Dezember 2018 genau 224 private Baulücken, die nicht verfügbar sind. Im Vergleich zum Vorjahr sei diese Zahl unverändert geblieben, so Planungsamtsleiter Armin Dauner in seinem Bericht über den aktuellen Stand.

Der Amtschef lieferte in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik die Begründung gleich nach: „Die Tatsache, dass der überwiegende Teil des Bauflächenpotenzials auf dem Markt nicht verfügbar ist, hängt sicherlich mit den derzeit niedrigen Sparzinsen zusammen.“ Wenn Baugebietsausweisungen nicht mit Bauverpflichtungen einhergingen, sei das Risiko groß, dass sie nicht der Eigenentwicklung des Stadtteils und der Ansiedlung von Neubürgern, sondern der Geldanlage dienen. In Mühlacker bestehe bei neu ausgewiesenen Bauplätzen eine Verpflichtung, innerhalb von fünf Jahren zu bauen. Ein Hebel, der hier weiter angesetzt werden könnte, wäre die Einführung der Grundsteuer C für bebaubare, aber nicht bebaute Grundstücke im Rahmen der Reform des Grundsteuerrechts. Aber auch hier wäre eine reale Wirkung abzuwarten.

Den 224 nicht verfügbaren Baulücken, von denen 25 als Hausgarten genutzt werden, stehen genau eine städtische und eine private auf dem Markt verfügbare Baulücke gegenüber. „Rund 200 Einheiten sind eine Menge. Die halbe Ziegelei, das ist ärgerlich“, so der Amtsleiter.

Bewegung gab es 2018 bei den neu ausgewiesenen Baugebieten. Im Dezember existierten laut Dauner 57 Bauplätze. Vier lagen in Lomersheim (Auwiese), 40 in Großglattbach (Pforzheimer Weg), zwölf in Dürrmenz (Sommerberg) und einer in der Kernstadt (Aischbühl Ost). Gerade die Zahl der freien Plätze in den Baugebieten Obere Au in Lomersheim (sieben in 2017) und Pforzheimer Weg in Großglattbach (55 in 2017) sei erheblich weniger geworden. Dauner rechnet auch für 2019 mit weiterer Bebauung. Das Bauinteresse sei nach wie vor hoch, eine Baulandknappheit führe zu steigenden Preisen. „Während praktisch alle städtisch und privat veröffentlichten Baugrundstücke vom Markt förmlich aufgesogen werden, gab es bei den nicht veröffentlichten Baulücken keine Bewegung“, fasst Dauner in seinem Bericht zusammen.

„Es ist schmerzlich, wenn es so viele freie Flächen gibt“, meinte CDU-Stadtrat Theo Bellon und dachte an einen Aufruf in Enzberg. Auch sein Fraktionskollege Wolfgang Schreiber kannte das Problem und sprach von „Enkelbauplätzen“. Das Bauen dürfe nicht zu teuer sein, gab er zu bedenken und räumte ein, dass man ein leerstehendes Haus auch vermieten könne. Innenverdichtung sei auch in Mühlhausen ein Thema. Wichtig seien zudem eine Umnutzung und der Bau barrierefreier Wohnungen für Senioren. „Wie können wir Wohnraum schaffen, der schon erschlossen ist?“, fragte sich LMU-Sprecher Klemens Köberle. Auch viele Häuser gingen nicht an den Markt, was sich ändere, sobald die Zinsen anziehen. 30 bis 40 Plätze würden umgehend weggehen, sobald die Zinsen steigen, stimmte FW-Chef Rolf Leo zu. Er widersprach dem Eindruck, in Mühlacker seien die Baulandpreise stark gestiegen. Tatsächlich gebe es, so Oberbürgermeister Frank Schneider, einen Anstieg um 30 Prozent. Im Vergleich zum Umland habe Mühlacker aber noch „moderate Preise“.

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