Verschönerungsverein Mühlacker feiert 125-jähriges Bestehen

Verschönerungsverein Mühlacker blickt auf seine 125-jährige Geschichte zurück – Albrecht Münzmay zum Ehrenvorsitzenden ernannt

Von Eva Filitz Erstellt: 4. Oktober 2017, 00:00 Uhr
Verschönerungsverein Mühlacker feiert 125-jähriges Bestehen OB Frank Schneider und Landrat-Vize Wolfgang Herz (3.und 4.v.li.) zählen zu den Gästen der unter anderen von der jungen Geigerin Marie Scheffel (Bild oben) musikalisch umrahmten Matinee. Im Anschluss wird eine Fotodokumentation im Rathaus eröffnet, die einen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten des Verschönerungsvereins ermöglicht. Foto: Filitz

Mit einer Matinee in der Historischen Kelter in Mühlacker hat der Verschönerungsverein sein 125-jähriges Bestehen gefeiert. Albrecht Münzmay wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Mühlacker. Mit der Kelter diente an diesem Dienstag ein gepflegtes Kleinod als Veranstaltungsraum. Wie mag sie 1892 ausgesehen haben, als der Verschönerungsverein Mühlacker aus der Taufe gehoben wurde? Wie mag sich der Ort insgesamt präsentiert haben? Zweckmäßig, aber kaum ein schönes Fleckchen? Die hat zu einem großen Teil der Verschönerungsverein geschaffen, denn die Liste der Projekte und Aktionen, die die Mitglieder in den vergangenen Jahrzehnten auf die Beine gestellt haben, ist lang.

Der Höhepunkt der Jubiläumsmatinee war die Ernennung von Albrecht Münzmay zum Ehrenvorsitzenden des Vereins. Der Mühlacker Oberbürgermeister Frank Schneider dankte dem langjährigen Vorsitzenden mit sehr persönlichen Worten für 32 Jahre Vorstandsarbeit zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger. „Sie haben stets ohne großes Tamtam mit ruhiger Hand Dinge angestoßen und vorangebracht. Sei es zum Beispiel der Ostereiermarkt in der Kelter gewesen oder ihre Erfolge beim Sammeln von Spendengeldern bis aus Amerika und Australien.“ Und der jetzige Vereinsvorsitzende Veit Kibele sagte: „Sie haben sich immer dafür eingesetzt, dass unsere Stadt lebens- und liebenswerter wurde, und blieben dabei selbst gern bescheiden im Hintergrund.“ Worte des Lobes und des Dankens an den Vereinsvorsitzenden und die Vereinsmitglieder, die alle ehrenamtlich tätig sind, richtete neben OB Schneider auch der Erste Landesbeamte Wolfgang Herz. Beide Herren hatten dem Verein zusätzlich einen kleinen Umschlag mitgebracht. Für eine musikalisch bereichernde Umrahmung auf hohem Niveau sorgten die erst siebenjährige Geigerin Marie Scheffel, begleitet von Elena Zimmer am Klavier, und Tigran Harutyunyan, Violine, mit der Meditation aus „Thais“ von Jules Massenet.

Veit Kibele nahm die Besucher auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Vereins mit. Vor 125 Jahren verankerten die Gründer ihre Ziele in einer Satzung, die auch heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. „Damals wie heute gilt es, Heimatverbundenheit zu stärken und zu pflegen durch die Verschönerung des Landschaftsbildes“, sagte Kibele und listete als weitere Ziele die Erhaltung von Kulturgütern, die Förderung der Umwelt und des Naturschutzes sowie die Unterstützung von Kunst und Kultur auf. Eine Fotoausstellung im Rathausfoyer werde zur Überraschung vieler zeigen, wie sehr der Verschönerungsverein das Stadtbild mitgestaltet habe. Ironie des Schicksals sei es, dass es die „gute Stube“ Kelter ohne Kämpfer für den Erhalt der alten Bausubstanz in der Stadt gar nicht mehr geben würde. Die Abrissgenehmigung sei schon erteilt gewesen, als zahlreiche Bürger den Aufstand geprobt hätten, blickte der Vorsitzende zurück.

In Pforzheim tätig, schien Wolfgang Herz nicht ganz so vertraut mit der Geschichte der Großen Kreisstadt und fragte scherzhaft: „Aber wer macht denn so etwas, solch ein Bauwerk abreißen? Hatte denn hier niemand Verständnis für die Juwelen der Stadt?“ Völlig ernst gemeint war indes seine Einordnung der über die Stadtgrenzen hinaus bedeutsamen Arbeit des Vereins. Schließlich könne diese als Ausdruck aktiven Bürgerengagements und praktizierten Bürgersinns gelten. „Das Flaggschiff der Aktivitäten ist die Burgruine Löffelstelz, die nach aufwendiger Sanierung mit zeitgemäßen Veranstaltungen die Bürger anlockt und neugierig macht“, sagte Wolfgang Herz.

Sanierung war das Stichwort für den Bauhistoriker Gerd Schäfer, dessen Handschrift bei der umfangreichen Restaurierung des alten Gemäuers nachhaltige Spuren hinterlassen hat. Anschaulich und sehr detailliert schilderte er das Werden, Vergehen und das Wiedererwecken der Burg zu neuem Leben durch wiederholte amtliche Baumaßnahmen, die große Unterstützung durch den Verschönerungsverein oder die „Scherbabutzer“ erfahren hätten. Zahlreiche Funde, datiert bis zurück ins 15. Jahrhundert, bereicherten seither das Heimatmuseum. Auch ein Gespenst solle ja bekanntlich noch durchs alte Gemäuer spuken. „Möge der Burggeist freundlich über dem Verein und der Burg und auch der Stadt Mühlacker wachen. Alles Gute“, hatte zuvor Wolfgang Herz gewünscht.

 

Die Fotodokumentation „125 Jahre Verschönerungsverein Mühlacker“ ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen. Sie endet am Tag der OB-Wahl, 22. Oktober, und ist an diesem Sonntag ebenfalls zugänglich.

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