Uferpflege dient Schutz vor Hochwasser

An der Enz in Mühlacker stehen Pflegemaßnahmen an – Beim Schmiebach in Lienzingen sind auch Gartenbesitzer gefordert

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 11. Februar 2019, 00:00 Uhr
Uferpflege dient Schutz vor Hochwasser Petra Herrling vom Umwelt- und Tiefbauamt zeigt, wie hoch die Büsche auf der Insel beim Waldensersteg gewachsen sind. Sie werden in den kommenden Wochen zurückgeschnitten. Fotos: Stahlfeld

Hochwasserschutz, ökologisch wertvoller Lebensraum für Flora und Fauna, Naherholungsraum für die Bürger: Das Enzufer entlang des Gartenschaugeländes muss vielen Anforderungen gerecht werden. Die sind bei der Gehölzpflege zu beachten. Beim Schmiebach in Lienzingen ist das kaum anders.

Bereits begonnen haben die Pflegemaßnahmen am Schmiebach in Lienzingen.Bereits begonnen haben die Pflegemaßnahmen am Schmiebach in Lienzingen.

Mühlacker. Zwar findet man am Ufer des Schmiebachs in Lienzingen vermutlich weniger Spaziergänger als an der Enz. Den Punkten Natur- und Hochwasserschutz muss hier aber bei der aktuell durchgeführten Gehölzpflege nicht weniger Rechnung getragen werden.

Da es sich beim Schmiebach um ein Gewässer zweiter Ordnung handelt, ist die Stadt Mühlacker für die Uferpflege verantwortlich. Die aktuellen Maßnahmen ortsauswärts in Richtung Illingen waren bei einer Begehung mit Angelika Groß vom Umweltamt des Landratsamts Enzkreis und Thomas Köberle vom Landschaftserhaltungsverband Enzkreis abgestimmt worden.

Weil es im Schmiebach sogenannte Bachmuscheln gibt, erhält das Gewässer zum Beispiel mehr Licht. „Sonne und Schatten sollen sich abwechseln“, erläutert Petra Herrling, die beim Umwelt- und Tiefbauamt der Stadt Mühlacker in der Abteilung Grünflächen arbeitet.

Zugleich habe man das Abflussvermögen bei Hochwasser und Starkregen im Auge. Dabei ist aber nicht nur der Uferbewuchs von Bedeutung. Gartenbesitzer, so Petra Herrling, sollten ihren Kompost oder Holzstapel nicht unmittelbar am Fluss platzieren: „In den Gewässerrandstreifen darf nichts rein, das mitgenommen werden kann.“

Vor allem im Frühjahr, wenn die Schneeschmelze beginne, sollten Gartenbesitzer aus Gründen des Hochwasserschutzes alles wegräumen, was vom Wasser mitgenommen werden könnte und dann den Abfluss erschwere oder verhindere. Wie Herrling betont, würden in Lienzingen die Kopfweiden nur heruntergeschnitten. Die Weiden seien als Kulturgut aber auch wegen ihres hohen Totholzanteils, einem Rückzugsort für Insekten und Käfer, erhaltenswert.

Die Pflegemaßnahmen an den Flussufern sind unter anderem mit Rücksicht auf brütende Vögel nur von Oktober bis Februar möglich. Voraussichtlich in der kommenden Woche werden die Arbeiten an der Enz begonnen. Da die Enz ein Gewässer erster Ordnung ist, werden diese vom Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium Stuttgart durchgeführt.

„Die Pflegemaßnahmen dienen dem Erhalt des Abflussquerschnittes und somit dem Hochwasserschutz. Wird der Bewuchs zu dicht, dann erhöht sich im Hochwasserfall der Wasserspiegel, es kann eher zu Überschwemmungen kommen“, erklärt der für die Enz zuständige Flussmeister im Regierungspräsidium Stuttgart, Heiko Lehmann, gegenüber unserer Zeitung.

Konkret sollen ab nächster Woche die Büsche auf der Insel unmittelbar beim Waldensersteg zurückgeschnitten werden. „Am Rand gibt es Fremdgehölze wie die Korkenzieherhasel, die entfernt wird“, kündigt Petra Herrling weiter an und fügt hinzu, dass in einem Abwägungsprozess neben dem Hochwasserschutz auch der Naturschutz nicht zu kurz kommt.

Versteckmöglichkeiten für Kleinlebewesen und Fische müssten erhalten bleiben. Ebenso der eine oder andere Baum, der in das Wasser rage und Schatten spende. Ein entsprechender Pflegeplan sei beauftragt, aber nicht fertig.

Auch sollen Besucher weiterhin das Gelände genießen können. ›So setzte sich die Stadt zum Beispiel dafür ein, dass es Wege ins Enzvorland gibt. Mit Hilfe vorgegebener Pfade könne man zudem die Besucherströme lenken. „Es handelt sich um ein Parkgelände, das sollte nicht zuwuchern“, macht die Mühlacker Grünflächenexpertin Petra Herrling deutlich, dass so zum Beispiel auch der Blick von einer Seite der Enz auf die andere an manchen Stellen möglich sein sollte.

Neben den Pflegemaßnahmen finden im Februar zwei Gewässerschauen statt, zu denen die Bevölkerung eingeladen ist. Am 20. Februar geht es in das Lienzinger Scherbenbachtal. Treffpunkt ist um 9 Uhr an der Lienzinger Kelter. Am 27. Februar ist der Schlupfgraben in Enzberg das Ziel. Treffpunkt ist um 9 Uhr am Parkplatz beim Enzberger Friedhof.

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