Taxiunternehmer fahren auf E-Autos ab

Kurt Leutgeb und Athanasios Mylonas haben Stromer in ihren Flotten – Infrastruktur bei Ladestationen ist verbesserungswürdig

Von Frank Goertz Erstellt: 20. Mai 2016, 00:00 Uhr
Taxiunternehmer fahren auf E-Autos ab Stromer im Taxibetrieb: Die Unternehmer Kurt Leutgeb (li.) und Athanasios Mylonas haben in ihren Flotten zwei reine E-Mobile laufen. Foto: Goertz

Die Taxiunternehmer Kurt Leutgeb und Athanasios Mylonas sind Vorreiter in Sachen Elektromobilität. In ihren Fuhrparks setzen sie jeweils einen Stromer von Nissan ein – und haben gute Erfahrungen mit dem alternativen Antriebskonzept im Taxibetrieb gemacht. Nur die Infrastruktur bei den Ladestationen sei noch verbesserungswürdig.

Mühlacker. Lautlos rollt Kurt Leutgeb mit seinem 7-Sitzer Nissan vom Taxistand. Der Akku ist voll, die Reichweite beträgt – je nach äußeren Bedingungen – etwa 80 bis 120 Kilometer. „Der Stromer sorgt für Gesprächsstoff mit den Fahrgästen“, erzählt Leutgeb. „Viele sind angenehm überrascht von dem Fahrgefühl.“ Die Fahrleistungen des 1,6 Tonnen schweren Stromers mit 109 PS seien in der Stadt und auf der Landstraße absolut überzeugend, weil das Drehmoment sofort anliege, berichtet Leutgeb. Allerdings haben er und sein Kollege Athanasios Mylonas von der Taxizentrale Mühlacker einen großen Wunsch: „Wenn sich das Thema E-Mobilität auf breiter Front durchsetzen soll, muss vor allem in die Infrastruktur der Ladestationen investiert werden.“ Ihr Problem: Es gebe in der Region noch viel zu wenig leistungsfähige Schnellladestationen, bei denen die Akkus in einer halben Stunde zu 80 Prozent aufgeladen werden können.

„An einer solchen Ladestation können unsere Fahrer eine Pause machen, und der Akku ist wieder voll“, erklärt Leutgeb. Aber momentan gebe es in der Region nur bei Nissan Walter in Pforzheim eine der superschnellen Stationen mit 44 kw Leistung. Ein weiteres Problem: Bei der Systemtechnik für die Schnellladung herrscht noch ein ziemliches Durcheinander auf dem Markt. Während die Japaner auf das Chademo-System zur Schnellladung setzen, favorisiert die EU mit ihren Förderprogrammen andere Lösungen.

Auf dem Markt der Ladestationen tummeln sich derzeit verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Systemen. Lademöglichkeiten bieten in Mühlacker unter anderem auch die Sparkasse in ihrem Parkhaus an der Hindenburgstraße und die Stadtwerke Mühlacker an der Danziger Straße. „Wir wollen unsere Infrastruktur bei den Ladestationen ausbauen“, verspricht Stadtwerke-Geschäftsführer Jürgen Meeh. So sei unter anderem geplant, die Ladestation, mit der während der Gartenschau die E-Shuttleautos in Dürrmenz mit Strom versorgt wurden, an der Bahnhofstraße in der Nähe des Badischen Bahnhofs zu installieren. Auch in der Tiefgarage unter dem Rathaus sei eine Schnellladestation geplant.

„Schnell ist nicht gleich schnell“, gibt Günter Bächle zu bedenken. Der Sprecher der CDU-Gemeinderatsfraktion weiß, wovon er spricht, denn seit einigen Monaten stromert er selbst mit einem Nissan Leaf durch die Region. „Als Schnellladestation werden auch die Stationen bezeichnet, die die Akkus in drei bis vier Stunden aufladen“, berichtet Bächle. Das sei zwar attraktiv, wenn man beispielsweise für längere Besorgungen oder Sitzungen sein Auto in der Stadt abstelle, den Taxiunternehmern oder allen E-Mobilisten, die darauf angewiesen seien, dass ihre Akkus in einer halben Stunde aufgeladen sind, sei damit aber nicht geholfen. Deshalb habe die CDU-Fraktion einen Antrag gestellt, die Infrastruktur für Elektromobilität in Mühlacker auszubauen. „Dabei sollten auch Stationen eingerichtet werden, an denen die Autos in weniger als einer Stunde aufgeladen werden“, fordert Bächle.

Dass die Infrastruktur bei den Ladestationen in der Region ausbaufähig ist, findet auch der SPD-Politiker Thomas Knapp, der ein großer Verfechter der E-Mobilität ist. „Eine Ladestation in der Nähe des Bahnhofs wäre natürlich ideal“, sagt der Unternehmer, in dessen Firmenflotte einige E-Mobile laufen. Generell sei er aber der Meinung, dass die Schnellladestationen vor allem entlang der Bundesstraßen und Autobahnen ausgebaut werden müssten, um das Reichweitenproblem der Stromer auszugleichen. Der kalifornische E-Pionier Tesla mit seinen Supercharger-Stationen sei hier vorbildgebend.

Ungeachtet der Diskussion um die Infrastruktur findet Knapp, dass die in dieser Woche beschlossene Förderung von E-Autos in die richtige Richtung gehe. Nur warum Hybrid-Modelle ebenfalls gefördert werden, verstehe er nicht. „Die Reichweite ihrer Akkus liegt oft unter 30 Kilometer. Das heißt: Diese Modelle fahren fast immer mit dem Verbrennungsmotor.“ Die Förderung für Hybridautos hätte die Regierung besser in den Pool für echte E-Mobile gesteckt, so Knapp.

Die Taxiunternehmer Kurt Leutgeb und Athanasios Mylonas profitieren übrigens nicht von den Zuschüssen. „Wir haben unsere Autos geleast“, erzählen sie. Da die Leasinggesellschaft an ein Forschungsprojekt gekoppelt sei, habe es recht attraktive Konditionen gegeben. Trotzdem: Aus unternehmerischer Sicht seien die E-Taxis noch kein allzu großer Gewinn, lassen Mylonas und Leutgeb durchblicken. Unter anderem würden die derzeit günstigen Dieselpreise in der Gesamtrechnung im Vergleich mit den E-Mobilen den Stromern die Bilanz verhageln. „Nach drei Jahren wird abgerechnet. Und dann sehen wir, ob sich die E-Mobile gelohnt haben oder nicht“, sagt Mylonas, der in seiner Flotte bei der Taxizentrale neben dem Stromer noch 19 Dieselfahrzeuge laufen hat. „An der Technik selbst kommen wir aber nicht vorbei“, findet Leutgeb und zählt die Vorteile im Taxibetrieb auf: „E-Autos haben keine Warmlaufphase. Die Heizung liefert – anders als bei Autos mit Dieselmotoren – von der ersten Sekunde an kuschelige Wärme.“ Und in Zeiten der Diskussion über Feinstaub und Fahrverbote in Stuttgart seien E-Autos die passende Antwort. Allerdings: „Die Hersteller müssen an der Reichweite ihrer Akkus arbeiten. 200 bis 300 Kilometer wären ideal“, finden Mylonas und Leutgeb.

Frank Goertz

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