Straßenfest: Erfolgsstory mit Problemen

Besuchermagnet in Mühlacker leidet unter Helfermangel – Stimmen nach mehr Engagement der Stadt werden laut

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 10. September 2018, 00:00 Uhr
Straßenfest: Erfolgsstory mit Problemen Tausende Menschen strömen zur 45. Auflage des Mühlacker Straßenfestes. An Zuspruch mangelt es also nicht, nur Helfer, die sich engagieren, sind in den Vereinen rar. Fotos: Stahlfeld

Manch einer, wie zum Beispiel Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider, mag das Wort schon gar nicht mehr bemühen: „Das Dürrmenzer Festwetter“ macht eben manchen sprachlos. Und so war es auch der 45. Auflage des Mühlacker Straßenfestes treu und ließ am Wochenende die Menschen strömen.

Mühlacker. Rund 8000 Menschen haben allein am Samstag das Straßenfest besucht, und auch am Sonntag strömten die Menschen in Scharen, so dass Straßenfest-Organisator Jochen Schray eine erste positive Bilanz zog. Er hatte sich an den Ständen umgehört und bei den Vereinen sei man „hochzufrieden“. Manche seien Samstagabend schon gegen 22 Uhr ausverkauft gewesen. Das zeige, so Schray, dass das Format Straßenfest weiterhin gut ankomme: „Es gefällt den Leuten.“ Das große Problem aber seien die fehlenden Helfer, legte Schray den Finger in die Wunde.

Wie Oberbürgermeister Frank Schneider bei der offiziellen Eröffnung des Fests im Zelt des Musikvereins Mühlacker betonte, habe sich Jochen Schray einen besonderen Applaus verdient. Seit 19 Jahren laufen bei ihm als dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Vereinsvorstände die Fäden zusammen. Schon seit Donnerstag war Schray nonstop im Einsatz gewesen, bis am Samstag mit dem traditionellen Fassanstich das Fest eröffnet werden konnte.

Tradition hat auch der Besuch von Ehrengästen bei der vom Sender Brass Quintett musikalisch begleiteten Eröffnungsfeier. Besonders freute sich OB Schneider die beiden Ehrenbürger von Mühlacker und Urgesteine der Partnerschaft, den Alt-OB Gerhard Knapp und Senatore Pietro Fabris aus Bassano, begrüßen zu dürfen.

Ebenfalls aus Bassano waren neun Alpini (Gebirgsjäger) angereist, die kurzfristig die Bewirtung am Bassano-Stand übernommen hatten. Die Gäste aus Italien wurden wie seit 25 Jahren vom ASV Mühlacker verköstigt, unterstützt durch die Deutsch-Italienische-Gesellschaft.

Die Politik vertraten aus dem Bundestag Gunther Krichbaum (CDU) und Katja Mast (SPD) sowie als Vertreter des Landtags Stefanie Seemann (Grüne) und die FDP-Abgeordneten Dr. Hans-Ulrich Rülke und Professor Dr. Erik Schweickert.

„Hier in Mühlacker wird Freundschaft gelebt“, betonten Schneider und Bürgermeister Riccardo Poletto aus Bassano sowie Klaus Hübschmann, Beigeordneter aus Schmölln, gemeinsam den europäischen beziehungsweise internationalen Charakter des Straßenfestes.

Die Gebirgsjäger erinnerten an Zeiten, als die Völker sich kriegerisch gegenüberstanden, übersetzte Maren Recken, Vorsitzende vom Verein für Städtepartnerschaften, die Rede von Riccardo Poletto. Das Fest sei eine Möglichkeit zur Völkerverständigung, so der italienische Bürgermeister weiter. Klaus Hübschmann, erster Beigeordneter aus der Partnerstadt Schmölln, war mit Bildern aus seiner Heimatstadt gekommen, die ab dem 15. September bei einer Ausstellung in der Pauluskirche von Mühlacker zu sehen sind.

Jochen Schray hatte es sich nicht nehmen lassen, vor dem 45. Straßenfest in alten Zeitungen zu stöbern. Damals nahmen 35 Vereine teil, in der Spitze waren es sogar bis zu 70. „Leider haben wir nur einen Verein, der 45-mal dabei war“, sagte Schray und zitierte aus einem Zeitungsartikel, dass die Mitglieder der DLRG bereits 1974 die „Badehose gegen die Kochmütze tauschten“.

Felix Heilmann, Moritz Speidel, Leon Guban, Sven Geißler und rund 40 weitere Helfer taten dies in diesem Jahr erneut. Mit kleinen Unterschieden: Die DLRG-Waffel heißt nach 45 Jahren und Generationen von begeisterten Essern längst Kult-Waffel, und das Festzelt ist in all den Jahren etwas kleiner geworden. Denn auch bei der DLRG sind die Helfer rar. Und so habe man gelegentlich auch schon mit dem Gedanken gespielt, die Teilnahme auszusetzen, sagte Hans Bühler, der seit 41 Jahren bei der DLRG ist: „Aber es gehört einfach dazu, dabei zu sein.“

Das dachte sich auch der Opel Club Flying Devils, der nach einem Jahr Pause wieder einen Stand aufgebaut hatte. Und auch die Enztalfischer gehörten unter den „Wiedereinsteigern“ unter den 29 Vereinen. Ganz groß gingen es in diesem Jahr die Mitglieder vom Jugendraum Großglattbach an. Sie stellten nach Jahren wieder ihr Hardrock-Zelt auf.

Dennoch klafften Lücken. Um diese zu schließen, habe man Schausteller mit ins Boot genommen, so Schray, der in seiner Ansprache auch nachdenkliche Töne anschlug: „Es wird immer schwieriger das Fest zu organisieren.“ Das Problem sei das Ehrenamt im Verein.

Das Fest dürfe nicht sterben, betonte Schray im Festzelt, während draußen an den Stehtischen bereits über Lösungen diskutiert wurde. So hieß es unter anderem, dass sich die Stadt stärker engagieren müsse, schließlich sei das Vereinsfest auch ein Aushängeschild für ganz Mühlacker. Festbesucher Peter Fischer konnte sich vorstellen, dass das Konzept überdacht wird und die Stände konzentrierter stehen. Ein Besuch allerdings steht für ihn außer Frage: „Wenn man aus Dürrmenz ist, dann ist es Pflicht.“ Auch honoriere man so die Arbeit der Vereine beim Straßenfest.

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