Stadt prüft Möglichkeiten für den Sender

Verwaltungsausschuss des Gemeinderats beauftragt Rathausspitze mit weiteren Verhandlungen – „Keine Übernahme um jeden Preis“

Von Thomas Eier Erstellt: 2. Oktober 2019, 00:00 Uhr
Stadt prüft Möglichkeiten für den Sender Götterdämmerung, was die Zukunft des Sendermasts betrifft, oder Silberstreif am Horizont? Noch sind, was einen möglichen Kauf durch die Stadt betrifft, etliche Fragen offen.Leserfoto: Christian Hauska

Die Stadt wird, was eine mögliche Übernahme des Senders betrifft, weitere Gespräche führen und sich gegebenenfalls auch finanziell beteiligen. Dieses Signal hat am Abend der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats an die Stuttgarter Verhandlungspartner gesendet.

Mühlacker. Vorerst geht es vor allem darum, ein Zeichen zu setzen, wonach es die Stadt ernst meint mit ihrem Bemühen, das Wahrzeichen zu erhalten. Eine Entscheidung über das Angebot des SWR, das sieben Hektar große Gelände samt Sendermast für 550000 Euro zu übernehmen, hat das Gremium nicht gefasst – im Gegenteil: Mehrfach wiesen die Sprecher der Fraktionen darauf hin, dass die positive Grundhaltung kein „Freibrief“ für die Verwaltung für konkrete Kaufverhandlungen sei. Letztlich, so die Haltung im Gemeinderatsausschuss, sei alles eine Kostenfrage.

Bereits vorab hatte die CDU-Fraktion einen Fragenkatalog mit zehn Punkten formuliert, die sich unter anderem mit dem finanziellen Bedarf einer Stiftung Sender Mühlacker befassten. Das Modell, wonach die Stadt das Areal kaufen und sich anschließend eine Stiftung unter Federführung des Mühlacker Fördervereins um den laufenden Unterhalt kümmern könnte, gilt als eine der Optionen, falls das Sender-Gelände mit dem Ziel, das technische Kulturdenkmal dauerhaft zu erhalten, den Eigentümer wechseln sollte.

In diesem Fall winken, wie berichtet, Zuschüsse der Denkmalstiftung für die anstehende Generalüberholung des Sendermasts, die mit mindestens einer Million Euro veranschlagt wird. Die Sanierung, deutete Oberbürgermeister Frank Schneider in der Sitzung des Verwaltungsausschusses an, sei auch aus Sicherheitsgründen dringend notwendig, weshalb der SWR auf eine rasche Entscheidung – vorgegeben hatte die Rundfunkanstalt eine Frist bis Ende des Monats – dränge. Bis dahin alle offenen Fragen zu beantworten und alle notwendigen Schritte einzuleiten, gab Schneider zu verstehen, „ist möglich, aber eher unwahrscheinlich“. Unter anderem sei bisher unklar, zu welchen Konditionen die Stadt beziehungsweise die Stiftung den Sendermast versichern könnte.

Immerhin handelt es sich beim 273 Meter hohen Sendermast, wie Dr. Ulrike Fuchs (LMU) erinnerte, nach wie vor um „das höchste Bauwerk im Ländle“, was ein gewisses touristisches Potenzial mit sich bringe. Nicht nur aus diesem Grund demonstrierten die Sprecher aller Fraktionen ihre ideelle Verbundenheit mit dem Namensgeber der Senderstadt. „Das Herz sagt sofort ja“, beschrieb Ulrich Hagenbuch die Stimmungslage in der Fraktion der Freien Wähler hinsichtlich des Kaufangebots, „aber der Verstand wehrt sich noch.“ Eine Übernahme um jeden Preis, deutete auch Jürgen Metzger (SPD) an, werde es nicht geben, stattdessen gehe es jetzt darum, zu prüfen, ob eine Übernahme machbar wäre. „Die CDU unterstützt einen Handlungsauftrag an die Verwaltung“, fasste Vorsitzender Günter Bächle zusammen, wehrte sich aber gegen eine Vorfestlegung. „Es geht darum, die Gesprächsergebnisse abzuwarten, abzuwägen und dann zu entscheiden.“ Dafür wäre am Ende der Gemeinderat zuständig. „Wir gehen damit noch kein Risiko ein“, betonte Wilhelm Heidinger (FDP), und ähnlich äußerte sich Bianca Schauer (AfD): Erst müssten die Daten und Fakten auf den Tisch.

Was den Kaufpreis betrifft, sehen zumindest die Freien Wähler noch deutlichen Verhandlungsbedarf. Sie gehen davon aus, wie Ulrich Hagenbuch erklärte, dass der SWR mit einem „symbolischen Preis“ zufrieden sein müsste, weil der öffentlich-rechtlichen Anstalt vor dem Hintergrund, dass die Genehmigung des Abbruchs fraglich sei, mit einem Engagement der Stadt eine „Riesenlast“ genommen würde.

Oder aber, ein privater Investor kommt zum Zug, der in den vergangenen Monaten Interesse am Gelände bekundet hatte, weil er laut Verwaltung „ein Potenzial zur Eventnutzung“ sieht. Nach Informationen des Mühlacker Tagblatt handelt es sich um einen Jungunternehmer mit Mühlacker Wurzeln, der mutmaßlich alte Ideen neu aufgreifen könnte. So wurde das Sender-Gelände in der Vergangenheit schon auf seine Tauglichkeit für die Sportart Wingsuit getestet, bei der sich die Anhänger mit einem Flügelanzug in die Tiefe stürzen. Vorstellbar, überlegte am Rande der Ausschusssitzung Frank-Ulrich Seemann als Vertreter des Fördervereins, sei außerdem ein Wettbewerb für Kletterer, für den der Sendermast mit entsprechenden Griffen und Tritten versehen werden könnte.

An Visionen für das Gelände, auf dem zwei von sechs Wohnungen vermietet sind und eine größere Halle genutzt werden könnte, mangelt es nicht. Sein Verein, versicherte Seemann, könnte sich eine Trägerschaft für eine Stiftung prinzipiell vorstellen: „Dafür hat er sich ja gegründet.“ Zuvor aber sind, so der Tenor im Ratsaal, noch etliche Fragen zu klären; und die meisten beziehen sich darauf, in welchem Maß die Stadt finanziell gefordert wäre.

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