Solide Stadthalle ohne Schnickschnack

Stadtverwaltung spricht sich gegen (teure) Kulturhalle aus – Neubau am Mühlehof-Standort wird auf elf Millionen Euro geschätzt

Von Thomas Eier Erstellt: 19. Dezember 2018, 00:00 Uhr
Solide Stadthalle ohne Schnickschnack Vergangenheit: Der Gottlob-Frick-Saal, der mit dem Mühlehof abgerissen wurde, bot bei herkömmlicher Bestuhlung rund 800 und bei Bankettbestuhlung mit Tischen rund 500 Besuchern Platz.Foto: Archiv

Klassische Stadthalle statt Kulturhalle: Mit diesem Vorschlag geht die Stadtverwaltung in die Diskussion um einen Neuanfang am Mühlehof-Standort, die frühzeitig im neuen Jahr – konkret: in einer Sondersitzung des Gemeinderats am 12. Februar – vertieft werden soll.

Mühlacker. Noch kurz vor der Weihnachts- und Winterpause kam in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend ein Thema auf die Tagesordnung, das die Kommunalpolitik durch das Jahr 2019 begleiten wird. Im Bemühen, rasche planerische Fortschritte zu erzielen, um nach dem Abriss des Mühlehofs die Lücke am Kelterplatz zeitnah schließen zu können, stellte die Rathausspitze beziehungsweise das Amt für Bildung und Kultur ein erstes, grobes Konzept für eine neue Stadthalle „ohne Schnickschnack“ vor.

Ein Ziel könnte sein, überzogenen Erwartungen im Gemeinderat und in der Bevölkerung vorzubeugen, denn geht es nach der Stadtverwaltung, wird ausdrücklich kein „Kultur-, Messe- und Tagungszentrum“ und auch keine „Kulturhalle“ gebaut, sondern eine klassische Stadthalle, wobei die Unterschiede vor allem in der Ausstattung – und daraus resultierend im Kostenaufwand – liegen, den die Verwaltung auf elf Millionen Euro schätzt. Weder die genaue Größe des neuen Veranstaltungssaals noch eine Sitzplatzzahl ist bislang benannt, denn ins Detail will die Stadtverwaltung erst dann gehen, wenn das Grobkonzept abgesegnet ist und auf dieser Basis erste Kostenschätzungen möglich sind. Die Vorschläge, machte Oberbürgermeister Frank Schneider deutlich, seien als „Arbeitsgrundlage“ gedacht, „und damit wir wissen, dass wir von den gleichen Dingen reden“. Es mache keinen Sinn, Berechnungen für fünf Hallenvarianten unterschiedlichster Prägung anzustellen.

Grundsätzlich plädieren die Fachleute im Rathaus aus städtebaulichen Gründen für ein Bauwerk mit mehreren Modulen, das sich in seiner Höhe an den umliegenden Gebäuden – also vorrangig am Rathaus und dem gegenüberliegenden Mittelbau – orientiert. Untergebracht werden sollen darin nach den Vorstellungen der Verwaltung neben einem Veranstaltungssaal auch Räume für die Stadtbibliothek, die aus dem Kelteranbau umziehen soll, sowie, um die restlichen Flächen im Obergeschoss zu nutzen, ein klimatisierter Tagungsraum/Sitzungssaal mit Dachterrasse.

Ein Umzug der Stadtbücherei in den neuen Stadthalle-Komplex bietet sich nach Einschätzung des Amtes für Bildung und Kultur gleich aus dreifachem Grund an: Zum Ersten lasse sich im renovierungsbedürftigen Kelteranbau auch mit einem aufwendigen Umbau keine zukunftsträchtige Stadtbibliothek einrichten, zum Zweiten verspreche eine Bücherei im Stadthallen-Komplex eine gewisse Belebung in Tageszeiten ohne Veranstaltungen, und zum Dritten würde sich so die Möglichkeit bieten, die Volkshochschule in städtischen Räumen in der Kelter unterzubringen. „Als Überlegung bietet sich daher an, die Räume im Kelteranbau nicht für eine Nutzung durch die Stadtbibliothek, sondern für eine Nutzung durch die Volkshochschule umzubauen“, heißt es im Rathaus.

Über die groben baulichen Eckpfeiler hinaus – ein Stadthallen-Gebäude in der Höhe des Rathauses, in dem im Obergeschoss gleich noch die Stadtbücherei und ein Tagungsbereich mit Dachterrasse untergebracht werden –, trifft die Stadtverwaltung auch erste Aussagen hinsichtlich der Ausstattung des Saals. Auf einen Orchestergraben, den es im Mühlehof-Saal gab, soll verzichtet werden, und eine Vorbühne, um die Bühne gegebenenfalls vergrößern zu können, soll ebenso vom finanziellen Aufwand abhängig gemacht werden wie (ausfahrbare) Podeste für ansteigende Sitzreihen, um bei Aufführungen auch im rückwärtigen Teil des Saales freie Sicht zu garantieren. Nach dem Willen der Verwaltung soll dies nur umgesetzt werden, wenn es eine preisgünstige Lösung gibt und ein Umbau jeweils ohne großen Personaleinsatz erfolgen kann. „Andernfalls bleibt der Saal ebenerdig“, beugt das Amt für Bildung und Kultur weiteren Forderungen vor. Eingebaut werden soll nur eine Cateringküche, keine vollwertige Gastroküche, womit ein Restaurantbetrieb im eigentlichen Sinne nicht vorgesehen ist.

Die Beantwortung der Frage, wie genau der Stadthallen-Neubau und das als Enzkreis-Zentrale geplante Nebengebäude auf der freien Mühlehof-Fläche angeordnet werden sollen, will die Stadtverwaltung den Teilnehmern eines städtebaulichen Wettbewerbs – sprich: den Architekten – überlassen. Um die Verwaltung zu entlasten, die ohne zusätzliches Personal das Vorhaben nicht stemmen könne, soll für die weiteren Planungen ein privates Büro mit der Projektsteuerung betraut werden.

Eine Diskussion über die einzelnen Eckpunkte war am Abend nicht vorgesehen, doch dass es Gesprächsbedarf gibt, signalisierte bereits ein Antrag der CDU-Fraktion, der am selben Tag eingegangen war. Demnach soll sich der Gemeinderat in einer Sondersitzung – basierend auf den Überlegungen aus der Ära von Projektentwickler Vögele 2012 – mit dem Raumprogramm für eine Stadthalle befassen. Als Termin dafür wurde der 12. Februar festgelegt. Klemens Köberle (LMU) warnte vor Schnellschüssen und regte ein städtebauliches Gesamtkonzept für die „untere Innenstadt“ an – schließlich solle die neue Stadthalle länger stehen als der Mühlehof.

Im Groben herrscht, wie ersten Wortmeldungen zu den Vorschlägen der Verwaltung zu entnehmen war, Einigkeit über den Charakter der künftigen Stadthalle. Als „Vorlage, über die man sprechen kann“, bewertete Rolf Leo (Freie Wähler) das Arbeitspapier, während Jürgen Metzger (SPD) einen Schritt weiterging: „Das deckt sich zu nahezu hundert Prozent mit unserer Sicht.“ Das gelte auch für die Idee, Stadthalle und Bibliothek zu kombinieren.

Zugesichert wurde, zu gegebener Zeit die künftigen Nutzer – Veranstalter und Vereine – ins Boot zu nehmen und die breite Öffentlichkeit zu beteiligen, wofür die CDU ein Internetforum ins Spiel brachte.

Als großer Knackpunkt gelten, wie Sprecher mehrerer Fraktionen betonten, die Kosten und die Frage der Finanzierung. Als SPD-Chef Jürgen Metzger den Ansatz von elf Millionen Euro in Zweifel zog und Investitionen von 15 bis 20 Millionen Euro als realistisch erachtete, erntete er prompt Widerspruch von Dr. Jens Hanf (FDP): „Ich weiß nicht, wie das gehen soll.“

Thomas Eier

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