Shisha-Bars: Wirte müssen nachrüsten

Schärfere Regeln sollen vor Vergiftungen und Bränden schützen – Maßnahmen müssen schnell umgesetzt werden

Von Lukas Huber Erstellt: 6. November 2018, 00:00 Uhr
Shisha-Bars: Wirte müssen nachrüsten Um Gäste von Shisha-Bars vor gefährlichem Kohlenstoffmonoxid zu schützen, das beim Verbrennen der Kohle für Wasserpfeifen entsteht, gelten nun neue Regeln. Foto: ©Nomad_Soul / Fotolia

Immer wieder haben Gäste von Shisha-Bars in der Vergangenheit Rauchgasvergiftungen erlitten. Nun hat das Landeswirtschaftsministerium reagiert und die Regeln für solche Betriebe verschärft – was auch Lokale in Mühlacker betrifft.

Mühlacker. Sich in einer Kneipe treffen, etwas trinken, reden und dabei gemeinsam Wasserpfeife rauchen – so in etwa definieren viele junge Menschen einen gemütlichen Abend. Dabei wird allerdings oft vergessen, dass der Genuss von Shishas gefährliche Folgen haben kann. Jedenfalls ist es in der Vergangenheit immer häufiger vorgekommen, dass Gäste in Lokalen, in denen ein solcher Genuss angeboten wird, Rauchgasvergiftungen erlitten haben.

Solch ein Fall ereignete sich beispielsweise Anfang April 2017 in einer Bar in Pforzheim, in der sechs Gäste gefährliches Kohlenstoffmonoxid (CO) eingeatmet hatten, das beim Verbrennen der Kohlen entsteht, mit denen die Pfeifen betrieben werden. Damals musste der Rettungsdienst mit 14 Einsatzkräften anrücken. Die betroffenen Besucher wurden mit CO-Vergiftungen ins Krankenhaus gebracht, die Polizei schloss die Bar kurzzeitig. Die Opfer damals hatten noch Glück, denn zu viel Kohlenstoffmonoxid im Blut hindert den Sauerstofftransport und kann schwerwiegende gesundheitliche Schäden, im schlimmsten Fall sogar den Tod, bedeuten.

Um Besucher von Shisha-Bars, aber auch Mitarbeiter vor der unsichtbaren Gefahr zu schützen, hat das baden-württembergische Wirtschaftsministerium vor rund anderthalb Wochen mit Hilfe eines Allgemeinerlasses die Regeln für Betreiber verschärft. „Das Rauchen und Bereitstellen von Wasserpfeifen (Shishas), die – ausgenommen Pfeifentabaks – mit Kohle beziehungsweise organischen Materialien befeuert werden, sowie die Lagerung glühender Kohlen und anderer glühender organischer Materialien für den Betrieb von Shishas wird in Betriebsräumen von Gaststätten untersagt“, heißt es in der Verfügung, die ab Samstag, 17. November, auch in Mühlacker gilt. Eine zeitliche Aufschiebung der Umsetzung sei nicht möglich, weil die Gefahr jederzeit drohe.

Es gibt aber eine Ausnahme für das Verbot: Sofern sich Betreiber an schärfere Regeln halten, darf in ihren Räumlichkeiten weiterhin Shisha geraucht werden. So müssen sie etwa Lüftungssysteme einbauen, die gewährleisten, dass eine gewisse CO-Konzentration nicht überschritten wird. Es sei nicht ausreichend, Fenster und Türen zu öffnen, weil dadurch nicht genügend Frischluft nach innen gelange, heißt es in der Begründung.

Für Cahit Tatli, der in Mühlacker einen Shisha-Shop und drei -Bars in Sindelfingen und Neckarsulm betreibt, ist die Vorschrift eines Abluftsystems vom Prinzip her nichts Neues. „Die haben wir schon vorher gebraucht“, sagt er. Die Regeln seien nun lediglich klarer definiert worden. Beispielsweise müssen Lüftungssysteme pro brennender Wasserpfeife nun mindestens 130 Kubikmeter Luft in der Stunde nach draußen befördern.

Neu sei auch, dass ab sofort CO-Warnmelder im Lokal aufgehängt werden müssten, erklärt Tatli. Das Ministerium begründet diese Anordnung damit, dass bei möglichen technischen Störungen der Lüftungsanlage das geruch- und farblose Gas unbemerkt eingeatmet werden könnte und dadurch feststellbar wird.

Festgeschrieben im neuen Regelwerk ist auch ein Rauchabzug, wo Kohlen angezündet und glühend gelagert werden. Und um zum Beispiel Schwangere oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen, sind die Wirte verpflichtet, Kunden per Schild an der Eingangstür darauf hinzuweisen, dass bei der Zubereitung und dem Rauchen von Wasserpfeifen das gefährliche Gas entsteht.

Was den Schutz vor Bränden betrifft, ist Vorschrift, dass im Thekenbereich von Shisha-Bars Feuerlöscher angebracht sind. Der Umgang mit glühenden Kohlen ist nur auf einer feuerfesten Grundlage erlaubt. Wer sich nicht an die Bestimmungen hält, muss mit einem empfindlichen Zwangsgeld von 1000 Euro rechnen. Eine niedrigere Strafe komme nicht infrage, weil sie von manchen Wirten sonst leichtfertig in Kauf genommen werden könnte, heißt es in der Erklärung weiter.

Dafür sorgen, dass die Bar-Betreiber die Regeln auch befolgen, müssten die Kommunen, so das Ministerium. In Mühlacker ist die Lage laut dem Bürger- und Ordnungsamtsleiter Ulrich Saur aber im Gegensatz zu größeren Städten wie Stuttgart, Mannheim oder Pforzheim eher überschaubar. „Uns sind zwei Gaststätten bekannt, die entsprechend gemeldet sind.“ Eine davon befinde sich an der Poststraße, die andere an der Bahnhofstraße. Dort müsse demnächst kontrolliert werden, ob die Sicherheit gewährleistet ist.

Ob das wirklich gemacht wird, bezweifelt Cahit Tatli aufgrund seiner Erfahrungen. „Manche Unglücke in der Vergangenheit sind passiert, weil die Städte nicht kontrollieren, ob es in Shisha-Bars Anlagen gibt beziehungsweise ob sie eingeschaltet sind.“ Es gebe durchaus schwarze Schafe, die die Lüftungen ausschalteten, um hohe Stromkosten einzusparen.

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