Sender-Rettung: Wettlauf gegen die Zeit

Neuer Förderverein stellt unserer Zeitung sein Konzept vor

Von Frank Goertz Erstellt: 28. Oktober 2014, 00:00 Uhr
Sender-Rettung: Wettlauf gegen die Zeit Der 273 Meter hohe Mast des SWR-Senders Mühlacker soll 2017 abgerissen werden. Foto: Huber

Spätestens 2017 soll das Mühlacker Wahrzeichen, der 272 Meter hohe Sendemast, fallen. Dagegen kämpft der Förderverein Mühlacker Sender, der sich am vergangenen Freitag gegründet hat. Er hat ein Konzept, wie der Mast und die Anlage gerettet werden können.

Mühlacker. Der Mittelwellensender ist seit Anfang 2012 abgeschaltet, dass der Sendeschluss auch das endgültige Aus für das Mühlacker Wahrzeichen bedeutet, hat der SWR erst vor fünf Monaten zugegeben. Der Erhalt des Masts würde laut Intendant Peter Boudgoust jährlich 80000 Euro kosten und dürfe nicht aus Geldern des Rundfunkbeitrags finanziert werden.

Für den Förderverein Mühlacker Sender, in dem sich unter anderem Vertreter des Verschönerungsvereins, der Amateurfunker und des Historisch-Archäologischen Vereins und die Gruppe „Sender-City“ engagieren, kommt es aber noch dicker: „Wir haben vom SWR die unerfreuliche Mitteilung bekommen, dass wir, wenn wir den Mast übernehmen wollen, bis 2017 insgesamt 800000 Euro investieren müssen“, erklärt Frank-Ulrich Seemann, Vorsitzender des Vereins zur Rettung des Senders. Neben den kalendermäßigen Wartungsarbeiten stünden auch große Sanierungen auf der Agenda. „Deshalb will der SWR den Sender so schnell wie möglich loswerden“, vermutet Seemann. Die 80000 Euro jährlich, die bislang immer im Raum gestanden hätten, seien nur ein Mittelwert der Kosten der vorgeschriebenen Wartungsarbeiten über einen längeren Zeitraum gewesen. Dass ausgerechnet jetzt größere Arbeiten anstünden, würde dem Verein natürlich nicht in die Karten spielen.

„Wenn der Mast fällt, verliert Mühlacker sein Markenzeichen“

Trotzdem nehmen die Senderfreunde – Seemann: „Wenn der Mast fällt, verliert Mühlacker sein Markenzeichen“ – die Herausforderung an. Im Gespräch mit unserer Zeitung skizzieren die Vorstandsmitglieder Frank-Ulrich Seemann, Horst van Gelderen und Manuel Albrecht ihre Rettungspläne. „Das Areal gehört dem SWR“, weiß Seemann, der sich wünscht, dass die Stadt Mühlacker das 7,7 Hektar große Gelände kauft, wobei sicherheitsrelevante Einrichtungen wie der kleine Sender abgezäunt werden könnten. „Das ist Wiesengelände und kein Bau- oder Bauerwartungsland“, so Seemann. Der Grundstückspreis müsste sich also in Grenzen halten.“ Der Verein hat aber nicht nur Ausgabe-Posten auf seiner Rechnung: „Den geplanten Abbau des Masts bekommt der SWR nicht zum Nulltarif“, so Seemann. Dass Geld, das der SWR sich sparen könnte, müsste also auf der Haben-Seite der Stadt Mühlacker oder der des Fördervereins Mühlacker Sender auftauchen.

Neben der Stadt möchte der Verein auch den Kreis und das Land mit ins Boot holen. „Die Sendeplattform ist der höchste Punkt des Enzkreises. Das müsste dem Landrat doch was wert sein“, findet Horst van Gelderen. Und auch das Land, der Bund und die EU sollten nicht außen vor bleiben. „Der Sender ist Kulturerbe, der Mast war einst eine der höchsten Sendeantennen Europas“, sagt Seemann. „Es gibt – nicht nur im Ruhrgebiet – viele Industrieareale, die unter Denkmalschutz stehen und die mit öffentlichen Geldern erhalten werden.“ Warum sollte der Mühlacker Sender nicht unter Denkmalschutz gestellt werden, fragt Seemann. Neben dem Mast gehörten zu dem Ensemble auch das Maschinenhaus und drei Wohngebäude, die in den 30er-Jahren errichtet worden sind.

Vom Museum für Radiogeschichte bis zur Basis für Adrenalin-Junkies

In den nächsten Wochen will der Verein für seine Ziele trommeln – und hat dabei auch Künstler an seiner Seite. Martin Eisenhardt hat beispielsweise sieben Holzschnitte gefertigt, die den Sender aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Sie sollen ebenso wie Sender-Schmuckstücke aus dem Atelier von Albrecht Münzmay auf dem Weihnachtsmarkt verkauft werden.

An Nutzungsmöglichkeiten des Senderareals mangelt es nicht. Darin sind sich die Vereinsvertreter einig. So könnte beispielsweise in einer Halle ein Museum eingerichtet werden. Die Exponate seien genau genommen sogar schon vorhanden. Denn das Technomuseum (ehemaliges Landesmuseum für Technik und Arbeit) in Mannheim würde derzeit Platz schaffen für 5500 Ausstellungsstücke zur Rundfunkgeschichte. „Statt dort kostspielig umzubauen, könnte ein Großteil der Sammlung doch auch in Mühlacker in authentischer Umgebung gezeigt werden“, findet Seemann. Außerdem würde sich die Halle auch hervorragend für Firmenevents oder Kulturveranstaltungen eignen.

Auch der Mast könne hervorragend in das Nutzungskonzept eingebunden werden, schlägt Manuel Albrecht vor. Er hatte eigentlich für September ein Base-Jumping-Event geplant, bei dem Sportler mit einem Fallschirm von der Mastplattform springen. Doch der SWR hat seine Nutzungserlaubnis in letzter Minute zurückgezogen, nachdem der Verband Deutscher Objektspringer schon grünes Licht gegeben hatte. „Hier lassen sich viele Events organisieren, die auch das Stadtmarketing von Mühlacker beleben könnten“, sagt Albrecht. Der Mast wäre einer der höchsten, wenn nicht sogar der höchste Base-Jump in Deutschland. „Damit hätte Mühlacker ein Alleinstellungsmerkmal.“

Eine Internetseite www.foerderverein-sender-muehlacker.de ist bereits freigeschaltet, wird aber noch weiter ausgebaut. Über diese Internetseite ist auch Email-Link aktivierbar, über den Interessierte Vereinsmitglied werden können. Der Jahresbeitrag beträgt 15 Euro.

Frank Goertz

Stellvertretender Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

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