Sender-Rettung ja, aber nicht um jeden Preis

Die Pläne für den Erhalt des SWR-Sendemasts in Mühlacker werden vom Gemeinderat mit kritischem Wohlwollen aufgenommen

Von Maik Disselhoff und Thomas Sadler Erstellt: 29. Oktober 2014, 00:00 Uhr
Sender-Rettung ja, aber nicht um jeden Preis Sender-Rettung ja, aber nicht um jeden Preis

Mühlacker. Grundsätzlich gut, doch es gibt viele Fragezeichen – so lautet der Tenor der Reaktionen aus dem Gemeinderat auf die Vorschläge des neuen Vereins, der den Mühlacker Sendemast retten will (wir berichteten exklusiv).

Soll die Stadt einen Teil des Senderareals samt dem 273 Meter hohen Mast erwerben? Kann auf dem Grundstück ein Museum zur Sendergeschichte eingerichtet werden? Schweben künftig ganz Mutige beim Base-Jumping mit dem Fallschirm von der Mastplattform? An Ideen des Fördervereins mangelt es nicht. So spektakulär es auch klingt: Der Jumping-Vision könnte Bürgermeister Winfried Abicht durchaus etwas abgewinnen. Rein theoretisch. „Vorstellbar ist viel, auch ein Museum“, meint er, gibt allerdings sogleich zu bedenken, dass Museen gewöhnlich nicht kostendeckend seien und ein beträchtliches Engagement von wechselnden Ausstellungen und Events erforderten. Dessen ungeachtet warte die Stadt noch darauf, dass der SWR erklärt, ob er einen Teil des Grundstücks mit dem Mast, der nicht unter Denkmalschutz stehe, verkaufen würde.

Läge ein schlüssiges Konzept zur Konservierung von Fläche und Mast vor, wäre, je nach Haltung des Gemeinderates, manches denkbar. Wären die entstehenden Kosten finanzierbar, „wäre es schade, wenn der Mast wegkäme“, so der Bürgermeister, der den vom Verein eingeschlagenen Weg begrüßt.

CDU-Fraktionschef Günter Bächle sieht das bürgerschaftliche Engagement für den Sender grundsätzlich positiv. Doch erschrocken hat ihn die Summe von 800000 Euro, die laut SWR bis 2017 zur Instandhaltung des Wahrzeichens nötig sind. Mit Blick auf eine mögliche Rettung der großen Nadel sagt Bächle: „Das erschwert die ganze Geschichte.“ Dem Wunsch des Vereins, die Stadt möge das SWR-Gelände kaufen, steht der Fraktionsvorsitzende skeptisch gegenüber: „Das halte ich nicht für realistisch.“ Hinsichtlich einer möglichen Rettung des Sendemasts meint Bächle: „Das ist ein emotionales Thema, das der Bürger entscheiden sollte.“ Jetzt sei zunächst die Stadtverwaltung gefordert, so der Stadtrat. „Sie muss auf den SWR zugehen und herausfinden, unter welchen Bedingungen eine Rettung möglich ist.“

273 Meter hohe Röhre als teures Geschenk?

Thomas Knapp, Fraktionsvorsitzender der SPD, betont, dass es extrem schade wäre, wenn es das Wahrzeichen nicht mehr gäbe. Zu einem Ankauf des SWR-Geländes durch die Stadt meint er: „Das wäre sicher gar kein Problem“, allerdings nur, wenn geklärt sei, an welche Bedingungen der Erhalt des Sendemasts geknüpft sei. „Die Röhre geschenkt zu bekommen, wäre nicht schwierig – aber was kommt danach?“, fragt Knapp. Das vom Verein angedachte Base-Jumping kann er sich gut vorstellen, einen neuen Standort für Events sieht er jedoch kritisch, nicht zuletzt deshalb, weil es ähnliche Überlegungen bereits für das Ziegeleiareal in Mühlacker gebe. Die Idee für ein Museum findet Knapp interessant, doch die Stadt allein könne solch eine Einrichtung nicht tragen. „Jetzt muss der Verein auf die Stadt zugehen und sein Konzept näher vorstellen“, fordert Knapp, dann müsse natürlich auch im Gemeinderat diskutiert werden.

„Als Dürrmenzer, der unter dem Sender aufgewachsen ist, liegt mir das Wahrzeichen natürlich am Herzen“, betont Rolf Leo, Fraktionschef der Freien Wähler. Aus diesem Grund hat sich seine Fraktion bereits Anfang 2011 in einem Antrag für den Erhalt des großen Sendemasts eingesetzt. Schon damals baten die Freien Wähler die Stadtverwaltung darum, auszuloten, ob der Sender zu einem Industriedenkmal erklärt werden könne. „Dann hätte der SWR sich um den Erhalt kümmern müssen.“ Doch diese reizvolle Variante habe keine Chance auf eine Realisierung, deshalb habe er keine große Hoffnung, dass der Verein den Sender retten könne. „Fest steht, dass sich die Stadt den Erhalt nicht leisten kann, weil sie für große Aufgaben wie eine neue Sporthalle und die Feuerwache jeden Euro benötigt. Und ein Förderverein kann die finanzielle Last, die ein Erhalt mit sich bringt, nicht schultern.“

Leo warnt davor, zu viele Utopien in die Welt zu setzen, und bezüglich der anderen Pläne des Vereins sagt er: „Erst muss der SWR erklären, wie seine Zukunftspläne für das Gelände aussehen, dann kann man darüber reden, was machbar ist.“ FDP-Chef Dr. Jens Hanf macht klar: „Wir sind generell daran interessiert, dass der Mast bleibt; er ist ein Wahrzeichen.“ Klar sei auch, dass die Stadt, die viele kostenträchtige Aufgaben zu erfüllen habe, nicht in der Lage sei, als dauerhafter Betreiber aufzutreten. Die Kommune könne sich nur „bedingt“ am Erhalt des Sendemasts beteiligen. Eben deshalb hält Hanf es für richtig, dass sich Bürger zusammenschließen und aktiv werden. Doch „im Moment ist alles noch Spekulation. Der Ball liegt beim SWR“. Es sei am Sender, mitzuteilen, wozu er bereit sei, zum Beispiel, ob er es für möglich halte, den Mast zu übergeben.

„Die Stadt allein kann das nicht stemmen“

„Die Stadt allein kann das nicht stemmen, sondern allenfalls einen Zuschuss geben“, stößt LMU-Sprecherin Dr. Ulrike Fuchs ins gleiche Horn. Indes glaubt sie, der SWR sei unter Umständen bereit, den Mast abzugeben. Ein Museum könnte sie sich vorstellen, greift sie einen Vorstoß des Fördervereins auf und überlegt auch gleich weiter: Attraktiv wäre es, wenn Besucher gegen Eintritt innerhalb des Masts bis nach oben gelangen könnten – vorausgesetzt, dies wäre möglich. Sollte das Wahrzeichen der Senderstadt doch nicht zu retten sein, könnte Ulrike Fuchs dies akzeptieren: „Man kann nicht immer alles festhalten“, findet sie pragmatisch. Und der kleine „Eiffelturm“-Mast bliebe Mühlacker ja glücklicherweise weiter erhalten.

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