Schnell und flexibel: ja – günstig: naja

Im Selbstversuch hat Redakteurin Joy Garcia Oliver das neue Ausleihangebot von RegioRad Stuttgart in Mühlacker auf die Probe gestellt

Von Joy Garcia Oliver Erstellt: 20. Juli 2019, 00:00 Uhr
Schnell und flexibel: ja – günstig: naja Schnell und flexibel: ja – günstig: naja

„Schluss mit Stau, verspäteten Bussen oder teuren Taxifahrten: Mit RegioRadStuttgart kommst Du flexibel, schnell und günstig an Dein Ziel“, wirbt das Fahrrad- und Pedelec-Verleihsystem der Deutschen Bahn auf seiner Internetseite. Bei einem Selbstversuch hat Redakteurin Joy Garcia Oliver getestet, ob sich der Umstieg aufs E-Bike wirklich lohnt.

Mühlacker. Das Fahrrad als Verkehrsmittel ist nicht nur gesund, günstig und umweltfreundlich, sondern auch schnell. So hat das Umweltbundesamt schon 2014 ein Diagramm veröffentlicht, das zeigt, dass das Rad zumindest im dichten Stadtverkehr und bei einer Strecke von unter fünf Kilometern gegenüber dem Auto nicht nur Sprit, sondern auch Zeit spart.

Wer kein Fahrrad besitzt oder ein Pedelec ausprobieren möchte, hat seit dem 3. Juli die Möglichkeit, am Mühlacker Bahnhof ein Zweirad mit E-Motor auszuleihen und es dort oder an einer anderen Station wieder abzugeben. Das Angebot der Bahn-Tochter RegioRadStuttgart richtet sich insbesondere auch an Berufspendler, die aufs eigene Auto verzichten möchten.

Laut Internetseite ist das Ausleihen über die App, mit der polygoCard oder telefonisch möglich. Für jede dieser Optionen ist eine Registrierung nötig, die am PC oder am Smartphone abgeschlossen werden kann. Dafür wird eine Jahrespauschale von drei Euro fällig. Bei der Registrierung werden die Kontakt- und Bankdaten abgefragt sowie ein Bestätigungslink an die angegebene E-Mail-Adresse versandt. Beim Selbstversuch dauert der Vorgang nicht länger als sechs Minuten und kann so auch spontan vor Ort durchgeführt werden.

Die App ist kostenlos, übersichtlich und selbsterklärend. Auf einer Karte sieht der Nutzer, wo in der Nähe wie viele Fahrräder oder Pedelecs zur Verfügung stehen. Das Entleihen funktioniert einfach über die Eingabe der Rad-Nummer, die in großer weißer Schrift auf dem Bike steht. Gibt der Kunde die Nummer im Handy ein und aktiviert den Bildschirm des RegioRads, findet er die Anleitung zum Öffnen der Diebstahlsicherung. Dazu muss am Schloss hinter dem Sattel der Knopf gedrückt werden, während auf der anderen Seite der Ladestecker gezogen wird.

Ab diesem Moment gilt das Fahrrad als ausgeliehen, und die Uhr tickt. Da sollte nicht viel Zeit verschwendet werden, denn pro Minute werden zwölf Cent fällig. Eine Stundendeckelung gibt es in Mühlacker, im Gegensatz zu den Stationen in Stuttgart, nicht. Dort zahlt keiner mehr als vier Euro pro Stunde. Lediglich der sogenannte „Tagespreis“ von 22,50 Euro kann bis 3 Uhr des Folgetages nicht überschritten werden. Dieser ist im Fall Mühlacker, von wo aus die Tour die Testfahrerin zur nächsten Station am Bahnhof Vaihingen führt, jedoch bereits nach knapp über drei Stunden erreicht. Wer aufs Geld schaut, stellt den Sitz also bereits vorher ein; so kann direkt nach der Entriegelung gleich in die Pedale getreten werden.

Die Pedelecs haben sieben Gänge, sind bequem, besitzen einen Gepäckträger und einen soliden Antrieb. Besonders, wenn es bergauf geht, macht sich der Elektromotor positiv bemerkbar: kein Aus-dem-Sattel-gehen, kein Schwitzen, keine größere Anstrengung – perfekt für alle Sportmuffel.

So erreicht die Redakteurin die nur zehn Kilometer entfernte nächstgelegene RegioRad-Station in Vaihingen bei einem gemütlichen Fahrstil und sehr entspannt innerhalb von 30 Minuten – und braucht damit nur etwa zehn Minuten länger als mit dem Auto oder dem Zug. In finanzieller Hinsicht spart sie durch den Körpereinsatz allerdings nichts: 3,60 Euro kostet eine halbe Stunde, was exakt dem Fahrpreis auf der Schiene entspricht. Dazu kommt die Zeit, die für die Rückgabe benötigt wird. Bei der Indoor-Abgabestation in Vaihingen geht das nämlich tatsächlich nicht ganz so schnell wie in Mühlacker: Erst muss über eine Anmeldung am Terminal die Türe der „Garage“ geöffnet werden, dann muss die Kundin feststellen, dass bereits alle Ladestationen belegt sind. Hinweise in der App? Fehlanzeige, weshalb die Service-Hotline notwendig wird. Die Lösung: Das Rad kommt einfach daneben hin und wird wie gehabt verschlossen.

Dann der Kassensturz: Für eine Stunde und elf Minuten ergeben sich Kosten von 8,40 Euro – ohne die Jahresgebühr von drei Euro. So bietet RegioRad Stuttgart zwar per se eine attraktive Alternative zu Bus, Zug und Taxi, ist preislich gesehen aber für Kunden, die den Basistarif nutzen, kein wirkliches Schnäppchen. Sogar ein billiges Mietauto ist mit 20 Euro für 24 Stunden billiger als das RegioRad-Pedelec.

In Stuttgart sieht es anders aus: Dank Stundendeckelung und mehr Abgabestationen kann der Nutzer nicht nur schneller, sondern auch billiger Kurzstrecken zurücklegen. Das Fazit für Mühlacker: flexibel und schnell ja – billig nein! Die Idee ist gut, aber ausbaufähig. Ein billigerer Tarif und ein Ausbau des Netzes an Stationen wären zusätzliche Anreize. RegioRad ist zunächst insbesondere für Inhaber einer polygoCard, die vergünstigte Tarife erhalten (drei Euro pro Stunde, zwölf Euro pro Tag), oder als Notlösung für jene geeignet, die ohne ein Leihrad nicht weiterkommen.

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