Poetry Slam einmal anders

Mangels echter Slammer sind die Besucher beim Verfassen origineller Texte plötzlich selbst gefordert

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 17. August 2017, 00:00 Uhr
Poetry Slam einmal anders Moderatorin Ramona Deeg verteilt Papier und Stifte. Kleines Bild oben: Simone Müller aus Mühlhausen (Mitte) als Geschichtenerzählerin. Unten: Annegret Löwen ist in ihrem Element. Fotos: Stahlfeld

Schluss mit der besinnlichen Stimmung an der Stillen Enz oberhalb des Wehrs: Der Fluss dürfte zwar weiterhin gemächlich fließen, am Ufer allerdings wird es in den kommenden Wochen ziemlich unterhaltsam. Am Dienstag ist der Startschuss zum „Sommerevenz“ in den Enzgärten gefallen. Am ersten Abend hieß es: Poetry Slam einmal anders.

Mühlacker. So kann es gehen. Da begibt man sich zum Poetry Slam, um zuzuhören, wie andere ihre Texte vortragen, und schon steht man selbst auf der Bühne. So erging es am Dienstag unter anderem Micha und Anja Feldtkeller aus Ötisheim.

Der Zehnjährige und seine 14-jährige Schwester waren gemeinsam mit den Eltern zur Eröffnung des Sommerevenz mit Poetry Slam gekommen. Leider weilen aber die eingeladenen lokalen Slammer gerade im Urlaub oder waren aus anderen Gründen verhindert; Moderatorin und MT-Redakteurin Ramona Deeg jedenfalls konnte mit Annegret Löwen aus Dürrmenz lediglich einen Vertreter begrüßen.

Weil Not ja bekanntlich erfinderisch macht, drehte die Moderatorin kurzerhand den Spieß um. Mit Zetteln und Kugelschreibern durch die Bankreihen marschierend animierte sie die Besucher dazu, einen eigenen Text zu schreiben. Aber nicht irgendeinen: Beim Spiel suchten sich die Teilnehmer einen Filmtitel aus, in dem sie ein Wort veränderten. Dann wurde eine neue Handlung passend zum neuen Titel geschrieben.

Da wurde bei Simone Müller aus Mühlhausen der Titel „Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung“ kurzerhand um das nicht unwesentliche Wörtchen „nicht“ ergänzt. Und die passende Handlung? Schon machte sich die Filmeschreiberin an die Arbeit. Doch längst nicht alle der spontanen Autoren waren so mutig wie Wolfgang Dorn oder Micha und Anja Feldtkeller und trugen ihre Texte auf der Bühne vor. Die beiden Jugendlichen hatten sich „Harry Potter und der Feuerkelch“ ausgewählt und machten daraus „Harry und der Kohlegrill“.

Bei Wolfgang Dorn wurde aus den „Glorreichen Sieben“ der „Glorreiche Sex“. Und Annegret Löwen? Die textete sich vom sechsten und siebten Sinn bis hin zum Unsinn und traf gleich in ihrem ersten Text den Nagel auf den Kopf.

„Ich hoffe, du hast ein Sonnengedicht“, hatte Ramona Deeg noch angeregt, doch Annegret Löwen hatte wohl den richtigen Riecher und redete nicht um den heißen Brei herum: „Morgen soll das Wetter besser sein“ lautete stattdessen eine ihrer Textzeilen – angesichts des durchwachsenen Wetters zur Eröffnung des Sommerevenz ein großes Versprechen. Tatsächlich regnete und tröpfelte es am Dienstagabend immer wieder. Blauer Himmel und graue Wolken wechselten sich ab, doch die knapp 200 Enzgärten-Besucher saßen im Trockenen. Die Helfer vom Förderverein Enzgärten hatten große Schirme und Pavillons aufgestellt. Über 50 Mitglieder seien bis 27. August im Einsatz, um die zwölf Veranstaltungstage zu schultern, so die Vorstandsmitglieder Erhard Neukamm und Harald Thieser.

Ihnen galt auch ein besonderer Dank von Heidemarie Roller, die als ehrenamtliche Stellvertreterin von Oberbürgermeister Frank Schneider das Sommerevenz im Namen der Stadt offiziell eröffnete. Auf so viel Engagement könnten die Stadt und der gastgebende Förderverein stolz sein. „Es ist für jeden Geschmack etwas dabei, der Eintritt ist frei“, machte die Stadträtin und OB-Vertreterin Lust auf die kommenden Veranstaltungstage.

Am heutigen Donnerstag findet ab 19 Uhr ein Konzert mit der Band „Nutty as a fruitcake“ statt. Der Eintritt ist frei.

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