Partnerschaft sichert Hausarztpraxis

Team von Dr. Michael Haack wird Teil des Bubeck-Verbunds – Patienten dürfen aufatmen und auf eine Erweiterung hoffen

Von Thomas Eier Erstellt: 7. Mai 2019, 00:00 Uhr
Partnerschaft sichert Hausarztpraxis Partnerschaft sichert Hausarztpraxis

Die wichtigste Nachricht für die Patienten: Die Zukunft der Praxis Dr. Haack am Kelterplatz ist dank einer neuen Partnerschaft gesichert. Der Internist und Allgemeinmediziner schlüpft mit seinem Team unter das Dach der Bubeck-Praxen, und diese Konstellation gilt in Zeiten des Hausärztemangels als Glücksfall.

Mühlacker. Von allen Beteiligten inklusive Oberbürgermeister Frank Schneider, der die Kontakte geknüpft hatte, wird der Schulterschluss als klassische Win-win-Situation betrachtet; als eine Weichenstellung, von der alle profitieren. In erster Linie gilt das für die Patienten, die spätestens seit der Schließung der Praxis Gerstmair auf jeden Arzt angewiesen sind. Hätte Mühlacker zusätzlich noch die Praxis Haack verloren, deutet der OB an, dann wäre bei der hausärztlichen Versorgung endgültig der Notstand ausgebrochen.

Verbund erstreckt sich bislang auf fünf Standorte

Verhindert wird das durch die ungebrochene Motivation des 66-jährigen Mediziners, der nach eigenem Bekunden seinen Beruf nach wie vor liebt – und durch die Möglichkeiten, die das Bubeck-Konzept den angestellten Ärzten bietet. Zum 1. Januar kommenden Jahres wird die 1990 eröffnete Praxis am Kelterplatz Teil des Verbunds, der sich bislang auf fünf Standorte in Vaihingen, Sachsenheim, Eberdingen, Besigheim und Lienzingen erstreckt. Insbesondere die Aussicht, dass sich künftig eine „Praxismanagerin“ um die Verwaltungsaufgaben kümmern wird und er sich auf die eigentliche Profession beschränken kann, hat laut Michael Haack für ihn den Ausschlag gegeben weiterzumachen: „Das gibt mir die Möglichkeit, mich auf die Medizin zu konzentrieren.“ Bislang sei er gleichzeitig in Personalunion noch „Buchhalter, Personalberater und Einkäufer“.

Die überbordende Bürokratie und die Arbeitsbelastung, bestätigen Frank und Beata Breckwoldt als Vertreter der Bubeck-Praxen, sei für viele junge Mediziner ein abschreckender Faktor, wenn es um die Übernahme von Hausarztpraxen auf dem Land oder in mittelgroßen Städten wie Mühlacker gehe. Im Gegensatz dazu garantiere das Modell mit angestellten Ärzten – in den fünf Bubeck-Praxen sind es insgesamt 13, hinzu kommen mehr als 30 weitere Mitarbeiter(innen) – nicht nur eine Entlastung von administrativen Aufgaben, sondern auch geregelte Arbeitszeiten und maximale Flexibilität, wenn es um den Wunsch nach Teilzeit gehe. Außerdem, ergänzt die Tochter Isabella Müller-Bubeck, die gerade als Teil des Teams in Lienzingen ihre Fachärztinnen-Ausbildung absolviert, werde im Sinne der Patienten ständig in die Räumlichkeiten und in eine moderne medizinische Ausstattung investiert.

Lienzinger Praxis bleibt erhalten

Die Rahmenbedingungen sollen passen, und das gilt in der Stadtmitte wie im Stadtteil Lienzingen, wo – auch als Folge der Gerstmair-Aufgabe – angesichts des Andrangs der Patienten die Räume an ihre Grenzen stoßen. Die dortige Praxis, beruhigen die Partner, sei durch den Einstieg in Mühlacker nicht infrage gestellt, im Gegenteil: Der Standort Lienzingen, sichert Frank Breckwoldt zu, bleibe nicht nur erhalten, sondern werde weiter aufgewertet. Stadt und Bubeck-Praxen seien – wegen der Parkplatzfrage bevorzugt im Umfeld des Sportplatzes – bereits auf der Suche nach einem neuen, größeren Domizil.

„Es geht nicht um ein Entweder-oder“, bekräftigt an die Adresse der Patienten in Lienzingen OB Schneider, der schon in der Vergangenheit, als es um Nachfolgelösungen in Lomersheim und/oder Lienzingen ging, als Vermittler fungierte. „Ohne den OB“, unterstreicht Dr. Michael Haack die wichtige Rolle des Rathauschefs, „wäre das so nicht zustande gekommen.“ Die Versorgung der Patienten zu garantieren, betont Schneider, sei die Aufgabe der Fachleute und nicht der Kommunen, die vor dem Hintergrund des Praxensterbens immer wieder als mögliche Bauherren und Betreiber von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gehandelt würden.

Im Vergleich, lässt der OB durchblicken, seien Partnerschaften wie Haack/Bubeck die deutlich bessere Lösung, wenngleich durch diesen Schritt zunächst nur der Bestand gesichert und noch kein Ausgleich für die kurzfristig weggefallene Praxis Gerstmair geschaffen werde.

Zusätzliche Ärzte am Kelterplatz?

Allerdings geht der Blick bereits nach vorne. Zum einen ermögliche die großräumige Praxis Haack mit ihren 240 Quadratmetern und drei Sprechzimmern den Einstieg zusätzlicher Ärzte – voraussichtlich wird Isabella Müller-Bubeck selbst in die Stadtmitte wechseln –, und zum anderen ist eine nochmals vergrößerte Arztpraxis mit 350 Quadratmetern Fläche fester Bestandteil des Raumprogramms für den am Mühlehof-Standort neben einer neuen Stadthalle geplanten Büroturm. Die Überlegungen dahinter sind klar: Steht irgendwann das sechsstöckige Gebäude, könnte die Praxis Haack/Bubeck ins neue Dienstleistungszentrum umziehen und dort eventuell nochmals personell aufstocken. „Das Gebäude ist nicht nur städtebaulich, sondern auch zur Belebung der Stadtmitte und der Fußgängerzone wichtig“, blickt OB Frank Schneider voraus. „Eine Arztpraxis bedeutet Laufkundschaft.“

Wann der Büroturm in Angriff genommen wird, steht ebenso wie seine Finanzierung noch in den Sternen. Doch bis dahin ist nun immerhin die Zukunft der Praxis Dr. Haack gesichert. Bestes Indiz dafür, wie wichtig dieses Thema für die Stadt Mühlacker ist: Um über die Lösung für die Hausarztpraxis am Kelterplatz zu informieren, hatte OB Frank Schneider eigens seinen Krankenstand unterbrochen.

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Thomas Eier

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