Orden für den „Kümmerer vor Ort“

Günter Bächle wird für seine Verdienste in der CDU und in der Kommunalpolitik mit dem Bundesverdienstkreuz belohnt

Von Thomas Eier Erstellt: 29. Januar 2019, 00:00 Uhr
Orden für den „Kümmerer vor Ort“ Glückwünsche an das Ehepaar Bächle (v. li.): Wolfgang Schreiber, Stadtrat und Kreisrat und Ehrenvorsitzender der CDU Mühlacker, Johanna Bächle, Oberbürgermeister Frank Schneider, Günter Bächle mit Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Landrat Bastian Rosenau, CDU-Kreisvorsitzender Gunther Krichbaum und der ehemalige Ministerpräsident Stefan Mappus. Foto: Fotomoment (3), Screenshot

Mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ist das jahrzehntelange Engagement von Günter Bächle in der Kommunalpolitik und an der Basis seiner Partei belohnt worden. Glückwünsche gab es sogar per Videobotschaft aus Brüssel – von Günther zu Günter.

EU-Kommissar und Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger gratuliert per Videobotschaft.EU-Kommissar und Ex-Ministerpräsident Günther Oettinger gratuliert per Videobotschaft.

Mühlacker. Der dreifache Fraktionschef aus Lienzingen gilt als unbequemer und manchmal eigenwilliger Charakter, der sein Ansehen in diversen Gremien weniger der diplomatischen Raffinesse als seinem Fleiß und Fachwissen verdankt, mit dem er eine Vielzahl von Themen begleitet und vorantreibt. Die Stadtverwaltung bombardiert er außerhalb der Sitzungen mit schriftlichen Anfragen – laut Oberbürgermeister Frank Schneider über 700 in zehn Jahren –, während er auch parteiintern kritische Töne nicht scheut, wenn es darum geht, die Arbeit in Stuttgart und Berlin aus Sicht der Basis zu bewerten. Vielleicht blieb Günter Bächle, der als Zeitungsredakteur im Ruhestand sein eigener Pressesprecher ist, gerade wegen dieser gewissen Portion Verbissenheit der Sprung in höhere Positionen verwehrt. Er wurde weder (Ober-)Bürgermeister noch Landtagskandidat oder Abgeordneter, dafür aber gleich mehrfach Stimmenkönig bei den Gemeinderatswahlen in seiner Heimatstadt.

Die „unbändige Energie“ und „Leidenschaft“, mit der sich laut dem Rathauschef der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, Kreistag und in der Regionalverbandsversammlung für die Interessen der Bürger einsetzt, sind einer der Gründe für die „höchste Anerkennung“, die Günter Bächle beim abendlichen Empfang in der Historischen Kelter zuteil wurde. In Anwesenheit von Familie und langjährigen Weggefährten wie dem politischen Ziehsohn und Ministerpräsidenten a. D. Stefan Mappus würdigte Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) die Verdienste des kommunalpolitischen Überzeugungstäters, der sich auch durch gesundheitliche Einschränkungen nicht davon abhalten lässt, im Mai erneut zu den Kommunalwahlen anzutreten. „Ich denke, jede Kommune oder jede Region erhebt für sich den Anspruch, mindestens ein solches Urgestein zu haben – eine Person, die im positiven Sinne aus dem Ortsbild nicht wegzudenken ist, eine Person, welche die Region nachhaltig prägt und geprägt hat. Herr Bächle, Sie sind ein solches ,Urgestein‘“, sagte Gurr-Hirsch, die in ihrer Laudatio kurz den persönlichen Werdegang des 68-Jährigen skizzierte und auf sein jahrzehntelanges Engagement in diversen Gremien abhob. Der frühere Redakteur Günter Bächle sei nicht nur schon von Berufs wegen ein „Mann der Fakten“, sondern auch ein verlässlicher Ansprechpartner der Bürgerschaft und ein „Kümmerer vor Ort“, stellte die Staatssekretärin fest, bevor sie dem Protagonisten des Abends das Bundesverdienstkreuz ans Revers heftete.

Für den Orden vorgeschlagen worden war Bächle – ein weiteres Indiz für seine starke Verwurzelung auf lokaler Ebene – vom CDU-Stadtverband Mühlacker in Person des Vorsitzenden Dr. Peter Napiwotzky und des Ehrenvorsitzenden Wolfgang Schreiber. Letzterer blickte als Fraktionskollege im Gemeinderat und Kreistag auf die Anfänge seines Fraktionschefs als jungem Stadtrat kurz nach der Zwangseingemeindung von Lienzingen zurück und unterstrich dessen Bürgernähe, weil sich Günter Bächle, der sich im Stadtteil für das Projekt „Herzenssache“ einsetzt, ausnahmslos um alle Anliegen kümmere, die an ihn herangetragen würden.

Günter Bächle, machte Schreiber deutlich, sei kein Ja-Sager, sondern „ein Kollege mit Ecken und Kanten“, manchmal kritisch und mitunter streitbar, doch nie nachtragend. In ähnlicher Form charakterisierte der Bundestagsabgeordnete Gunther Krichbaum in seiner Funktion als CDU-Kreisvorsitzender das Parteimitglied Günter Bächle, das erst kurz vor dem Jahreswechsel für runde 50 Jahre in der Union geehrt worden war. Mit seiner Leidenschaft könne Bächle auch „Leiden schaffen“, wenn sich jemand mit ihm anlege, scherzte Krichbaum. Letzteres sei nicht empfehlenswert, andererseits brauche es europaweit Menschen, die Flagge zeigten. Passend dazu übermittelte in einer Videobotschaft aus Brüssel der zweite Ministerpräsident a. D., der sich Günter Bächle verbunden fühlt – der EU-Kommissar Günther Oettinger – seine Glückwünsche und zollte seinen Respekt für die berufliche und ehrenamtliche Lebensleistung.

Als weiterer Grußredner beim Empfang in der Kelter, der von der Musikschule Gutmann musikalisch begleitet wurde, würdigte Landrat Bastian Rosenau die „Konstanz, Intensität und Leidenschaft“ des langjährigen Kreisrats, der immer ausgezeichnet vorbereitet zu den Sitzungen erscheine und Niederlagen – als Beispiel nannte Rosenau den Mehrheitsbeschluss zur Fusion der Mühlacker Berufsschulen – als guter Demokrat akzeptiere.

„Erfolge für eine Gemeinde sind nur gemeinsam zu erreichen“, bestätigte ein gut aufgelegter und gerührter Günter Bächle in seinem Dankeswort die mit den Jahren angeeignete Überzeugung, dass Kompromisse erzielt werden müssten, wobei „ich meistens bei der Mehrheit bin“, wie er mit einem Schmunzeln feststellte. Was die Vielzahl der Anfragen ans Rathaus betreffe, sei er auch so etwas wie „der Sekretär der Fraktion“, gab er zu verstehen, dass „nicht alles auf meinem Mist wächst“.

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