Neuer Vorstoß zur Rettung des Senders

Der Förderverein Sender Mühlacker will mit einer Spendenaktion die Gespräche zwischen der Stadt und dem SWR wiederbeleben

Von Maik Disselhoff Erstellt: 21. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Neuer Vorstoß zur Rettung des Senders In Sachen Sendermast gibt es neue Signale an den Südwestrundfunk. Der Förderverein will mit einer Spendenaktion die 60000 Euro für die Sanierung der Spannschlösser zusammenbekommen. Foto: Huber

Im Kampf um den Erhalt des Sendermasts ist zumindest von Mühlacker Seite aus das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Förderverein Sender Mühlacker will den SWR mit Hilfe einer Crowdfunding-Aktion wieder an den Verhandlungstisch zurückholen.

Fördervereinsvorsitzender Frank-Ulrich Seemann (v.li.) bekommt für seine Aktion Rückendeckung von LMU-Fraktionssprecher Klemens Köberle und CDU-Fraktionschef Günter Bächle. Foto: mdFördervereinsvorsitzender Frank-Ulrich Seemann (v.li.) bekommt für seine Aktion Rückendeckung von LMU-Fraktionssprecher Klemens Köberle und CDU-Fraktionschef Günter Bächle. Foto: md

Mühlacker. Es ist die große Überraschung zum Jahresende: Der Förderverein Sender Mühlacker hat mit Hilfe von Steffen Siegrist und Frank Feil im Internet eine Spendenaktion ins Leben gerufen mit dem Ziel, die 60000 Euro für eine Erneuerung der Spannschlösser an den Senderseilen zusammenzubekommen. Das übergeordnete Ziel ist es, den SWR dadurch zurück an den Verhandlungstisch zu holen.

Der Ort der Pressekonferenz, bei der der Fördervereinsvorsitzende Frank-Ulrich Seemann über den Vorstoß informierte, war passend gewählt. Der Termin ging im „Senderstüble“, einem Nebenraum des Hotel-Restaurants Scharfes Eck, über die Bühne. Mit am Tisch saßen der Vorsitzende der CDU-Gemeinderatsfraktion, Günter Bächle, und der Sprecher der LMU-Fraktion, Klemens Köberle, die der Initiative des Vereins Rückendeckung geben. „Bei ihnen ist der Wille erkennbar, uns zu unterstützen“, betont Seemann. Bächle sagt, dass er sich über alle Aktivitäten freue, die entwickelt würden, um die Nadel zu erhalten. „Das heißt nicht, dass wir für einen Erhalt um jeden Preis sind.“ Allerdings brauche man für die Ermittlung der tatsächlichen Kosten mehr Luft, die die 60000 Euro vielleicht verschaffen können.

Köberle blickt zurück auf die knappe Ratsentscheidung gegen die Bewilligung des Betrags und sagt: „Man kann doch nicht das Alleinstellungsmerkmal von Mühlacker aufgeben, ohne zu wissen, was ein Erhalt kostet.“ Freilich hänge nun alles vom SWR ab, so Bächle. „Wenn der sagt, wir machen nichts mehr mit Mühlacker, dann ist der Ofen aus.“ Die AfD und die Vorsitzenden von FDP, SPD und Freien Wählern hatte Seemann wegen ihrer Position bei der Abstimmung über die 60000 Euro für die Instandhaltungsmaßnahme an den Pardunen nicht eingeladen (wir berichteten). Doch zurück zur Überraschung des Tages: Vereinschef Seemann teilte mit, dass der Verein den Südwestrundfunk bereits schriftlich über die Crowdfunding-Aktion informiert habe. „Wir haben dem SWR mitgeteilt, dass wir als Verein gewährleisten können, dass die 60000 Euro durch verschiedene Aktionen bereitgestellt werden können“, sagt Seemann. Er könne garantieren, „dass die 60000 Euro da sind, wenn sie gebraucht werden“.

Allerdings will der Verein den Betrag nur unter drei Bedingungen an den SWR überweisen. Erstens müsse die Maßnahme durchgeführt, abgerechnet und belegt werden. Zweitens müsse der SWR zeitnah in erneute und ergebnisoffene Verhandlungen mit der Stadt eintreten. Und drittens: „Der SWR unternimmt im Jahr 2020 keine Schritte zur Vorbereitung eines Abrisses“, zählt Seemann die Forderungen des Vereins auf, die jedoch nicht mit den Fraktionschefs von CDU und LMU abgestimmt sind. Rückendeckung erhält die Initiative aus Mühlacker übrigens auch von der Denkmalstiftung des Landes. Nach Informationen von Seemann, Bächle und Köberle hat die dem baden-württembergischen Wirtschaftsministerium nachgeordnete Denkmalstiftung angeregt, dass der Mühlacker OB Frank Schneider eine Geberkonferenz einberufen solle, um auf diese Weise alle potenziellen staatlichen und nichtstaatlichen Förderer zu versammeln. „Die Denkmalstiftung würde sich an dem Termin beteiligen“, sagt Bächle, dem wie Köberle ein entsprechendes Schreiben des Geschäftsführers der Behörde, Peter Rothemund, vorliegt. Geklärt ist übrigens auch, was mit den Spenden der Crowdfunding-Aktion passieren soll, wenn der SWR kein Interesse an weiteren Verkaufsverhandlungen haben sollte. Seemann dazu: „Dann legen wir das Geld in die noch zu gründende Denkmalstiftung Mühlacker, die die Stadt bereits vor zwei Jahren hätte anpacken können.“ Der Vereinschef ist jedoch davon überzeugt, dass der SWR an den Verhandlungstisch zurückkehrt. „Die Anstalt hat immer betont, dass sie zu strengstem wirtschaftlichen Handeln gezwungen ist“, merkt Seemann an, „deshalb kann sie es sich nicht leisten, das Angebot auszuschlagen.“ Bächle erhofft sich von einer Geberkonferenz die Initialzündung für neue Verhandlungen mit dem SWR. Die Rundfunkanstalt lasse sich nur über das Ministerium ansprechen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

„Es ist fantastisch“, bewertet Oberbürgermeister Frank Schneider die Aktion, „dass sich Bürger in dieser Form und über das normale Maß hinaus für ein Denkmal der Stadt engagieren.“ Dies, unterstreicht der Rathauschef, sei keinesfalls selbstverständlich. „Dafür ein Dankeschön.“ Er hoffe, lässt Schneider durchblicken, dass der SWR die neue Situation berücksichtige und – weil ein Monat verloren gegangen sei – auch über den 31. Januar hinaus den notwendigen zeitlichen Spielraum lasse, um unter erneuter Einbeziehung des Gutachters und in Abstimmung mit der Rundfunkanstalt, dem Wirtschaftsministerium und der Denkmalstiftung die offenen Fragen zu klären.

Der Südwestrundfunk bestätigt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass er über die jüngste Entwicklung im Bilde ist. „Der Vorstoß ändert aber nichts an unserer Grundsatzentscheidung“, sagt Unternehmenssprecher Wolfgang Utz. Für den SWR sei der Gemeinderatsbeschluss vom 10. Dezember bindend, der Abrissantrag sei inzwischen beim Regierungspräsidium gestellt. Man habe nicht vor, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Daran änderten auch 60000 Euro nichts. „Wenn, dann hätte es ein ernsthaftes Signal geben müssen, dass man an einem Kauf interessiert ist.“ Seemann hatte beim Pressetermin auch gesagt, dass man notfalls versuchen werde, den Mast über private Geldgeber zu erwerben. Auf solch eine Variante angesprochen, sagt Unternehmenssprecher Utz: „Wenn es einen privaten Käufer gibt, würden wir uns Gesprächen sicher nicht verweigern.“

Die Spenden-Aktion ist im Internet unter www.betterplace.org/p75887 zu finden.

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