Netzwerk hilft schwerstkranken Menschen

Enzkreis-Kliniken arbeiten mit ambulanten Partnern in der Palliativmedizin zusammen – Infotag am Krankenhaus

Von Frank Goertz Erstellt: 14. Januar 2020, 00:00 Uhr
Netzwerk hilft schwerstkranken Menschen Wollen schwerstkranken Menschen einen würdevollen Tod ermöglichen (v li.): Karin Watzal, Leiterin des Pflegestützpunkts Consilio Mühlacker, Hannelore Stegmaier vom Ambulanten Hospizdienst und Susanne Jost, Palliativschwester am Krankenhaus Mühlacker. Foto: Goertz

Die Angst vor dem Tabuthema „Sterben“ wollen die Enzkreis-Kliniken und ein Netzwerk ambulanter Partner aus den Bereichen Pflege und Palliativmedizin nehmen und laden am Samstag, 18.Januar, von 10 bis 17 Uhr zu einem Infotag am Krankenhaus Mühlacker ein.

Mühlacker. „Viele Menschen sterben im Krankenhaus, obwohl sie viel lieber ihre letzten Wochen, Tage oder Stunden in ihren eigenen vier Wänden verbringen würden“, weiß Susanne Jost, Palliativschwester und zuständig für die Überleitungspflege am Krankenhaus Mühlacker. Oft stehen Unwissenheit und Ängste bei Betroffenen und Angehörigen einem Tod in der vertrauten Umgebung im Weg. Unter anderem geht es dabei um Themen wie Patientenverfügung, Ernährung, Pflege, Schmerztherapie oder Hilfsmittel.

„Hier ist eine Unterstützung vor, während und nach dem Krankenhausaufenthalt notwendig“, sagt Dominik Nusser, Regionaldirektor der Enzkreis-Kliniken. „Es gibt so viele Hilfen im ambulanten Bereich, die es ermöglichen, dass Menschen in Würde sterben können“, ergänzt Palliativschwester Susanne Jost. Ein ganzes Netzwerk stehe bereit, um eine Brücke zu bauen vom Krankenhaus, das nichts mehr für die Patienten tun kann, hin zu einer würdevollen Pflege. Wobei es aber leider nach wie vor so sei, dass die meisten schwer kranken Menschen die letzten Stunden ihres Lebens in der Klinik verbringen und nicht in ihren eigenen vier Wänden, ihrer vertrauten Umgebung.

„Wir stellen immer wieder fest, dass es auch für die Angehörigen etwas ganz anderes ist, wenn ein geliebter Mensch zu Hause statt in der Klinik stirbt“, berichtet Hannelore Stegmaier vom ambulanten Hospizdienst Östlicher Enzkreis.

Der Hospizdienst ist ein Baustein in dem Netzwerk, das sich um die häusliche Versorgung schwerstkranker Menschen kümmert. Dazu gehört auch das Palliative Netz Pforzheim-Enzkreis, das für die medizinische Unterstützung zuständig ist. Es steht Patienten und Angehörigen rund um die Uhr zur Verfügung und kann Schmerzpatienten sofort Medikamente verabreichen, die für Linderung sorgen. Die „Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung“ orientiert sich an den medizinischen, pflegerischen und psychosozialen Bedürfnissen der Patienten und deren Angehörigen.

„Das Gefühl ,Ich darf zu Hause sterben‘ ist für viele Menschen, die ihren nahen Tod akzeptieren, enorm wichtig“, sagt Susanne Jost. Und deshalb setze sie alle Hebel in Bewegung, um diesen Wunsch zu erfüllen. Dabei greifen viele Räder ineinander. Zum Netzwerk gehören neben dem Hospizdienst und dem Palliativ-Netzwerk, das für die medizinische Betreuung zuständig ist, auch der Ethikkreis des Krankenhauses Mühlacker, die Palliativstation der Klinik Öschelbronn, das Sanitätshaus Hille, das sich um alle Hilfsmittel kümmert, die Sozialberatung am Krankenhaus, der Pflegestützpunkt Consilio Enzkreis und auch ehrenamtliche islamische Seelsorger, die Verständnis für kulturelle Unterschiede und die Rituale von Muslimen wecken wollen und auf die besonderen Bedürfnisse von Muslimen im Zusammenhang mit den Themen Pflege und Sterben eingehen. „Dieses Netzwerk ist in der Lage, den sterbenden Menschen und ihren Angehörigen in allen Phasen nahtlos beizustehen“, betont Karin Watzal, Leiterin des Pflegestützpunkts Consilio in Mühlacker.

Der Informationstag der Enzkreis-Kliniken und des Netzwerks der ambulanten Partner in der Palliativmedizin am kommenden Samstag, 18.Januar, von 10 bis 17 Uhr im Forum des Krankenhauses Mühlacker ist bereits der dritte seiner Art. „Die hohen Besucherzahlen der ersten beiden Infotage haben deutlich gezeigt: Wir treffen einen Nerv“, betont Palliativschwester Susanne Jost. Neben Vorträgen stellen sich auch die Partner des Netzwerks an Infoständen vor und stehen für Fragen bereit.

Frank Goertz

Stellvertretender Redaktionsleiter E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Frank.Goertz@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Bürgerprojekte machen Lust auf mehr

Bürgerprojekte machen Lust auf mehr

Es sind kleine und große Erfolgsgeschichten: Die Vorstellung der Bürgerprojekte, die aus den Zukunftswerkstätten im Jahr 2017 hervorgegangen sind, machte am Samstag Lust auf mehr. An der Pinnwand wurden gleich… »