PETA greift Mühlhäuser Sportfischer an

Tierschützer machen gegen das Wettangeln im Rahmen des Fischerfests mobil und zeigen alle 79 Teilnehmer und den Vereinschef an

Von Maik Disselhoff Erstellt: 8. August 2013, 00:00 Uhr
PETA greift Mühlhäuser Sportfischer an Die erfolgreichen Teilnehmer des Kameradschaftsfischens in Mühlhausen freuen sich über ihre Pokale. Jetzt stehen die Teilnehmer des Wettbewerbs im Visier der Tierschützer von PETA. Foto: Stahlfeld

Die Tierrechtsorganisation PETA fährt gegen den Sportfischerverein Mühlhausen schweres Geschütz auf. Die Aktivisten sehen im Wettangeln, das im Rahmen des Fischerfests stattfand, einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Mühlacker-Mühlhausen. PETA hat am Dienstag gegen den Vorsitzenden der Mühlhäuser Sportfischer Tobias Kärcher sowie die 79 Teilnehmer des Wettangelns vom vergangenen Wochenende Anzeige erstattet. Das bestätigt Bernhard Ebinger, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Pforzheim, auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Staatsanwaltschaft werde innerhalb der nächsten Tage prüfen, ob sie ein Ermittlungsverfahren einleite.

Für die Tierschützer von PETA ist das Wettfischen an der Enz ein klarer Fall von Tierquälerei. Zahlreiche Fische seien beim Preisangeln in Mühlhausen getötet worden, heißt es in einer Pressemitteilung von PETA. Die Organisation sieht im Wettfischen einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz. „Denn die Tötung der Tiere erfolgte ohne einen gerechtfertigten Grund im Sinne des Gesetzes“, so die Tierschützer, die den Rekordfang von insgesamt rund 118 Kilogramm Fisch scharf kritisieren. Laut der Gesetzeslage müsse der alleinige Grund des Angelns im Nahrungserwerb liegen, so PETA. Genau dies sei beim Fischen in Mühlhausen auch der Fall, erklärt der Vorsitzende der Sportfischer, Tobias Kärcher, der durch unsere Zeitung von der Anzeige erfuhr. „Die Teilnehmer, die bei uns mitgemacht haben, nehmen die Fische zum Verzehr mit nach Hause, da wird nichts weggeschmissen.“

Kärcher reagiert überrascht und gelassen auf den Angriff der Tierschützer, den es in dieser Form in der Vereinsgeschichte noch nie gegeben hat. „Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass wir nicht gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben.“

Ginge es nach der Tierrechtsorganisation, würde das Angeln generell verboten. Tanja Breining, Kampagnenleiterin für Meerestiere des Vereins PETA Deutschland, sagt: „Könnten Fische ihre Schmerzen durch laute Schreie ausdrücken, würde niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Beschäftigung zum Entspannen und Erholen.“ Das Töten von Fischen als Freizeitbeschäftigung und Sportveranstaltung zu klassifizieren, sei herzlos und gegen das Tierschutzgesetz.

Kärcher betont, dass jeder der Teilnehmer, der beim Wettangeln mitgemacht habe, in der Lage sei, „tiergerecht“ zu fischen. „Jeder hat die Fischerprüfung abgelegt, in der eine artgerechte Entnahme der Fische gelehrt wird.“ Im Klartext: Unnötig lange Qualen sollen den Flossenwesen erspart bleiben, wenn sie an der Angel hängen. „Wenn ein Fisch aus dem Wasser gezogen wird, töten wir ihn sofort.“

„Ich würde auf Dialog setzen, ehe ich die Staatsanwaltschaft bemühe“

Naturschützer Klemens Köberle

Kärcher weist außerdem darauf hin, dass Angler einen wichtigen Beitrag zum Tier- und Naturschutz leisten. Die Vereine setzten sich für den Erhalt der Gewässer und den Fischbestand ein. „Es gibt bei uns Schongebiete für die Fische, in denen sie sich zum Ablaichen zurückziehen können. Wir setzen zudem jedes Jahr Fische in die Enz ein“, so Kärcher, der erklärt, dass die Aktivitäten des Vereins der regelmäßigen Kontrolle des Regierungspräsidiums Karlsruhe unterlägen. „Die kriegen von uns jährlich die Fang- und Besatzlisten.“ Damit sei sichergestellt, dass es keine Überfischung gebe.

Der Mühlacker Naturschützer Klemens Köberle findet die Kritik von PETA am Wettfischen berechtigt, allerdings sei der Angriff der Aktivisten auf den Mühlhäuser Verein willkürlich und in der Form überzogen. „Ich würde zuerst einmal auf Dialog setzen, ehe ich die Staatsanwaltschaft bemühe“, sagt Köberle, der kein Freund des Wettangelns ist, auch wenn die Fische anschließend verspeist werden. „Damit habe ich moralische Probleme.“

Der Mühlacker Naturschützer findet, dass sich die Angelvereine, die auf dem Gebiet des Gewässer- und Naturschutzes wertvolle Arbeit leisteten, die grundsätzliche Frage stellen sollten, ob Wettfischen noch zeitgemäß sei. Die Arbeit von PETA sei wichtig, weil es vieles gebe, das beim Tierschutz noch im Argen liege, so Köberle. „Aber der Ton macht die Musik, PETA sollte manchmal vorsichtiger sein“, plädiert er für mehr Fingerspitzengefühl.

Maik Disselhoff

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