Die Retter mit dem langen Atem

175-Jahr-Jubiläum der Feuerwehr Mühlhausen mit Festakt und Umzug gefeiert – Aktive demonstrieren ihr Können bei Schauübung

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 1. Juli 2019, 00:00 Uhr
Die Retter mit dem langen Atem Zahlreiche Vereine und Gruppen nicht nur aus dem Ort beteiligen sich am Umzug durch Mühlhausen. Präsent ist beispielsweise auch die Feuerwehr Maulbronn (Bild re. oben).Fotos: Stahlfeld

An den entlang der Straßen aufgestellten Birken flattern rot-weiße Bänder, Fähnchen schmücken die Häuser. Mühlhausen hat sich am Wochenende herausgeputzt, schließlich wird Großes gefeiert: Seit 175 Jahren gibt es im Ort eine Freiwillige Feuerwehr, so lange wie sonst nirgendwo im Enzkreis.

Mühlacker-Mühlhausen. Rot-weiß, das sind die Farben für Mühlhausen, und sie zeigten eindrücklich, dass am Samstag und Sonntag nicht nur die Feuerwehrangehörigen, sondern der ganze Ort mit den Gästen beim Feuerwehr-Jubiläum feierte. „Wir sind stolz auf unsere Dorfgemeinschaft, ohne sie wäre die Ausrichtung des Jubiläums so nicht machbar“, betonte Friedrich Ade am Samstagabend beim offiziellen Festakt mit rund 200 Gästen im großen Zelt bei der Enztalhalle. Als Moderator kündigte Ade mit Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider den ersten Festredner an. 175 Jahre ein organisiertes Feuerwehrwesen zu besitzen, sei etwas Besonderes, sagte der Verwaltungschef und stellte fest: „Das passt aber eigentlich ganz gut zu den Einwohnern Mühlhausens.“

Als freies Reichsdorf seien sie es gewohnt gewesen, auf eigenen Füßen zu stehen. Zudem liege der Ort topografisch relativ abgeschieden, und auch die Steigung am Ortseingang sei in Zeiten, in denen das Automobil noch nicht erfunden war, eine echte Beschwernis für alle gewesen, die nicht den Weg durch das geschlängelte Enztal nehmen konnten. Gleichzeitig seien die Gebäude des Ortes eng angeordnet und der Fachwerk-Reichtum sehr hoch gewesen. „Somit waren die Mühlhäuser gut beraten, eine eigene Wehr auf die Beine zu stellen“, schlug Schneider die Brücke zur Gegenwart. Nur durch das Einstehen für den Nächsten und den ehrenamtlichen Dienst in der Feuerwehr sei es möglich, beim aktuell laufenden Sanierungsprogramm wieder so viele Fachwerkbauten zur alten Blüte zu bringen. Die Feuerwehrangehörigen setzten sich für Leib und Leben der Menschen und das kulturelle Erbe ein. Zusammen mit den Trockenmauern sei Mühlhausen ein Gesamtkunstwerk, das seinesgleichen suche.

„Die Feuerwehrangehörigen sind echte Profis, und das mit 100 Prozent Ehrenamt“, betonte auch Wolfgang Herz. Der Erste Landesbeamte des Enzkreises sprach ebenfalls seine große Hochachtung aus. Die Abteilung Mühlhausen sei eine von 67 Abteilungen im Enzkreis, die Ende 2010 insgesamt über 2200 Aktive zählten. Im vergangenen Jahr habe man mit 1800 Einsätzen Rekordwerte erreicht. Eine erhöhte Waldbrandgefahr, sich häufende Starkregenereignisse und weitere Auswirkungen des Klimawandels könnten nur mit einsatzbereiten Feuerwehrkameradinnen und -kameraden bewältigt werden, die motiviert, fit, geschult und gut ausgestattet sind, so Herz zu den Ehrengästen, unter ihnen der stellvertretende Kreisbrandmeister Martin Irion.

„Retten, löschen, bergen, schützen“, zitierte der Leiter der Feuerwehr Mühlacker, Philipp Baumann, den Wahlspruch deutscher Feuerwehren und beschrieb damit deren grundsätzliche Aufgaben. In der heutigen Zeit sei es keine Selbstverständlichkeit mehr, dass sich Männer und Frauen ehrenamtlich engagierten. Er sei stolz darauf, dass sich Menschen zusammenschließen, um der Sicherheit der Stadt zu dienen. In Mühlhausen gebe es die älteste Wehr des Enzkreises.

Und sie ist wohl auch der älteste Verein, wie die LMU-Stadträtin und Vorsitzende des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins, Dr. Ulrike Fuchs, betonte. Auf die Mühlhäuser Wehr sei immer Verlass gewesen, betonte Fuchs und überreichte im Namen aller Vereine und Institutionen einen Scheck über 1425 Euro.

Egal, ob die Feuerwehr nun 75 oder 175 Jahre alt werde, das Ziel sei immer dasselbe, sagte der Mühlhäuser Abteilungskommandant Michael Schmidt, dessen Abteilung 22 Aktive, vier angehende Floriansjünger und zwölf Kameraden in der Alters- und Ehrenabteilung zählt. „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ laute auch zukünftig der Leitspruch, so Schmidt. Ein Jubiläumsgeschenk überreichte unter anderen auch Thomas Flasche von der Partnerwehr in Reinhardtsgrimma (Sachsen), dann wurde im Festzelt beim Auftritt von milesTone kräftig gefeiert. Rund 120 Helfer waren an beiden Tagen im Einsatz.

Den Fest-Sonntag eröffnete ein Festgottesdienst, bei dem Landrat Bastian Rosenau die Predigt hielt. Neben einer Schauübung am Samstag, dem Auftritt der Ensinger Dorfmusikanten und dem Kreisspielmannstag stellte der Festumzug am Nachmittag einen der weiteren Höhepunkte dar. Rund 40 Gruppen, darunter zehn Spielmannszüge und so gut wie alle Vereine von Mühlhausen, zogen auf einer rund zwei Kilometer langen Strecke durch den geschmückten Ort.

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