Mühlackerer managt Berliner Arena

Gerhard Köchel ist der operative Leiter der 02 World in der Hauptstadt – Veranstaltungsort für weltbekannte Stars und Sport-Teams

Von Thomas Sadler Erstellt: 31. Dezember 2012, 00:00 Uhr
Mühlackerer managt Berliner Arena Arena-Manager Gerhard Köchel (Mitte) mit Star Udo Lindenberg (re.) und dessen Tourmanager.

Heute ein Konzert mit Rammstein und am nächsten Tag ein Eishockeyspiel mit den Eisbären: Die Arena 02 World Berlin ist eine multifunktionale Veranstaltungshalle. Und dafür, dass bei den Events alles reibungslos funktioniert, sorgt der Dürrmenzer Gerhard Köchel.

Mühlacker/Berlin. Seit 28 Jahren wohnt der gebürtige Österreicher mit seiner aus Mühlacker stammenden Frau Helga, mit der er drei erwachsene Kinder hat, in Dürrmenz. „Ich habe was ganz Anständiges gelernt, nämlich Elektriker“, sagt der 55-Jährige, der sich derzeit ein paar Tage Erholung vom täglichen Stress in der Hauptstadt gönnt. „Danach habe ich dann den Bühnenmeister gemacht.“

Dass er für eine imposante Großanlage verantwortlich zeichnet, ist für ihn indes nichts Neues. Jahrelang trug er zunächst als Techniker die Verantwortung für das damalige Neckarstadion des VfB Stuttgart, danach fungierte er als technischer Leiter des SI-Zentrums. Vom Südwesten führte ihn dann sein beruflicher Weg in den Norden nach Hamburg, wo er die technische Projektleitung für die Color-Line-Arena, das heutige 02 Hamburg, innehatte. 2006 wiederum brachte er sein Fachwissen in Nürnberg ein, wo er das „operative Umsetzen der Fußball-WM“ im dortigen Stadion übertragen bekam.

Auf dem Gipfel seiner bisherigen Karriere war er damit freilich noch nicht angekommen. Vor etwa eineinhalb Jahren war es dann so weit. „Ich habe von der US-amerikanischen Anschutz-Gruppe einen Anruf bekommen und wurde gefragt, ob ich nicht Director Operations für 02 World in Berlin werden wolle“, erzählt der gefragte Mann. Geografisch erneut ein weiter Sprung. Doch nachdem seine Familie grünes Licht gegeben hatte, griff Gerhard Köchel zu. „Das war eine Herausforderung und etwas noch Größeres. So eine Chance kriegt man nur einmal im Leben.“

Nachteil des Top-Jobs: Köchel muss zwischen Berlin und Mühlacker pendeln und manchmal für längere Zeit auf die heimische Umgebung verzichten. „In den letzten acht Wochen war ich keinen Tag zu Hause“, sagt er – und schiebt gleich hinterher: „Meine Familie kennt es gar nicht anders. Ich war mein ganzes Berufsleben immer unterwegs.“

Gerhard Köchels aktuelle Wirkungsstätte ist ein Veranstaltungsort für sportliche und kulturelle Highlights. Künstler von Helene Fischer bis zur Rockgruppe Rammstein, von Udo Lindenberg bis Madonna, Elton John und Jennifer Lopez treten hier auf. Die Berliner Eisbären jagen dem Puck hinterher, und die Basketballer des örtlichen Alba-Teams gehen an derselben Örtlichkeit unterm Korb auf Punktejagd. Und all dies kann sich unmittelbar nacheinander abspielen.

Wobei sich dem Außenstehenden die Frage stellen mag, wie das Spielfeld der Korbjäger mit dem rutschigen Untergrund der Eisbären in Einklang zu bringen ist. Denn, so Köchel, während der Eishockeysaison „ist die Eisfläche immer da“. Schön für die Eishockeyakteure, aber was ist mit den Alba-Jungs? Des Rätsels Lösung: Für die Basketballspiele wird das Eis einfach kurzerhand mit Parkett abgedeckt. Gleiches geschieht bei Konzerten. Auch dann kommt eine Abdeckung oben drauf, wobei das so unsichtbare Eis-Areal Platz fürs Publikum bietet. „Nach der Eishockesaison kommt die Eisfläche dann weg“, erläutert Gerhard Köchel weiter.

Ungenutzt ist die Arena nicht oft. Fast jeden zweiten Tag, manchmal auch täglich, sei hier was los, berichtet der Manager. „In den 19 Tagen vor Weihnachten fanden 16 Veranstaltungen statt. Wir haben im Jahr rund 150 Veranstaltungen. Nur im Sommer gibt es eine Pause.“

In der Praxis kann dies bedeuten: „Wir bauen von Konzert auf Eishockey um und dann wieder auf Konzert.“ Und bei alldem muss der Mühlackerer die Fäden in der Hand behalten. „Von der Reinigung über Security bis zu Technik und Veranstaltungsproduktion bin ich für alles zuständig.“ Klar, dass ein so gigantisches Unternehmen – „das 02 World ist ein großer Wirtschaftsbetrieb“ – auf ein vielköpfiges Personal zurückgreifen muss. Schon an Nichtveranstaltungstagen arbeiten hier mehr als 80 Mitarbeiter von Technik bis Buchhaltung. Steht mal wieder ein Event an, sind etwa 600 Kräfte, ergänzend auch von Fremdfirmen, tätig, um dafür Sorge zu tragen, dass alles reibungslos läuft.

Für den operativen Leiter heißt es dann: Morgens um 10 Uhr kommen und erst Feierabend machen, wenn nachts der letzte Besucher gegangen ist. 16-Stunden-Tage sind nichts Außergewöhnliches. Manch einem wäre das zu hart, weiß Gerhard Köchel. „Für diesen Job muss man ein bisschen verrückt sein und Spaß bei der Arbeit haben.“ Und er hat zweifellos Freude daran, jährlich im Schnitt einer Million Besuchern einen schönen Abend zu bescheren.

Angenehmer Nebeneffekt: Bei seiner Arbeit lernt der Arena-Mannager viele Prominente kennen, denen er den „Buddy-Bären“ überreicht. Beruhigend für den Angestellten ist überdies die Tatsache, dass die Berliner Arena im Gegensatz zu ähnlichen Örtlichkeiten schwarze Zahlen schreibe. Und noch etwas Positives zeichnet die Veranstaltungshalle aus: „Die Arena konnte 2008 eröffnet werden, weil die Brandschutztechnik funktioniert hat, was man vom geplanten Flugplatz in Berlin nicht behaupten kann“, meint Gerhard Köchel schmunzelnd.

Vielleicht kann er den Verantwortlichen ja den einen oder anderen Tipp geben…

Thomas Sadler

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