Mühlacker will Roma gezielt begleiten

Gesprächspartner soll ein Rom sein – Verwaltungsausschuss soll dem vorgesehenen Projekt am Dienstag zustimmen

Von Thomas Sadler Erstellt: 16. Februar 2018, 00:00 Uhr
Mühlacker will Roma gezielt begleiten Vor-Ort-Termin in Enzberg im Juli 2017 (v. li.): Dr. Oana Krichbaum, Vorsitzende der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft Pforzheim-Enzkreis, der Mühlacker Ordnungsamtsleiter Ulrich Saur und die städtische Integrationsbeauftragte Leila Walliser tauschen als ersten Schritt für weitere Kooperationen Visitenkarten, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Informationen aus. Archivfoto: Deeg

Lärmbelästigung, Probleme mit Müll, Schule schwänzen: Die in Enzberg lebenden Roma haben immer wieder für Ärger gesorgt. Um das zu verhindern, sollen sie künftig gezielt beraten und begleitet werden. Dies sieht ein Projekt vor, dem der Verwaltungsausschuss am nächsten Dienstag zustimmen soll.

Mühlacker. 90 bis 100 rumänische Staatsangehörige, die zu einem großen Teil der Bevölkerungsgruppe der Roma zuzurechnen sind, wohnen in Enzberg. Bei der Integration dieser Minderheit habe es in der Vergangenheit zahlreiche Probleme – etwa durch Schwierigkeiten bei der Mülltrennung und durch falsches Abstellen nicht einmal angemeldeter Fahrzeuge – und deshalb „teils massive Beschwerden“ aus der Bevölkerung gegeben, teilt das Ordnungsamt dem Ausschuss mit.

Wie von unserer Zeitung wiederholt gemeldet, hatten Kinder und Jugendliche der Roma den Rathausplatz in der Ortsmitte oft bis in die späten Abendstunden bevölkert, Abfälle weggeworfen und, so der Vorwurf von Enzbergern, Passanten belästigt. Die Folge solcher Vorkommnisse: In der Bevölkerung, so das Amt, machte sich ein „Unsicherheitsgefühl“ breit. Darauf reagierte die Stadtverwaltung mit verstärkten Kontrollen durch den Gemeindevollzugsdienst und zusätzlichen Einsätzen der Citystreife. Außerdem verhängte sie Verwarn- und Bußgelder und ahndete Schulversäumnisse. Zudem wurde eine Stelle für Kindersozialarbeit eingerichtet.

Im Juli vergangenen Jahres fand auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Gunther Krichbaum in Enzberg ein Termin mit Vertretern von Stadtverwaltung, Polizei und der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft Pforzheim-Enzkreis statt, die weitere Unterstützung zusicherte, etwa, wenn es um Übersetzungen gehe.

Die gute Nachricht: Gegenüber früheren Zeiten hat sich die Situation etwas beruhigt, wie die städtische Integrationsbeauftragte Leila Walliser schon im November 2017 zu verstehen gab. Geschuldet sei dies, so Walliser damals, den gemeinsamen Anstrengungen. Die mobile Jugendarbeit habe die Streetwork verstärkt, und auch der Elternverein der Hartfeldschule, Kindergärten und Kirchen zögen an einem Strang. Ebenfalls bezahlt machten sich die Bemühungen von Bürgern, junge Roma, wenn diese etwas falsch machen, direkt anzusprechen. Dabei stießen sie bei den Adressaten durchaus auf Aufmerksamkeit.

Nachhaltig gelöst ist das Problem mit seinen verschiedenen Facetten trotzdem nicht. Wiederholt ist es zu Beschwerden gekommen, welche die Nieferner Straße und die Dr.-Simons-Straße betroffen haben. Eine Kontaktaufnahme sei nicht zuletzt wegen der Sprachprobleme „kaum möglich“, stellt das Ordnungsamt in seiner Sitzungsvorlage für den Verwaltungsausschuss fest. Darüber hinaus sei die Verwaltung der Auffassung, dass neben der Fortsetzung der Kontrollen auch ein „integrativer Ansatz“ erforderlich sei.

In diese Richtung zielt nun auch das Projekt, das 2018 umgesetzt werden soll und den etwas sperrigen Namen „Aufsuchende Beratung und Begleitung für Roma“ trägt. Das Projekt wurde federführend von der städtischen Integrationsbeauftragten Leila Walliser in Abstimmung mit Jovica Arvanitelli und Christine Bast vom Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg, entwickelt. Arvanitelli ist selbst ein Rom, was den Vorteil hat, dass es kein Verständigungsproblem gibt und auch kein Dolmetscher benötigt wird. Außerdem, so das Ordnungsamt, seien ihm Lebensweise und Kultur der Roma bestens bekannt. „Wir gehen davon aus, dass er als Gesprächspartner der Roma akzeptiert wird.“

Das für ein Jahr angelegte Projekt basiert auf einer regelmäßigen Vor-Ort-Beratung der Roma, bei der es um einen regelmäßigen Schul- und Kindergartenbesuch ebenso gehen soll wie um die Themen Arbeit, Ausbildung und Integration sowie um die Einhaltung geltender Gesetze und Vorschriften. Aktuelle Probleme könnten über das Projekt gleichfalls angesprochen werden. Der Vorteil des Vorhabens sei, so die Verwaltung, dass es sich um eine „aufsuchende Hilfe“ handle. Die zweiwöchigen Termine sollen von 14 bis 22 Uhr schwerpunktmäßig in Enzberg stattfinden, wo die Räume des Stadtteilrathauses genutzt werden könnten. Ein Ziel des Projekts ist, bei den Roma einen Ansprechpartner für die Verwaltung zu finden, mit dem Probleme besprochen werden können.

„Sollte es an anderen Örtlichkeiten der Stadt zu ähnlich gelagerten Problemen kommen, wäre auch dort ein entsprechender Einsatz im Rahmen des Projektes möglich“, so Ordnungsamtsleiter Ulrich Saur, der dabei an den Stadtteil Mühlhausen denken mag. Wie bereits ausführlich berichtet, lösen dort Rumänen, bei denen es sich laut Verwaltung zumindest zum Teil um Roma handelt, Verdruss bei Anwohnern der Schlossstraße aus. Die Gründe für die Proteste der verärgerten Mühlhäuser: Lärm, wild geparkte Autos, Dreck, Müll und als Folge davon ein verstärktes Aufkommen von Ratten.

Thomas Sadler

Redakteur E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Thomas.Sadler@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen
Daumen drücken fürs Public Viewing

Daumen drücken fürs Public Viewing

Millionen Fußballfans fiebern dem „Endspiel“ gegen Schweden an diesem Samstagabend entgegen – und in besonderem Maße drücken, wenn sie gerade eine Hand freihaben, die Macher des Public Viewing in Mühlacker… »