Mühlacker soll „sicherer Hafen“ werden

Arbeitsgruppe bewegt das Schicksal von Flüchtlingen, die aus Seenot gerettet werden – Kommunen sollen Menschen helfen

Von Stefan Friedrich Erstellt: 12. Dezember 2019, 00:00 Uhr
Mühlacker soll „sicherer Hafen“ werden Flüchtlinge treiben in Schlauchbooten im Mittelmeer. Keiner will sie haben. Jetzt sollen Kommunen einen „Sicheren Hafen“ bieten. Fotos: privat/Friedrich

Mühlacker zu einem sicheren Hafen für Flüchtlinge zu machen, ist Ziel einer Arbeitsgruppe, die sich am Dienstagabend im katholischen Anton-Müller-Gemeindezentrum getroffen hat. Sie will diesbezüglich auf die Verantwortlichen der Stadt zugehen und präsentierte Beispiele anderer Kommunen, in denen das Thema bereits angegangen wird.

Mühlacker soll ein „Sicherer Hafen“ werden. Das hat sich eine Arbeitsgruppe mit Ottilie Läkemäker (v. li.), Manfred Budzinski, Martha Albinger und Irmgard Muthsam-Polimeni zum Ziel gesetzt.Mühlacker soll ein „Sicherer Hafen“ werden. Das hat sich eine Arbeitsgruppe mit Ottilie Läkemäker (v. li.), Manfred Budzinski, Martha Albinger und Irmgard Muthsam-Polimeni zum Ziel gesetzt.

Mühlacker. Vor wenigen Wochen erst hatte Olaf Oehmichen aus Asperg – er war als ehrenamtlicher Helfer mit der „Sea-Eye“ unterwegs gewesen und hat Flüchtlinge aus Seenot gerettet – bei einem Vortrag in Mühlacker eindringlich geschildert, welche Dramen sich in den internationalen Gewässern vor der libyschen Küste abspielen. Das hat bei vielen einen tiefen Eindruck hinterlassen. Infolge dieses Vortrags hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die ergründen will, welche Möglichkeiten es auch auf Ebene der Stadt Mühlacker und des Enzkreises gibt, den Flüchtlingen zu helfen. Zu dieser Gruppe gehören Irmgard Muthsam-Polimeni von der Service-Stelle Ehrenamt Asyl der Caritas Mühlacker, Martha Albinger, die bei der Ökumenischen Fachstelle Asyl der Caritas in Ludwigsburg die Aktion Seenotrettung betreut, die evangelische Kirchenbezirksbeauftragte zum Thema Asyl, Ottilie Läkemäker, und Dr. Manfred Budzinski vom Freundeskreis Asyl Mühlacker.

Im Anton-Müller-Gemeindezentrum haben sie sich ein erstes Mal über mögliche Ansätze ausgetauscht und dabei auch über andere Städte in Baden-Württemberg gesprochen, die sich mit dem Thema „Sicherer Hafen“ intensiv auseinandersetzen. In Baden-Württemberg beispielsweise beteiligen sich daran bereits zahlreiche Kommunen, größere wie Freiburg, Karlsruhe und Ulm, aber auch kleinere Gemeinden wie Marbach am Neckar oder Waiblingen.

Der „Sichere Hafen“ wurde von dem Bündnis „Seebrücke“ initiiert, eine Bewegung, die entstand, nachdem 2018 ein Rettungsschiff mit über 200 Menschen an Bord über mehrere Tage hinweg daran gehindert wurde, in Italien anzulegen. Kommunen können sich an der Aktion „Sicherer Hafen“ beteiligen, indem sie sich grundsätzlich dazu bereiterklären, aus Seenot gerettete Menschen bei sich aufzunehmen. Die Arbeitsgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch die Stadt Mühlacker für diese Aktion zu gewinnen, und will dazu in den nächsten Wochen mit Gemeinderatsmitgliedern in Kontakt treten. Der Gemeinderat wäre es nämlich auch, der über einen entsprechenden Antrag entscheiden müsste. Eine grundsätzliche Teilnahme an der Aktion „Sicherer Hafen“ wäre allerdings nicht gleichbedeutend damit, dass sofort auch Wohnraum zur Verfügung gestellt werden müsste, stellte Martha Albinger klar – zumal auch die Zahlen von Flüchtlingen aus der Seenotrettung insgesamt vergleichbar gering sind. Es wäre vielmehr ein Beschluss, der eine „Signalwirkung“ hätte. Signalwirkung eben auch im Sinne des Bündnisses Seebrücke, das der festen Überzeugung ist, „dass dort, wo die Bundespolitik ihrer Verantwortung nicht gerecht wird, die kommunale Politik tätig werden muss“.

Natürlich seien auch ehrenamtliche Helfer jederzeit willkommen, die die Arbeitsgruppe bei ihrem Anliegen unterstützen wollen, ist sich die Gruppe einig. Interessierte können sich an Irmgard Muthsam-Polimeni wenden, die telefonisch unter der Nummer 07041/5953 zu erreichen ist.

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