Mühlacker Kreißsaal akut gefährdet

Personalnot bei den Hebammen am Krankenhaus Mühlacker hat sich offenbar nochmals verschärft

Von Ramona Deeg Erstellt: 24. Mai 2019, 00:00 Uhr
Mühlacker Kreißsaal akut gefährdet Ohne „eigenen“ Kreißsaal würde auch die Angabe Mühlacker als Geburtsort im Personalausweis der Vergangenheit angehören.Foto: Huber

Mühlacker. Noch halten sich alle Verantwortlichen bedeckt, aber der noch vor wenigen Wochen versprühte Optimismus in puncto Kreißsaal-Rettung ist kaum mehr spürbar. Dem Vernehmen nach soll es im Team der Geburtshilfe in Mühlacker weitere Kündigungen gegeben haben. Das verschärft die ohnehin mehr als angespannte Situation in der Abteilung des RKH Krankenhauses. Schon seit Ende März ist – wie mehrfach berichtet – der Kreißsaal an den Wochenenden wegen des Personalmangels nicht mehr besetzt.

Viel Hoffnung hatten die Verantwortlichen, allen voran Regionaldirektor Dominik Nusser, in die Idee eines Beleghebammen-Kreißsaals gesetzt. Der Charme: Die Geburtshilfe würde in die Hände von freiberuflichen Hebammen übergehen, die den Kreißsaal betreuen, und für Notfälle wäre das (Ärzte-)Team des Krankenhauses jederzeit als Ansprechpartner vor Ort. Weil die Hebammen in dieser besonderen Konstellation selbstständig arbeiten, spielten Arbeitszeitgesetze nicht die große Rolle, und Geburten könnten auf jeden Fall von Anfang bis Ende von der gleichen Person betreut werden, weil kein Schichtwechsel erfolgen müsste. Dieses System, das unter anderem in Schwäbisch Hall praktiziert wird, wurde Anfang Mai bei einem Infoabend für Hebammen vorgestellt.

„Im Moment würden wir dieses Modell auch favorisieren“, hatte Nusser im Vorfeld gesagt. Zur aktuellen Situation und angesprochen auf die weiteren Kündigungen im Team der Hebammen nimmt der Regionaldirektor zurückhaltend Stellung: „Wir sind nach wie vor im Gespräch, daher kann ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt inhaltlich noch nicht äußern.“

Oberbürgermeister Frank Schneider, der als FDP-Kreisrat Mitglied im Aufsichtsrat des Krankenhauses ist, sagt, dass er darüber informiert ist, dass es Probleme gebe, und er sehr hoffe, den Kreißsaal erhalten zu können. Bevor er weitergehend Stellung nehmen könne, stünden noch nichtöffentliche Sitzungen an. „Selbstverständlich ist das Ziel eine Aufrechterhaltung, sonst müssten wir uns ja nicht besprechen.“ Über eine langfristige Schließung will sich Rolf Leo, scheidender FW-Kreisrat und Aufsichtsratsmitglied, keine Gedanken machen. „Das kommt mit Sicherheit für kein Mitglied des Aufsichtsrats infrage“, betont er. Die Geburtshilfe müsse erhalten bleiben. Das Krankenhaus habe sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, ein Rückschlag wie die endgültige Schließung des Kreißsaals sei keinesfalls hinnehmbar und gelte es zu verhindern.

Auch CDU-Kreisrat und Gemeinderat Günter Bächle ist gegen eine mögliche Schließung. Er plädiert dafür, Geld für Honorar-Hebammen in die Hand zu nehmen, um Zeit zu überbrücken, in der man hoffentlich eine dauerhafte Lösung für den Mühlacker Kreißsaal finde: „Die dadurch entstehenden Mehrkosten trage ich gerne mit.“ Wichtig sei, dass das Krankenhaus eine Bestandsgarantie für den Kreißsaal gebe, um den angestellten Hebammen Sicherheit und eine Perspektive zu geben.

Dass man das Problem holdingweit erkannt hat und angeht, hebt Grünen-Kreisrat und Aufsichtsrat Hasan Özer hervor und verweist auf die krankenhausübergreifende Ausbildung und das Vorhaben, einen Pool an Mitarbeitern aufzubauen, die an den Häusern flexibel eingesetzt werden könnten. „Bis das Früchte trägt, wird es noch ein bisschen dauern, daher wäre es gut, wenn wir dem Kreißsaal Zeit geben, um die Entwicklung abzuwarten.“

Weiterlesen
ProZwo: Festival sucht Künstler für die Bühne

ProZwo: Festival sucht Künstler für die Bühne

Mühlacker ™. Egal ob Musiker, Band, Artist, Akrobat, Jongleur oder Kabarettist: „Wir haben beim Kunstfestival für jeden einen Platz auf der Bühne, der seine kreativen Seiten präsentieren möchte“, sagt Damian… »