Mit Freude zum Unterricht

Die Gemeinschaftsschule Mühlacker informiert am Mittwoch über ihr Angebot – Zwischenbilanz nach fast drei Jahren fällt positiv aus

Von Carolin Becker Erstellt: 21. März 2017, 00:00 Uhr
Mit Freude zum Unterricht Ruhig und selbstständig arbeiten die Gemeinschaftsschüler nicht nur unter dem Auge des Fotografen. Auch sonst zeichneten sie sich durch diese Tugenden aus, lobt die Rektorin. Foto: Fotomoment

„Je mehr die Leute wissen, was wir machen, desto größer wird die Nachfrage.“ Auf diese kurze Formel bringt Rektorin Waltraud Schellenberger-Hagenbucher das steigende Interesse an der Gemeinschaftsschule Mühlacker. Diese bietet jetzt gleich doppelt die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen.

Mühlacker. „Selbstständig und aus eigenem Antrieb lernen? Das funktioniert doch nie.“ Solche oder ähnliche skeptische Äußerungen würden von Außenstehenden mitunter immer noch an sie herangetragen, sagt Johanna Bächle, die Leiterin des Mühlacker Amts für Bildung und Kultur.

Sie selbst jedoch sei nach den Erfahrungen von bald drei Schuljahren vom pädagogischen Konzept der Gemeinschaftsschule überzeugt, die den Ansatz verfolgt, Kinder beim Übertritt auf die weiterführende Schule nicht bereits auf einen bestimmten Abschluss festzulegen. Doch nach wie vor gelte es, gewisse Vorbehalte und Ängste auszuräumen.

Die Gelegenheit dazu bestehe am morgigen Mittwoch, 22. März, 19 Uhr, im Rahmen eines Eltern-Infoabends und am Samstag, 25. März, von 10 bis 12 Uhr bei einem Tag der offenen Tür.

Bis zu den beiden Anmeldetagen, die die Gemeinschaftsschule am 4. und 5. April anbietet, sollten die Eltern der künftigen Fünftklässler ihre Entscheidung dann getroffen haben. „Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin stabil zweizügig sein werden“, blickt Johanna Bächle voraus. Nicht nur als Amtsleiterin, die das Gespräch mit Eltern gesucht habe, sondern auch als Mutter einer Gemeinschaftsschülerin sei sie mit der neuen Schulform sehr zufrieden. Dort werde von engagierten Kräften solide und ohne Reibungsverluste gearbeitet, die Kinder gingen mit Freude zum Unterricht.

Aktuell besuchen 51 Kinder die Klassen 5 der Gemeinschaftsschule Mühlacker, 49 Sechstklässler weist die Statistik aus und 47 Siebtklässler. „Die Nachfrage steigt“, entnimmt Rektorin Waltraud Schellenberger-Hagenbucher unter anderem der Tatsache, dass Eltern auch von auswärts schon vorab anriefen, um die Anmeldetermine in Erfahrung zu bringen.

Die Rückmeldungen von jenen, die die Schule bereits kennen, seien ebenfalls positiv. „Jedes Kind hat Fähigkeiten und Talente, die es zu fördern gilt. Aufgabe der Schule muss es sein, eine optimale Entwicklung der Potenziale jedes Einzelnen zu ermöglichen“, erläutert Waltraud Schellenberger-Hagenbucher das pädagogische Konzept. Gearbeitet werde nach den jeweiligen „Input-Phasen“ selbstständig.

Weil die Gemeinschaftsschule eine Ganztagsschule ist, seien die Kinder und Jugendlichen fertig mit ihren Aufgaben, wenn um 15.30 Uhr der Schultag endet. „Eine Ausnahme ist das Vokabellernen“, nennt die Schulleiterin eine weiterhin zu Hause zu erledigende Pflicht. Auch die Lektüre von Büchern und teilweise die Arbeit an Projekten müssten in den eigenen vier Wänden stattfinden.

Tests und Arbeiten würden auch an der Gemeinschaftsschule geschrieben, sagt Waltraud Schellenberger-Hagenbucher, doch würden dem Schüler dafür statt eines starren Termins bestimmte Zeitfenster vorgegeben. Eine Note im klassischen Sinn werde nur ausgewiesen, wenn dies die Eltern wünschten. Das Zeugnis könne, müsse aber nicht Zensuren enthalten, die jeweils auf die individuellen Leistungsniveaus abgestimmt seien. Erkennbar sei der Trend, dass die Eltern von Siebtklässlern eher auf Noten setzten als die Mütter und Väter der jüngeren Schüler. „Sie wollen wissen, wo ihr Kind steht“, sagt die Rektorin.

Die Gemeinschaftsschule eröffne den Weg zu allen Abschlüssen, entsprechend setze sich das Kollegium zusammen. „Das Miteinander im Team gestaltet sich problemlos – einzig die unterschiedliche Bezahlung wird als ungerecht empfunden, aber das ist Sache der Politik“, sagt die Chefin, deren eigener Alltag noch stärker als früher von Managementaufgaben geprägt ist.

„Die Lehrer haben sich sehr gut eingearbeitet und viele Fortbildungen besucht. Die individuelle Förderung und das Lerncoaching funktionieren prima“, lautet ihre Zwischenbilanz. Schüler in Klassen, die das Prinzip Gemeinschaftsschule bereits verinnerlicht hätten, verhielten sich ruhiger, könnten allein oder in Gruppen arbeiten, ohne ständig kontrolliert werden zu müssen. Auch bei den Kindern selbst komme das System gut an, entnimmt die Rektorin beispielsweise der Unterhaltung mit einem Schüler, der auf Gymnasialniveau lerne, aber keineswegs an einen Schulwechsel denke.

Einen örtlichen Wechsel wird es allerdings nach den Sommerferien für einen Teil der Gemeinschaftsschüler geben: Die Klassen 5 und 6 ziehen in die Ulrich-von-Dürrmenz-Schule. „Stundenplantechnisch wird das nicht einfach. Das erfordert eine organisatorische Meisterleistung“, schaut Waltraud Schellenberger-Hagenbucher auf eine Aufgabe voraus, für deren Lösung zwar keine Eins im Zeugnis, aber die Zufriedenheit von Schülern, Lehrern und Eltern als Lohn winkt.

 

Am Mittwoch, 22. März, findet um 19 Uhr ein Eltern-Infoabend im ersten Stock der Schiller-Gemeinschaftsschule, Zimmer 117, statt. Präsent sind Schüler, Lehrer, Elternvertreter und die Schulleitung. Eine weitere Möglichkeit, Einblicke zu gewinnen, bietet der Tag der offenen Tür am Samstag, 25. März, von 10 bis 12 Uhr.

Carolin Becker

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