Mehr Betrieb an und in der Enz

Hitzewelle in Verbindung mit den Corona-Beschränkungen für Freibäder führt zu größerem Andrang am Fluss. DLRG Mühlacker warnt über Hinweistafeln vor den Gefahren. In der Nähe des Flusskraftwerks droht Lebensgefahr.

Von Thomas Eier Erstellt: 12. August 2020, 00:00 Uhr
Mehr Betrieb an und in der Enz Bei Freiwasserschwimmkursen machen die Ausbilder der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) in Mühlacker auf die besonderen Tücken in der Enz aufmerksam. Foto: Archiv

Mühlacker. Während die Kameraden in Maulbronn in Corona-Zeiten auf einen Wachdienst am Tiefen See verzichten, ist der Einsatz der DLRG-Ortsgruppe Mühlacker im Freibad in diesem Sommer mit begrenzter Besucherzahl schlichtweg nicht nötig. „Wenn in normalen Jahren das Bad an seine Kapazitätsgrenzen stößt, ist das Freibad-Team froh über unsere Unterstützung“, stellt Moritz Speidel fest, „aber bei maximal 300 Besuchern …“

Die Begrenzungen wegen der Pandemie sind ein Grund dafür, warum sich in diesem Jahr deutlich mehr Menschen am und im Fluss tummeln, hat das Vorstandsmitglied der DLRG Mühlacker, das eben eine zusätzliche Ausbildung zum Strömungsretter absolviert, festgestellt. „Es ist erheblich mehr los an und in der Enz“, so der Eindruck Speidels. Insbesondere auf dem Abschnitt beim Hallenbad beziehungsweise bei der Enztalsporthalle seien nicht nur Stand-up-Paddler und Kanuten zu beoachten, sondern auch Schwimmer. Doch weil die „stille Enz“ trotz des beschaulichen Eindrucks nicht frei von Gefahren ist, hatte die DLRG-Ortsgruppe erst vor wenigen Wochen spezielle Warntafeln am Ufer platziert. Ein Hinweis, der zur aktuellen Situation am Tiefen See passt, lautet: „keine Badeaufsicht“.

Wie am Badesee muss auch an der Enz jeder Schwimmer und Freizeitsportler selbst darauf achten, dass ihm nichts passiert. In dieser Hinsicht gilt es einige Regeln zu beachten, und die wichtigste heißt laut Moritz Speidel: Das Wehr meiden! Als absolute Untergrenze für den Mindestabstand nennt der DLRG-Retter 50 Meter, „aber lieber deutlich mehr“, weil es wegen der Sogwirkung des Flusskraftwerks rasch lebensgefährlich werden könne.

Während ansonsten bei geschlossenem Wehr und normalem Pegel die Strömung auf diesem Abschnitt der Enz kein entscheidender Faktor sei, gibt es laut Speidel andere Tücken; zum Beispiel die Ein- und Ausstiege, die, zum Beispiel bei der Enztalsporthalle, unter den Hochwassern der Vergangenheit gelitten haben. Spätestens dann, wenn mehrere Schwimmer aus dem Wasser geklettert seien, werde es glitschig, und ein Ausrutscher am Ufer könne fatale Folgen haben: „Man stelle sich vor, jemand schlägt sich den Kopf an und fällt ins Wasser …“ Wegen der teilweise steil abfallenden Uferbereiche an der Enz sei Eltern dringend zu raten, kleine Kinder, die nicht schwimmen können, jederzeit im Blick und in Griffweite zu haben, mahnt der DLRG-Retter.

Auf tieferen Abschnitten der Enz sind unter der Oberfläche treibende Baumstämme, die teilweise schwer zu erkennen sind, eine weitere Gefahr. Auch deshalb sei ein Sprung in den Fluss – zum Beispiel vom Geländer des Metterstenstegs – verboten. Dagegen gebe es in Mühlhausen, wo viele die Enz ebenfalls für eine Erfrischung nutzen, andere Dinge zu beachten: Wer sich beispielsweise unterhalb des Stauwehrs – unter Einheimischen „Falle“ genannt – ins Niedrigwasser wage, so Speidel, könne sich an spitzen Steinen verletzen oder sich den Fuß vertreten.

Die Enz, erinnert der 22-Jährige, der zu den Einsatzkräften der DLRG Mühlacker zählt und sich als Ausbilder für Nachwuchsrettungsschwimmer engagiert, sei bei aller vermeintlichen Idylle ein Fließgewässer, das andere Bedingungen aufweise als ein Badesee. Wobei dies auch einen entscheidenden Vorteil habe: Wenn im Fluss die Kräfte schwinden, sei mit wenigen Zügen das rettende Ufer zu erreichen.

Was im Fluss wie auf dem See gilt: Luftmatratzen und Schwimmflügel sind keine Garantie für Sicherheit, wenn jemand nicht sicher schwimmen kann, und Gleiches gelte bei Touren über die Enz auf Paddelbrettern. Oberstes Gebot ist aus Sicht der DLRG neben einer Portion Vorsicht eine solide Ausbildung. „Unser Motto lautet: jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer und jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer“, wirbt Speidel für eine Teilnahme an den Lehrgängen des Vereins, der unter anderem Freiwasserschwimmkurse anbietet. Ein Format, das in diesem Jahr wegen der Corona-Folgen und dem damit verbundenen Ansturm auf Flüsse und Seen zusätzlich an Bedeutung gewonnen hat.

Thomas Eier

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