Mappus, wie er leibt und lebt

CDU-Anhänger und Weggefährten bieten dem Rückkehrer einen herzlichen Empfang – und feiern seinen Vortrag

Von Thomas Eier Erstellt: 1. Februar 2016, 00:00 Uhr
Mappus, wie er leibt und lebt Mappus, wie er leibt und lebt

„Wart’s ab!“ Selbst von alten Freunden lässt er sich, was eventuelle politische Ambitionen betrifft, keine klare Aussage entlocken. Seine Weggefährten und Anhänger aus CDU-Kreisen fühlen sich dagegen bestätigt: Stefan Mappus ist damals, nach seinen Lehrjahren im Mühlacker Gemeinderat, nicht umsonst bis an die Spitze aufgestiegen.

Mühlacker. Lob und Anerkennung sind dem verlorenen Sohn der Stadt sicher, nachdem dieser in seiner gut einstündigen Rede einen weiten Bogen geschlagen hat, von den heimatlichen Gefühlen an alter Wirkungsstätte bis hin zur Besorgnis um das vereinte Europa. Seine Rede auf kleiner Bühne vor rund 130 Gästen im Pavillon der Musikschule Gutmann hat auch überregionale Berichterstatter angelockt wie den Chefreporter der Stuttgarter Nachrichten, Frank Krause, der für den Mantelteil unserer Zeitung schreibt (siehe Artikel auf Seite 3). Er wundere sich, sagt Krause, dass der SWR nicht vertreten sei.

Ein Fernsehbeitrag über einen früheren Ministerpräsidenten, der in der heimischen Provinz eine Neujahrsansprache hält? Hieße der ehemalige Regierungschef nicht Stefan Mappus und hätte er nicht über seine kurze, ereignisreiche Amtszeit hinaus weiterhin Schlagzeilen gemacht, die Frage würde kaum aufkommen. „Es war ein guter Schachzug, ihn einzuladen“, meint angesichts des Andrangs ein zufriedener Günter Bächle, der mit seinem Fraktionskollegen aus dem Gemeinderat, Wolfgang Schreiber, den Auftritt des einstigen politischen Ziehsohns eingefädelt hatte. Der CDU-Anhang strömt und spendet begeistert Beifall. „Er isch halt en Enzberger“, schwärmt der Sengacher CDU-Stadtrat Theo Bellon, der dabei den Anschein erweckt, als gäbe es kein größeres Lob.

Anderen ist der Lokalpatriotismus weniger wichtig, aber in ihrem inhaltlichen Urteil sind sich alle einig, vom Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden Gunther Krichbaum („Sehr gute Rede“) über die Landtagsabgeordnete und Kandidatin Viktoria Schmid („Super!“) bis hin zur Ehefrau Susanne Verweyen-Mappus: „Er macht das gut“, sagt sie über das Talent des Gatten am Rednerpult, wo Stefan Mappus seinen Ruf als Freund klarer Analysen und deutlicher Worte bestätigt, die aus Sicht altgedienter CDU-Mitglieder geradezu wohltuend wirken mögen. „Mappus, wie er leibt und lebt“, bestätigt der Knittlinger Stadt- und Kreisrat Martin Reinhardt, und diese Aussage ist in Zeiten, da die Parteibasis in Protestbriefen klare Konzepte und mehr Führungsstärke einfordert, als Gütesiegel zu verstehen.

„Sehr guter Vortrag“, honoriert auch der Parteinachwuchs in Person von Philipp Dörflinger die Leistung seines Vor-Vor-Vor-…Vorgängers im Amt des Kreisvorsitzenden der Jungen Union. Mit der Frage, ob er sich nicht mehr markante Typen vom Schlage eines Mappus in seiner Partei wünschen würde, lässt sich der aktuelle JU-Chef nicht aus der Reserve locken. „Wir haben markante Persönlichkeiten“, widerspricht er einem Mangel an Charakterköpfen, und jede Anspielung auf eine mögliche Rückkehr von Stefan Mappus aufs politische Parkett pariert der 19-Jährige sehr routiniert: „In der CDU hat jeder seinen Platz, der sich engagieren will.“

Vor wenigen Jahren noch hätte sich ein JU-Vorsitzender der guten Beziehungen zu einem Stefan Mappus gerühmt, und an diesem Punkt zeigt sich, dass der Zuspruch der alten Freunde und Weggefährten aus Mühlacker nicht zwangsläufig das landesweite Stimmungsbild innerhalb der CDU widerspiegelt. Gunther Krichbaum und Viktoria Schmid glauben nicht an einen politischen Neuanfang ihres Duz-Freundes, wenngleich die Wahl des Vortragsthemas „Europa im kontinuierlichen Wandel“ die Spekulationen beförderte. Gegenüber seinem Mentor Günter Bächle schloss Mappus jedoch eine Kandidatur fürs europäische Parlament aus – dann schon lieber Bundestag, habe er in lockerer Runde beim Stehempfang gescherzt.

Die Veranstaltung trug familiäre Züge, und das nicht nur, weil der 13-jährige Sohn Christian – sein jüngerer Bruder Benedikt fehlte erkältet – mit von der Partie war. In Mühlacker und in weiten Teilen des Enzkreises gilt Stefan Mappus allen Querelen auf Landesebene zum Trotz noch immer als Aushängeschild der CDU, und das Bedauern über seinen unfreiwilligen Rückzug könnte nach dem Sonntagmorgen noch angewachsen sein. Ein Stefan Mappus, so der Eindruck, den er mit einer geschliffenen Rede erweckt, würde die Probleme im Land und in der Welt zwar nicht im Handstreich lösen, aber doch konsequent ansprechen und entschlossen anpacken – und so die AfD überflüssig machen. Kann man was lernen, Frau Schmid?, lautet die augenzwinkernde Frage. „Immer!“

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