Schatzjäger suchen den Friedhof der Gruselpuppen

Revierförster ist wenig begeistert von der makabren Inszenierung

Von Frank Goertz Erstellt: 4. Mai 2016, 00:00 Uhr
Schatzjäger suchen den Friedhof der Gruselpuppen Revierförster Marco Heinrich mit zwei der Lomersheimer Horrorpuppen. Zur Inszenierung gehört auch ein Tresor, der sich nur mit einem Geheimcode knacken lässt. Foto: Goertz

Verdrehte Gliedmaßen, blutbeschmierte, malträtierte Körper: Die in einem Lomersheimer Waldstück versteckten Horrorpuppen sind nichts für zart besaitete Seelen. Förster Marco Heinrich ist wenig begeistert. Er will den Puppenfriedhof in einigen Tagen abräumen. Die Rechtslage ist allerdings kompliziert.

Mühlacker-Lomersheim. Marco Heinrich und seine Waldarbeiter haben nicht schlecht gestaunt, als sie Ende April bei Baumfällarbeiten auf die makabre Inszenierung gestoßen sind. Inzwischen hat sich der Verdacht bestätigt, dass die Horrorpuppen Bestandteil eines Geocache-Mysteryrätsels sind. Bei dieser modernen Freizeitbeschäftigung, die immer mehr Anhänger findet, handelt es sich um eine Art Schnitzeljagd, bei der die Geo-Koordinaten im Internet veröffentlicht und anschließend von Geocachern mit Hilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden.

Zum inszenierten Puppenfriedhof in Lomersheim gehört auch ein Tresor an einem alten Strommast, der nur mit einem geheimen Code geknackt werden kann. In ihm soll sich ein Logbuch befinden, in das sich die Schatzsucher eintragen können. Der „Cache“ ist Bestandteil des Mystery-Trails „Master of Puppets“ den ein Geocacher mit dem Pseudonym „m@ddi“ bereits im September 2015 angelegt hat.

Revierförster Marco Heinrich hat generell nichts gegen die moderne Schatzsuche. Mit dem Fall in Lomersheim hat er allerdings Probleme. „In der Nähe sind Wohnhäuser. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Kinder die Gruselpuppen zufällig entdecken.“

Heinrich hofft, dass der Urheber des Mystery-Trails seine Puppen freiwillig abräumt. „Ich warte jetzt noch einige Tage. Sollte der Puppenfriedhof dann immer noch nicht verschwunden sein, werde ich ihn selbst entfernen“, kündigt Heinrich an. Die Puppen einfach wegwerfen, kann er allerdings nicht. „Ich muss sie aufbewahren, falls der Besitzer sie wiederhaben möchte“, hat Heinrich von der Polizei erfahren. Gegen den makabren Puppenfriedhof sei rechtlich übrigens nichts einzuwenden. „Der Urheber hat sich nicht strafbar gemacht“, betont Heinrich. „Nach dem Gesetz darf sich jeder Bürger im Forst völlig frei bewegen.“

Dieses Recht, auf das sich Geocacher berufen können, habe aber auch seine Tücken. „Es kommt vor, dass Schätze an Orten tief im Wald versteckt werden, die aus Gründen des Naturschutzes eher nicht betreten werden sollten“, sagt Heinrich. „Etwa in Gebieten, in denen geschützte Vogelarten wie der Milan einen Horst haben.“

Heinrich will kein Spielverderber sein und den modernen Schatzsuchern ihren Spaß nehmen. „Das Problem ist nur, dass alles völlig ungesteuert abläuft“, bedauert der Förster. „Es wäre schön, wenn gewisse Verhaltensregeln eingehalten würden.“ Das Problem sei nur, dass das Forstamt so gut wie gar keinen Kontakt zu den Schatzjägern hat, die im Internet unter Pseudonymen ihre versteckte Schätze veröffentlichen. Allerdings gibt es die Möglichkeit auf der Seite www.geocaching.com, auf der auch „Master of Puppets“ veröffentlicht ist, per Mailformular mit den Urhebern der Trails in Kontakt zu treten.

Der Schöpfer von „Master of Puppets“ beschreibt seine Inszenierung als „Mystery Night Cache“, der „nichts für Kinder, NC-Anfänger, ängstliche und die, wo das hier ernst nehmen“ sei. „Nachts sind alle Puppen böse“, warnt m@ddi. „Tags noch das Lieblingsspielzeug des kleinen Mädchens, nachts ein schreckliches Biest!“ Die Puppen seien von dem bösen Puppenmeister, dem Master of Puppets heimgesucht worden. „Puppen, die sich ihm wiedersetzen, nimmt er mit zu seinem Unterschlupf, der Island of Dolls“, heißt es weiter in dem Begleittext. „Dort foltert und tötet er sie. Wenn du seinen Unterschlupf finden willst, musst du ihm auf seinen Spuren der Nacht folgen“, empfiehlt m@ddi den Schatzsuchern. Anhand der Logbucheinträge im Internet lässt sich nachvollziehen, dass schon mindestens 78 Schatzjäger den Puppenfriedhof in dem unwegsamen Waldstück gefunden haben.

 

Das Forstamt würde gerne in Kontakt mit den GPS-Schatzsuchern kommen. Es ist unter der Rufnummer 07231/3081881 zu erreichen. Wie Revierförster Marco Heinrich betont, gehe es nicht darum, die Geocaches zu unterbinden. Allerdings sollten im Sinne des Naturschutzes gewisse Regeln eingehalten werden.

Frank Goertz

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