Das Familienleben neu organisiert

Die Osterferien haben begonnen – doch in diesem Jahr macht das keinen großen Unterschied zu den letzten „Schultagen“

Von Maren Recken Erstellt: 6. April 2020, 00:01 Uhr
Das Familienleben neu organisiert Martina Böhm hilft ihren Kindern Leandra und Marvin bei der Schularbeit. Foto: Recken

Der Spielplatz liegt genau gegenüber und ist in Zeiten der Corona-Auflagen dennoch unerreichbar. Die Krise stellt Familien, die ihren Alltag umkrempeln müssen, vor neue Herausforderungen.

Mühlacker. An schönen Frühlingstagen wie diesen tut die Ausnahmesituation besonders weh. Die Osterferien haben begonnen, doch ein echter Unterschied ist dieses Mal nicht zu spüren. Schulen und Kindergärten sind schon seit Wochen geschlossen, außerdem sind auch die Spiel- und Bolzplätze tabu. Gleiches gilt für das Fußballtraining oder für die Treffen mit Freunden.

April 2020, einer der letzten „Schultage“ vor dem Ferienbeginn bei Familie Böhm in Lomersheim. Der Frühstückstisch ist abgedeckt, und wo noch vor wenigen Minuten Nutella-Brot und Müsli-Schale standen, werden jetzt Zeichenblock und Matheheft ausgebreitet. Der zehnjährige Marvin arbeitet an einer Buchpräsentation und malt dafür große Buchstaben auf einen DINA3-Block. Ihm gegenüber sitzt seine achtjährige Schwester Leandra über ihren Aufgaben. Eigentlich würden der Viert- und die Drittklässlerin um diese Zeit – es ist kurz nach 8 Uhr – gemeinsam mit ihren Klassenkameraden im Unterricht sitzen; stattdessen lernen sie gezwungenermaßen daheim. „Marvin hat bestimmte Aufgaben, die er täglich erledigen muss. Bei Leandra ist es anders. Sie muss bis zu den Osterferien alle Aufgaben im Matheheft bearbeitet haben. Die Reihenfolge ist egal“, erzählt Mutter Martina Böhm und wählt gemeinsam mit ihrer Tochter aus, was genau an diesem Morgen gerechnet werden soll.

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Bunte Klebezettel sollen als Erinnerungsstütze für die Tochter dienen, wenn die Mutter gleich zur Arbeit geht. Als Angestellte einer Physiotherapiepraxis ist Homeoffice für sie keine Option; ebenso wenig für den Vater, der als Logistikleiter tätig ist. „Es ist schon ein ungutes Gefühl, wenn man die Kinder zwischendurch mal kurz alleine zu Hause lassen muss. Ob sie sich vertragen und so …“, schildert Martina Böhm, wie sie sich fühlt, wenn sich die Arbeitszeiten der Eltern kurzzeitig überschneiden.

Trotzdem funktioniere es ganz gut, berichtet sie; nicht zuletzt deshalb, weil die Familie genau festgelegt hat, wie der Alltag in der Sondersituation ablaufen soll – zeitig aufstehen, frühstücken und danach mit den Schulaufgaben beginnen. „Die Kinder machen regelmäßig kleinere Pausen wie in der Schule auch, sonst wird es zu viel und sie können sich nicht mehr konzentrieren“, schildert die Mutter den Schultag im heimischen Wohnzimmer. So weit läuft der Alltag fast schon „normal“ weiter. Zu den Ausnahmen gehört, dass die Kinder mehr fernsehen dürfen als sonst. „Sie dürfen, wenn ich bei der Arbeit bin, einen Kinderfilm auf DVD anschauen, dann klappt das gut. So lange bin ich ja auch nicht weg.“

Schwieriger sei da die gemeinsame Freizeitgestaltung. „Familienausflüge oder der Besuch im Schwimmbad fallen weg. Zu Oma und Opa dürfen die Kinder momentan auch nicht“, zählt die Mutter auf, was wegen der Corona-Beschränkungen fehlt. „Wir vermissen unsere Freunde, und dass wir uns nicht mit ihnen zum Spielen treffen können“, ergänzen die Kinder.

Während der schulische Teil in der Corona-Krise zu bewältigen sei, liegt die größte Herausforderung laut Martina Böhm darin, dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht zu werden. Besonders in Zeiten, in denen auch noch der Schulsport als Möglichkeit, um sich auszupowern, wegfalle. Stattdessen setzt die Familie auf Spaziergänge mit dem Hund, einen Besuch beim Pflegepferd oder auf das Trampolin, das vor dem Haus steht. Auch Seilhüpfen vor der Haustür sei eine Option. Was nicht geht, ist zum Austoben ein Besuch auf dem Spielplatz – und dieser Verzicht ist gar nicht so einfach, wenn die Spielgeräte auf der anderen Seite des Gartenzauns stehen.

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