Luizis Erben gehen auf Spurensuche

Zum 1250-Jahr-Jubiläum Lienzingens sollen 2016 unter anderem eine Ortschronik und eine Fotoausstellung die Geschichte beleuchten

Von Carolin Becker Erstellt: 2. Februar 2015, 00:00 Uhr
Luizis Erben gehen auf Spurensuche Diese Szene aus der Lienzinger Friedenstraße hat Robert Bothner aus Stuttgart-Wangen im Jahr 1926 für die Nachwelt festgehalten. Foto: privat

Als Schnecken werden sie gern bezeichnet, doch dass die Lienzinger in der Vergangenheit auch intensive Kontakte mit Blutegeln gepflegt haben, ist nur eine Erkenntnis einer Spurensuche, die tief hinein in die Ortsgeschichte führt.

Mühlacker-Lienzingen. Bei den Leuten des Luizi, so lässt sich der alemannische Ortsname laut Homepage der Stadt Mühlacker übersetzen, dürfte sich lange vor der ältesten überlieferten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 766 Spannendes ereignet haben. Nichtsdestotrotz nutzen Luizis Nachkommen und jene, die im Lauf der Zeit bei ihnen Wurzeln geschlagen haben, 2016, um das 1250-Jahr-Jubiläum ihres Dorfes zu feiern. Auch zwischen zwei Buchdeckeln wird das Ereignis seinen Niederschlag finden: Die Lienzinger Ortschronik, die voraussichtlich im Rahmen des Festakts im Frühsommer 2016 vorgestellt werden soll, nimmt immer konkretere Formen an. Bis zum Redaktionsschluss im April würden die Manuskripte vorliegen, dann würden die einzelnen Beiträge der beauftragten Historiker und der Mitglieder einer Projektgruppe für den Druck bearbeitet, berichtet die Mühlacker Stadtarchivarin Marlis Lippik vom Fortschritt des im Juni 2012 gestarteten Vorhabens. Auf den etwa 300 Seiten seien durchaus auch bis dato kaum oder gar nicht bekannte Details zu entdecken. So habe eine Recherche zur Medizingeschichte im Staatsarchiv Ludwigsburg Berichte ans Tageslicht befördert, die von einer Blutegelzucht zweier Brüder in Lienzingen zeugten, für die im 19. Jahrhundert bei der Obrigkeit um Unterstützung nachgesucht worden sei.

Um Unterstützung nicht finanzieller, sondern ideeller Art bittet mit Blick auf das Ortsjubiläum auch eine Arbeitsgruppe, der Vertreter vieler örtlicher Vereine und Institutionen angehören und die die Feierlichkeiten vorantreiben will. Geplant sei unter anderem eine Fotoausstellung, erzählt der Stadtführer Roland Straub, der die Bilder entgegennimmt, teils aufwendig bearbeitet und archiviert. „Willkommen sind alle möglichen Motive, vor allem solche, die Gebäude im früheren Zustand zeigen oder Einblicke in Handwerksberufe im Ort und den Weinbau bieten“, sagt der Geschichtsexperte, der die Historie seiner Familie in Lienzingen bis etwa ins Jahr 1560 zurückverfolgen kann. Gern nehme er zusätzlich zu den geschätzt aktuell 600 Aufnahmen weitere entgegen, die nach dem Einscannen auf Wunsch wieder zurückgegeben würden. Die ältesten bisher gesammelten Bilder stammten aus dem Jahr 1892 und zeigten unter anderem eine Brauerei. Die Zeitreise auf Papier werde in Teilen schon am Lienzinger Tag auf der Gartenschau präsentiert, solle ansonsten aber im Lienzinger Rathaus ihren Platz finden, blickt Roland Straub voraus, der von weiteren Zielen berichtet: Aktuell beginne ein kleines Team damit, Zeitzeugen im Ort zu interviewen. Ob die entstehenden Tonaufnahmen einmal als CD erworben werden könnten, sei zwar noch nicht geklärt, sicher sei aber, dass das Dokument ins Stadtarchiv wandern werde.

Dort freut sich Marlis Lippik über die „enge Zusammenarbeit“ mit den ehrenamtlichen Geschichtsforschern. Die eigene Arbeit werde ihr freilich auch nach dem Lienzinger Jubiläum nicht ausgehen. Für 2018 peile sie eine Ausstellung zur Industrie- und Firmengeschichte und darauf basierend einen neuen Band der Schriftenreihe an. Parallel werde sie die letzte noch ausstehende Ortschronik – jene für Mühlhausen – in Angriff nehmen.

Derzeit fahnde ein eigens beauftragter Historiker nach dem Datum einer gesicherten Erstnennung. Wenn auch dieses Projekt bis spätestens 2021 in trockenen Tüchern sei, könne eine Gesamtgeschichte Mühlackers ins Blickfeld rücken, verrät Marlis Lippik. Spannende Forschungsfelder tun sich also jede Menge auf, denn Blutsauger und andere interessante Kreaturen wird es nicht nur bei den Leuten des Luizi gegeben haben.

Carolin Becker

Redakteurin E-Mail: redaktion@muehlacker-tagblatt.de Telefon: (07041) 805-27

Carolin.Becker@muehlacker-tagblatt.de

Weiterlesen

CDU: Was wird aus dem Kulturdenkmal?

Mühlacker-Lienzingen (pm). Die Stadtverwaltung soll im Gemeinderat berichten, wie das um 1740 errichtete Gebäude Kirchenburggasse 5 in Lienzingen revitalisiert werden kann, nachdem es bisher nicht gelungen sei, den letzten Eigentumsanteil… »