Kirchenburgfest: Lienzingen plant eigene Biermarke

Künftiger Verein will jährliches Hopfenfest veranstalten – Allerdings: Dem traditionellen Kirchenburgfest droht das Aus

Von Ulrike Stahlfeld Erstellt: 2. Juli 2018, 00:00 Uhr
Kirchenburgfest: Lienzingen plant eigene Biermarke Der Zahn in Sachen Eingemeindung ist erst mal gezogen: „Au Backe“ heißt der Schwank mit jeder Menge Lokalkolorit, der beim Kirchenburgfest aufgeführt wurde. Fotos: Stahlfeld

Das 14. Lienzinger Kirchenburgfest bringt es an den Tag. Die Eingemeindung von Lienzingen war eigentlich schon vor rund 100 Jahren geplant! Doch die Bürgerschaft wehrte sich vehement – und „Au Backe“, da wurde beim humorvollen Theaterspiel nicht nur mancher Zahn gezogen. Die Einladung auf ein Lienzinger Bräu durften die Zuschauer gerne ernst nehmen.

Mühlacker-Lienzingen. Auch nach über 40 Jahren ist die Zwangseingemeindung von Lienzingen im Jahr 1975 ein Thema, das die Gemüter bewegt. Vor allem dann, wenn die Zuordnung nach Mühlacker in Form eines Theaterstücks so humorvoll und tiefgründig aufgerollt wird, wie das die Laienspielgruppe Schneckenhaus in zwei Aufführungen getan hat.

„Wir haben es geschafft: Wir bleiben eigenständig. Wir werden kein Teil von Mühlacker. Wir müssen keine höheren Steuern bezahlen, um einen Bahnhof zu unterstützen, der uns hier in Lienzingen kaum etwas nützt“, verkündet da vor 100 Jahren vollmundig ein Herr Gunter Flüssle (Johannes Bastian), der die Amtskette eines Bürgermeisters trägt, während Thadeus Pfullinger (Michael Riedemann) begeistert die Lienzinger Fahne schwenkt. Noch hat er Grund zum Jubeln; später wird ihm dieser Zahn jedoch nicht nur sinnbildlich gezogen. Aber auch die Mühlackerer kommen nicht ungeschoren davon.

Ramona Deeg, Redakteurin beim Mühlacker Tagblatt, hat den Akteuren die Worte in den Mund gelegt. Basierend auf einem Stück aus der Pfalz hat sie dem Schwank „Au Backe“ jede Menge Lokalkolorit verpasst, sehr zum Vergnügen der Zuschauer, die in ihrer Rolle als Bürger von Lienzingen an entsprechenden Stellen lauthals jubeln. Thomas Krack, Stefanie Däbritz, Franziska Riexinger, Christine Lehrer, Johannes Bastian, Michael Riedemann und Ansagerin Juliane Sattler spielen am Samstag auch zu Ehren ihres verstorbenen Mitglieds Klaus Schweitzer, der beim letzten Kirchburgfest mitwirkte, das anlässlich der 1250-Jahr-Feierlichkeiten groß gefeiert wurde.

Zwei Jahre später präsentiert sich das Fest der evangelischen Kirchengemeinde als kleines, aber feines Fest, das die Besucher zu den Gaden rund um die Kirche lockt. Mühlackers Bürgermeister Winfried Abicht und Roland Straub begrüßen am Samstag die Besucher am historischen Ort, wo die Kinder vom Friedrich-Münch-Kindergarten, der Männergesangverein und eine Flötengruppe unterhalten. Abicht erinnert an die Sanierung der Kirchenburg, aus deren Anlass das erste Kirchenburgfest 1986 gefeiert worden war. Er verweist auf weitere erfolgreiche Sanierungen im Ort, der für Gäste immer interessanter werde. Er präsentiert die neue Wanderkarte mit drei Strecken rund um Lienzingen und lädt zur Wanderung am Sonntag ein: „Die unterschiedlichen Perspektiven auf den Ort sind wunderschön.“

Roland Straub animiert die Gäste zum Essen und Trinken, um so die Vereine zu unterstützen. Die hätten immer mehr Probleme, auch in kleinen Gemeinden gehe die Festkultur verloren. Mit dem Turnverein und dem Männergesangverein beteiligten sich zwei Vereine am Fest. Straub: „Dem Fest droht das Aus.“ Er kündigte einen runden Tisch mit Vereinsvertretern an.

Parallel dazu gibt es in Lienzingen ganz neue Pläne. So will sich am 17. Juli der Verein „Lienzinger Bierkeller- und Kulturverein gründen“. Straub: „Ich hoffe, wir finden genug Mitglieder.“ Auf der Agenda des Vereins stehen nicht nur der Erhalt und die Pflege der Bierkelleranlage. Dem Lokalhistoriker Straub sind die ausgewilderten Hopfenpflanzen entlang des Scherben- und des Schmiebaches schon lange aufgefallen. Sie sollen Anlass für ein alljährliches Hopfenfest sein. Geplant ist zudem ein Bier mit dem Namen „Lienzinger Bräu“. Der „Wildhopfen-Edition“ werde zur Würze drei Prozent Wildhopfen im Sud beigemischt: „Das gibt es in ganz Europa nicht.“ Der ausgewilderte Hopfen stammt aus der Zeit, als in Lienzingen unter anderem von der Brauerei Johannes Gutjahr (1850) tatsächlich Bier gebraut wurde. Da könnte Gunter Flüssle also vielleicht doch auf den Lienzinger Befreiungsschlag mit einem Lienzinger Bräu angestoßen haben, wäre diese Geschichte nicht der Fantasie entsprungen.

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