Lienzingen ist um eine Rarität reicher

Christbaumständer-Museum im alten Rathaus feierlich eröffnet – OB dankt Sammlerin und Spenderin Heidi Schwarz für ihre Geduld

Von Manfred Müller Erstellt: 24. November 2019, 16:25 Uhr
Lienzingen ist um eine Rarität reicher Freuen sich über die Eröffnung des Christbaumständer-Museums (v. li.): Professor Hellmut Schwarz, Sammlerin und Spenderin Heidi Schwarz, Oberbürgermeister Frank Schneider, Kulturamtsleiterin Johanna Bächle und Dr. Martina Terp-Schunter, die Leiterin der Mühlacker Volkshochschule.

Mühlacker und der Stadtteil Lienzingen sind um eine Sehenswürdigkeit reicher. Im Beisein der Spenderin Heidi Schwarz hat Oberbürgermeister Frank Schneider das historische Christbaumständer- Museum im alten Rathaus eröffnet.

Mühlacker-Lienzingen. Wie berichtet, hatte Schwarz Ende 2015 ihre Sammlung von mehr als 1200 Christbaumständern der Stadt als Schenkung übergeben. Ein Großteil der Fundstücke stammt aus der Zeit von 1870 bis Anfang der 1950er Jahre. Vom einfachen Holzkreuz bis zu aufwendigen Modellen mit Drehmechanismen und eingebauter Spielwalze ist in der Sammlung alles vertreten. Fast drei Viertel der Exponate bestehen aus Eisenguss und spiegeln die künstlerischen Merkmale der Epochen wieder, vom floral geprägten Jugendstil und Art déco bis hin zum schlichten Bauhaus-Stil. Aber auch Christbaumständer aus Bandeisen, Holz, Glas, Porzellan oder Sandstein werden gezeigt.

Die feierliche Eröffnung des Museums wurde musikalisch umrahmt von der Akkordeon-Solistin Olga Rühl. Das Museum ist über die Winterzeit für Besucher jeden Samstag- und Sonntagnachmittag geöffnet. Der Eintritt ist kostenfrei.

„Heute haben wir allen Grund zu feiern“, sagte Oberbürgermeister Frank Schneider, der die geladenen Gäste begrüßte. „Rechtzeitig zu Beginn der Adventszeit wird das Christbaumständer-Museum im alten Lienzinger Rathaus eröffnet. Lienzingen hat damit neben dem historischen Etterdorf und der eindrucksvollen Frauenkirche ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.“ Insgesamt, erinnerte der Rathauschef, summierten sich die Kosten für Gebäudesanierung und Inventar auf knapp eine Million Euro. Über das Sanierungsprogramm für den Ortskern werde etwa die Hälfte der Kosten vom Land übernommen.

Der OB dankte Mäzenin Heidi Schwarz mit einem Blumenstrauß für die Schenkung und ihre Geduld während der Sanierungsphase bis zur Eröffnung. Auch den vielen am Projekt beteiligten Helfern und Unterstützern sprach Schneider seine Anerkennung aus. „Lienzingen ist immer einen Besuch wert“, so sein abschließender Hinweis für historisch Interessierte aus dem nahen und fernen Umland.

Heidi Schwarz hat ihre Jugend und Kindheit in Tauberbischofsheim verbracht, bevor sie nach Mannheim zog und als Sekretärin für den damaligen Bundestagsabgeordneten und späteren Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel arbeitete. Die Sammelleidenschaft für Christbaumständer wurde durch eine Freundin geweckt. „Haben sie sich nicht auch gefragt, ob es überhaupt mehr als fünf oder zehn verschiedene Modelle gibt, als die Idee eines Christbaumständer-Museums aufkam?“, fragte sie in die Runde. Anfangs habe sie ähnlich gedacht, aber bei gemeinsamen Flohmarktbesuchen mit der Freundin sei ihr bewusst geworden, wie viele großartige historische Exemplare es über die geläufigen Varianten hinaus noch gebe.

Nach und nach hat die Sammlerin nach eigener Darstellung ihren Aktionsradius immer mehr ausgeweitet. Selbst bei Schnee und Eis sei sie schon frühmorgens auf den Flohmärkten erschienen, um die schönsten Stücke zu finden. „Meine Konkurrenten waren nicht die deutschen Sammler, sondern vor allem die US-Amerikaner, die früher Christbaumständer im großen Stil aufgekauft haben.“

Johanna Bächle, Leiterin des Amts für Bildung und Kultur, rezitierte eine zur Eröffnung des Museums passende Kurzgeschichte von Heinrich Böll mit dem Titel „Nicht nur zur Weihnachtszeit“. Hauptperson ist „Tante Milla“, die sich mit Händen und Füßen dagegen wehrt, dass der Tannenbaum nach dem Fest wieder aus dem Wohnzimmer entfernt wird. Die Familie muss sich fügen, und von nun an wird jeden Tag Weihnachten gefeiert.

Parallelen zwischen der Böll-Satire und der Christbaumständer-Ausstellung sah Bächle darin, dass auch das Museum fast das ganze Jahr geöffnet ist, was bei einigen Skeptikern Bedenken hervorruft. Mit einem kurzen Abriss zur Geschichte des Christbaums verdeutlichte Bächle, dass die gezeigten Exponate selten älter als 150 Jahre sein können. Sie beendete ihre Ausführungen mit den Worten: „Kommen sie wieder und empfehlen sie uns weiter.“

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